Reisebericht Neuseeland / Australien

Corona machts möglich – ich habe es nach elf Jahren geschafft, unterstützt durch die freie Zeit, die die Pandemie beschert, mein lange vorgenommenes und immer wieder fadenscheinig verschobenes Projekt zu realisieren.

Das Ergebnis findet Ihr hier als PDF zum Download. Damals hatte ich noch keinen wordpress account und habe mir irgendwie anders beholfen.

Es ist 11 Jahre alt, aber ich habe der Versuchung weitgehend widerstanden, die Texte zu überarbeiten. Wird eh´nicht besser. Ist halt nur ein Reisebericht, den ich für meine Mitreisenden und mich als Erinnerung geschrieben habe. Außerdem sind die Texte und ein Teil der Bilder damals verwendet wurde, um unseren Freunden zu Hause mitzuteilen, wie es uns geht.

Das war vor elf Jahren noch etwas besonderes, von der anderen Hemisphäre online berichten.

Egal. Ich würde mich freuen, wenn ich jemandem mit diesen Seiten eine Freude mache. Auch denke ich, dass es die eine oder andere Anregung bieten könnte, wenn wir nach Ende der Pandemie wieder in die Welt ausschwärmen dürfen

Hier ist also das Tagebuch

19.04. …wieder zurück – Resume und Memos für das nächste Mal

Wie ich schon gestern schrieb, haben wir auf die Premium Economy bei Condor umgebucht. Das sei jedem, der das irgendwie hin bekommt ans Herz gelegt. Im Normalfall kostet das halt mal schnell das doppelte vom einfachen Flugpreis. Es scheint sich aber zu lohnen am Abflugtag noch mal bei der Airline anzurufen und nachzufragen. Unsere 100,00 EUR Aufpreis haben sich sehr gelohnt!.

Zunächst ist Orlando höchstpünktlich am Hotel, wir fahren noch mal an Miramar vorbei in Richtung Vinales (Autobahn) und dann zum Flughafen. Der 6 Liter Reihensechszylinder grummelt mit 580 Umdrehungen pro Minute und hat bei der niedrigen Drehzahl bereits einen barbarischen Anzug. Davon macht Orlando aber seltenst Gebrauch. Normalerweise fährt er im 5. Gang im Standgas. Der Kerl fährt superentspannt, fast buddhistisch.

Es ist gerade Rushour. Wer sich da so ein südländisches Gehupe und Gebrülle und aufheulende Motoren vorstellt, irrt. Es ist alles konfrontationslos und sehr aufmerksam gegenüber andereren. Dabei ist es nicht wichtig, welche Vorschrift gerade missachtet wird (es gibt viele und die werden gern mißachtet), sondern was in einer bestimmten Situation sinnvoll scheint.

Das funktioniert natürlich neben der bemerkenswert aufgedreht freundlichen Art der Kubaner vor allem deshalb, weil der Strassenverkehr beträchtlich geringer ist. Wenn man in Havanna mal mehr als eine Ampelphase warten muss, zählt das als großer Stau.

Orlando bringt uns dunkel schnurrend zum Terminal 1. Da wir nicht annehmen, dass es weitere Terminals gibt machen wir uns keine Gedanken.

Wir sind auf dem Herflug hier angekommen, aber es sieht alles irgendwie anders aus. Nach einem 15 minütigen Irrlauf stellen wir fest: Es gibt in zwei Kilometern Entfernung ein Terminal 2. Eigentlich fliegen die meisten Interkontinentalflüge im T1 ab – Ausnahme Zürich und Frankfurt – die fliegen ab T2, wo sonst eigentlich nur Miami abfliegt. Es gibt dann auch noch ein T3 für Inlandsflüge.

Wir nehmen ein Taxi zu T2. Dort verschlägt es uns erst mal die Sprache. Eine unfassbare Menschenmenge steht als riesige Traube vor dem Eingang der Check-In-Halle. Es ist drei Stunden von Abflug …. da kommen wir nie mit!

Ich sondiere die Situation: mit der Premiumkarte können wir rechts an dem Klautsch vorbei zur Premiumreihe – da stehen derzeit nur 6 Leute.

Es gibt aber gerade ziemlichen Zoff: ein Ehepaar mit Nörgelfrau hat vergessen, online einzuchecken und nun gibt es für sie nur ein Downgrade in die Holzklasse. Die Frau hyperventiliert und fuchtelt mit ärztlichen Bescheinigungen, die es ihr verbieten, in der Holzklasse zu fliegen (wahrscheinlich eine Nachbarschweissallergie) …. sie ruft dann irgendwann kassandrisch nach hinten zu uns gewandt;: PREMIUM IST AUS – IHR KÖNNT GEHEN.

Machen wir natürlich nicht, sondern gehen auch an den Schalter und werden problemlos abgefertigt – wir hatten ja online eingechecked…… die Dame betrachtet schweigend den Vorgang und durchbohrt ihren Mann mit Blicken…

Die hinter uns haben das gleiche Problem – ebenfalls nicht confirmed – Platz weg. Der nette Mann versteht die Welt nicht: „Das hat doch der Reiseveranstalter schon alles durchgechecked“ – ich erkläre ihm den Unterschied zwischen Flug buchen, Flug confirmen und CheckInn ….er hat halt nur gebucht. Ist aber auch Mist.

Die Erklärung für den Schlamassel kommt später. Condor hat den falschen Flieger gesandt. Der hat weniger Businessplätze und weniger Premiumplätze als der eigentlich vorgesehene. Damit mussten gebuchte Passagiere aus der Business in die Premiumklasse. Ein Teil des Problems war sicherlich auch unsere glückliche Buchung vom gleichen Morgen, wo man noch vom richtigen Flieger aus ging. Glück gehabt.

Was aber nun unterscheidet denn diese Nepp-Klasse von der Holzklasse? Die Sitze sind NICHT breiter, aber der Sitzabstand ist beträchtlich (20cm?) größer. Dadurch lassen sich auch die Lehnen beträchtlich mehr neigen. Die Kopfstützen sind höhenverstellbar. Es gibt Alkohol umsonst und soviel man will und das Bordprogramm inkl. Kopfhörer kostenlos. Priority CheckInn hatten wir schon. Am Ende des Fluges landet das Gepäck als erstes auf dem Band. Da wir knappen Anschluss nach Dresden hatten, war das sehr gut für uns.

Ob ich für dieses Gesamtpaket das Doppelte vom normalen Flugpreis bezahlen würde, bezweifle ich. Es ist – glaube ich – auch ein Condorproblem. Die haben die hinteren 20 Reihen um 10 cm verkleinert um vorn 10 Reihen mit 20 cm mehr Beinfreiheit zu generieren.

Das ist schlicht eine Unverschämtheit. Auf diesen gedrängten Plätzen hinten Leute zusammenzupferchen, die dann sogar noch nach der Landung klatschen.

Auf anderen Fluglinien (z.B. LH/Emirates/AirNamibia) habe ich so etwas noch nie gesehen ….. da sitzt man hinten normal unbequem aber nicht gepfercht.

Dafür gab es SEHR gutes Bordessen …. das machen die wirklich gut.

Wir landen halbwegs ausgeruht in Frankfurt, Dank Premiumdingsda fällt unser Gepäck bald vom Band. Trotz 40 min Verspätung schaffen wir den Zug nach Dresden bequemst.

Im Zug nun Zeit für die Zusammenfassung und für Dinge, die ich mir für das nächste Mal merken will:

Land & Leute

Vorwiegend fröhliche und hilfsbereite Menschen. Fast keine Kriminalität. Auch wenig südländische Aufdringlichkeit. Es ist halt wie immer, wenn Du Dich den Menschen näherst, reagieren sie anders, als wenn Du sie nur beobachtest

Die Kubaner (besonders die Kubanerinnen) experimentieren wahrscheinlich mit diversen Botoxderivaten. Wir vermuten:

Po-Tox
Bau-Tox
Bu-Tox

Es gibt also sehr viele „dralle“ Erscheinungen. Vieles, aber bei weitem nicht alles ist schön

Die Landschaft

Wir waren ja nur im Westtteil (östlichster Aufenthalt: Trinidad) Dort haben uns die tollen Landschaften überall gefallen. Vieles sieht man erst, wenn man auch mal von der Hauptstraße runter fährt und sich auf Feldwegen (offRoad) vorwärts bewegt. Auch die kleinen Gebirge im Westen sind einen Ausflug wert. Nicht so begeistert haben uns die Playas (Strände) ….. das ist halt so wie Ostsee in karibisch ….. nicht so unseres

Die Städte

Geben meistens nicht mehr her, als einen Tag. Selbst Havanna ist nach drei Nächten durch, wenn man keine besondere Exkursionsidee hat. Auch die wirklich netten Orte wie Cienfuegos (unser Favorit) oder das touristische Trinidad (ging uns zum Schluss auf den Zünder) sollte man nicht mit zu viel Zeit bedenken, sondern lieber schauen, was man von dort aus unternehmen kann. Davon gibt es immer reichlich. In Städten wie Trinidad werden einem die Exkursionen sogar aufgedrängt ….. wir haben diese Angebote nicht genutzt und haben lieber in den Casas gefragt. Die Herbergseltern reden immer gut englisch, wenn nicht gar deutsch und haben immer gute Tipps zur Hand. Manches muss man aber auch selbst herausfinden (wie z.B. unser Katamaranausflug) Augen und Ohren auf … Leute fragen, keine Angst haben !

Die Fortbewegung und die Unterkünfte

Das sind sicher die Vorlieben sehr individuell verschieden. Ganz sicher ist Kuba kein Land für Gruppenreisen, weil die Casa Particulares, in denen wir wohnten, meistens höchstens 2…3 Zimmer hatten….. Veranstalter von Gruppenreisen können mit dieser Infrastruktur nichts anfangen und weichen dann wahrscheinlich auf „das beste Haus am Platz aus“, was immer staatlich und von meiste zweifelhaftem Niveau ist…..so jedenfalls unsere Beobachtung

Wir hatten unsere Reiseroute vorher geplant und die Casas vom Reisebüro Rieckmeyer buchen lassen….. das kostet 5,00 EUR pro Buchung, hat sich aber sichtlich gelohnt – die Quartiere waren alle PREMIUM.

Es gibt durchaus die andere Variante, sich von Casa zu Casa zu hangeln. Die Besitzer kennen meistens in der nächsten Stadt jemanden – sind gut vernetzt. Wir haben aber einige Leute getroffen, die mit dieser Methode zweifelhafte Ergebnisse erzielt hatten.

Der Nahverkehr in Kuba ist eine Katastrophe und keine zehn Pferde würden mich im Urlaub dazu bringen, dies zu nutzen. Ich fand unsere Variante, einen Allradwagen zu mieten und mit dem immer maximal neben der Straße zu fahren, wo es sich anbot, ziemlich grandios. Wenn man nicht auf Feldwegen fahren will, reicht ganz sicher auch ein normaler Kleinwagen, der aber auch nicht billiger ist.

Mietwagen UNBEDINGT (!!!) vorher buchen.

Ansonsten: Zeit nehmen, nicht hetzen ….. lieber wenige Stationen und dort richtig, als jeden Tag 200 km zu fahren.

Immer mal wieder haben wir auch welche getroffen, die sich einen Oldtimer gemietet haben. In der Hoffnung so mehr über Land und Leute zu erfahren. Das sollte nur derjenige machen, der perfekt spanisch spricht, weil die Fahrer in aller Regel kein englisch sprechen. Zudem sind diese Oldtimerrundtouren hoffnungslos überteuert und es sind nicht gerade die schönsten und dann auch noch meistens geschlossene Kisten ohne Klima …. das braucht in Kuba kein Mensch.

Tipp: in Havanna zum Parque Central gehen und nicht auf die einfachen Angebote eingehen – wenn man denen erklärt:

„ich will einen Fahrer, der englisch spricht“, melden sich erst mal alle. Wir haben dann mit jedem etwas Konversation gepflegt und dann merkt man ja schnell, ob das stimmt.

Wenn man nur zu zweit ist, kann es sinnvoll sein, einen Fahrer UND einen Guide zu buchen (wie wir es gestern mit Felipe und Orlando gemacht haben) ….. ich fand es aber immer besser, wenn der Fahrer selbst sprach …. kürzer Kommunikationsweg. Nach den Preisverhandlungen, die wir so versucht haben, würde ich vermuten, dass man ein sehr schönes Flossencabrio mit englischsprachigem Fahrer für 14 Tage pro Tag mit 100,00 CUC durchmieten kann….. wer nicht weiter weiß, ich habe ein paar Telefonnummern von Fahrern gesammelt.

Telefon/Internet: !!!!zu Hause bei der Telefongesellschaft fragen, was die anbieten können. In Kuba gibt es nur Public-WLan mit Rubbelllosen – der letzte Dreck! Meistens auch überlastet.

Internet über SIM-Card funktioniert hingegen extrem gut und flächendeckend. Geht aber nur über ein Tarifpaket der heimischen Telefonfirma. Bei Peter und mir = Telekom = 29,99 für 1GB Datenvolumen für eine Woche oder 15,99 für 300 mB für eine Woche….. ) Alternative: Cubacel mieten ist abartig teuer und nicht praktikabel

Cuba, noch mal?

JA! Wie im Vorwort geschrieben, hatten mir viele in Deutschland gesagt: ja, das war ganz schön und es war gut, dass wir das noch mal „im Originalzustand“ gesehen haben ….. aber noch mal müssen wir das nicht machen.

Unser Eindruck war anders – das Land ist einem quälend langsamen Prozess der Öffnung und Demokratisierung. In wenigen Jahren wird es so weit sein, dass Amerkanische Individualtouristen das Land überschwemmen. Soweit wir das gesehen haben, sind auch jetzt schon sehr viele (mit Gruppenreisen) aus Miami unterwegs. Für diese Zukunft werden gerade viele Hotels im Nirgendwo gebaut und ich vermute, dass die Amis dann so ähnlich wie (viele) Deutsche nach Palma de Mallorca fliegen, direkt nach El Arenal durchfahren und dann nach einer Woche zurück auf den Flughafen kommen.

Ich könnte mir schon vorstellen, dass diese Separierung eine Amerikanisierung des Alltags verhindert. Dass ein Kubaner, der sein 30 TEUR Oldtimer geradezu abgöttisch liebt und pflegt dies in 10 Jahren deshalb nicht mehr machen wird, kann ich mir nicht vorstellen.

Ich möchte gern noch mal nach Kuba und es würde mir nichts ausmachen, wenn es den Leuten in den teilweise doch recht „zerbombten“ Städten besser gehen würde und die Städte instand gesetzt werden können. Auf dem Land, wo das Privateigentum herrscht findet man ja bereits heute vorwiegend intakte Häuser.

Ich hätte auch nichts dagegen, wenn diese schaurig leeren Bohnen&Reis – Bezugsläden verschwunden würden – solche Art Nostalgie brauche ich nicht für meinen Urlaub.

Trotzdem sei eines angemerkt: Kuba ist sicherlich ein Lannd der „Dritten Welt“. Inzwischen waren wir aber bereits in einigen solchen Ländern….. und da fällt mit Kuba insgesamt (in meiner Touristenwahrnehmung) als vergleichsweise gut funktionierendes Sozialwesen auf.

Kuba ist laut und freundlich. Manchmal nervt es, wenn man einfach nur sitzen und gucken will und dann die nächste Tourimusikbande hereinkommt, 5 Songs spielt und dann p.P. Irgendwas zwischen 2….5 CUC erwartet. Man kann da leider nicht ausweichen.

Oft genug aber sind die Bands brillant und die Sache hat Feuer – dann kommen selbst Frauen aus Bottrop und Coswig in Ekstase und schwingen – so gut es geht – ihr Hüften. Peter und ich haben uns dieser gemeinschaftlichen Ekstase immer wohlwollend verweigert.

ANSONSTEN:

Fahrt hin! Schaut es Euch an!

Peter&Jörg

Im April 2019

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Memos für Herrn Rieckmeyer:

2 Nächte in Havanna reichen! – wieder im Hotel Sevilla ….geht nicht besser!

Vinales gern etwas länger

Möchte gern die Westspitze von Kuba besuchen

Kein Playa Larga mehr! ….. wenn es die Routenplanung nicht anders hergibt, aber wieder zu Kiki

Zwischen Vinales und Playa Larga muss es doch an der Südküste noch etwas zu sehen geben ….. oder wohnen dort gar keine Menschen?

Etappen MAXIMAL 180 km

Möglichst mindestens überall zwei Übernachtungen

Gern auch mal Orte, die nicht auf der Touristikhauptroute liegen

Gern ein Allradfahrzeug, in dem ich die Ohren nicht zwischen den Knien habe ….. gibt es so etwas auf Kuba?….ansonsten war der Suzuki aber TOP.

Cienfuegos war schön – dort könnte man beim nächsten Mal in der Marina bei DreamYachtCharter (Omar) eine großen (Kabinen-) KAT ausleihen, der auch segelt. Den Motorsegelkatamaran in Trinidad brauchen wir nicht ein zweites mal, auch wenn das Gesamtpaket sehr schön war. Das Hotel in Cienfuegos war der Hammer!

Trinidad – Wohnen im Vorort (Casilda) ist zu empfehlen – es führt zwar dazu, dass man zum Abendessen für Hin- und Rückfahrt rund 10,00 CUC einplanen muss …. aber in Trinidad will ich nicht wohnen.

Santa Clara braucht kein Mensch

Der gesamte Osten mit den Gebirgen würde mich noch sehr interessieren

Trinidad hat als Stadt genervt

18.04. Letzter Tag

Weil wir zeitig ins Bett sind, wache ich bereits 06:30 nunmehr gut erholt auf. Ich schaue bei Condor nach dem Check Inn. Dabei kommt mir eine Idee – ich rufe bei Condor an und frage, ob die noch Upgrades in die deutlich bequemere Comfort-Klasse haben. Der Hinflug war schon echt strange.

Zu meine Überraschung und großen Freude sagt die nette Dame: Ja …. und weil heute Abflugtag könne sie mir das Upgrade, was eigentlich 900,00 EUR kostet für 100,00 EUR anbieten….. NEHMEN WIR …. Frau! Ich komme erholt zurück ….. freut Dich das?

Ich gebe Peter Bescheid, dass ich frühstücken bin. Da er sowieso ein Kurzfrühstücker ist – eher so wie JürgenS, wer ihn kennt, weis was ich meine – hat es sich eingebürgert, dass Peter etwas später am Frühstückstisch erscheint, damit wir gemeinsam fertig sind. Das Late Checkout für 18:00 Uhr klappt auch. Wir beahlen die 30 CUC und versuchen den Flug einzuchecken ….. das Internet ist in der Lobby vollkommen überlastet – oben im Zimmer geht das aber rasch.

Wir laufen zum Central Park, wo wie immer unzählige Cabrios auf Kundschaft warten. Ich sage, dass wir einen Fahrer wollen, der gut englisch spricht, uns in die nichttouristischen Gegenden von Havanna für 3….4 Stunden chauffiert und dann gegen Abend zum Flughafen bringt. Wir bekommen einen sehr sympathischen Fahrer – Anfang Vierzig, verheiratet mit einer Neunzehnjährigen, wie er später erzählt – und, weil er zwar etwas aber nicht viel Englisch spricht noch einen Guide. Die erste Verhandlungssumme ist astronomisch. Ich erkläre den beiden, dass wir die Preise von unserem Freund Ariel kennen und solchen Nepp nicht mitmachen.

Am Ende steht für das Gesamtpakten (Stadttour mit rotem 1959er Chevrolet Cabrio, Originalmotor aber Ladagetriebe, Guide und Flughafentransfer ein Preis von 100 CUC – das fetzt. Die Jungens machen das wirklich sehr gut und lassen alle Sehenswürdigkeiten aus und erklären uns lieber, wie das Leben in Havanna funktioniert.

Wir halten unter anderem bei einem Aluminiumhändler – der kauft alte Bierdosen für 5kg = 2 CUC auf ….. eine lange Schlange mit fröhlichen Menschen. Wir tauschen mit den Leuten ein paar Freundlichkeiten aus und dürfen auch fotografieren. Vom Guide erfahren wir, dass der Aluhändler JEDEN Sack akribisch mit dem Magneten prüft, damit ihm kein Eisenschrot zwischen den Dosen untergeschoben wird. Dann fahren wir durch das Viertel, wo der Guide wohnt. Auch viele verfallene Häuser aber das meiste nicht ganz so schlimm. An jeder Straßenecke halten wir und Felipe (der Guide) ruft sich mit seinen Nachbarn irgendwas zu …. ganz lustig.

Felipe erklärt auch, wie das mit den leeren Läden funktioniert. Da kann man gar nicht einkaufen. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat jedes Haus (also alle Bewohner zusammen) eine Bezugskarte, die herumgereicht wird, Dafür bekommt man dann im Laden die nötigsten Dinge: Reis, Bohnen ……. Nicht mehr und nicht weniger.

Er zeigt uns auch einen staatlichen Obst- und Gemüsemarkt, in dem nichts so aussieht, als könne man es essen. Dazu sind die Preise echt überteuert. 200m weiter ein privater Markt: Tropenfrüchte im Überfluss und sehr lecker für deutlich weniger Geld. Keine Ahnung, wie das funktioniert.

Ich habe gelesen, dass Havanna seinen Bedarf an Lebensmitteln zu über 30 Prozent aus städtischem Anbau (auf den Dächern und in den zahlreichen Brachen) deckt. Ziemliches Zukunftskonzept – wenn auch aus der Not geboren. In Berlin gibt es dazu erste Versuche der ökologischen Stadtschickeria, womit bei uns viel Gewese gemacht wird – hier ist das funktionierender Alltag.

Dann auf der Uferstraße nach Miramar. Das ist so der „Weiße Hirsch“ von Dresden. Nun beginnt das gleiche Spiel mit dem Fahrer (Orlando), der hier ganz viele Leute kennt.

Wie machen Rast in einem sehr originellen Szenerestaurant, wo Abends ganz sicher der Bär steppt – aber kein folkloristischer. Für das nächste mal merken.

Zurück nach Althavanna gehen wir in einem Restaurant gemeinsam mit Felipe und Orlando esse, vor dem wir schon mal umgedreht sind, weil es uns zuuuu touristisch erschien. Das Ding heißt „Buena Vista Social Club“ und ist Abends so eine Art folkloristisches Fress-Kabarett, wo die Touristenb hin geschafft werden, die mal „das originale Kuba“ erleben wollen.

Das Essen ist ganz ausgezeichnet und Felipe/Orlando versichern uns, dass das Programm SEHR gut sein soll. Also auch für das nächste Mal merken….

Hotel – Tagebuch schreiben – ruhen – packen

5:30 pm stehen die beiden mit ihrem roten Cabrio vor der Tür – dann geht es zum Aeroporto und dann ….. heeme

Anmerkung: Ich habe wie immer unfassbar viele und (auch) wie immer ein paar sehr schöne Fotos im Gepäck. Das lässt sich aber mit dem iPad, auf dem ich den Blog schreibe nicht gut sortieren. Deshalb habe ich mal das eine oder andere Foto wahllos eingefügt….Update folgt in ca. drei Wochen…..

17.04. Zurück nach Havanna

Das mit den Getränken ist gestern Abend schief gegangen. Eine unheilvolle Mischung aus Mojitos, Daiquiri und PinaaColada ….. ich meine, ich hätte Peter auch noch Rum trinken sehen…. uns kann man halt nicht alleine lassen, wie meine Frau immer sagt.

Peter verweigert das Frühstück und teilt mir per Kurznachrichtendienst mit, dass er versucht, um Neun am Auto zu sein. Das Frühstück ist erstklassig mit verschiedensten lecker angerichteten Früchten, ordentlichem Kaffee.

Das Gebäck ist halt wie immer hier: entweder Einback oder Zwieback. Brot können die Kubaner nicht.

ich setze Peter auf den Beifahrersitz, schnalle ihn an und starte die Navigation. Es sind fast 300 km bis zur Hauptstadt. Es ist aber noch früh am Tag. So gebe ich als Adresse den Östlichen Strand Havannas – Santa Maria del Mare. Peter schläft und immer, wenn er kurz aufwacht singt er „Es ist noch Sand da Maria…..“.

Die Strecke würde eigentlich erst nach Havanna führen und dann zurück zum Strand. Ich nehme aber Kurs auf Matanzas an der Nordküste, um dann die Küstenstraße bis zum Strand zu fahren. Das spart etliche Kilometer Autobahn.

Gegen Mittag wird Peter munter und auch sofort renitent: H U N G E R!

Wir halten an einem Bistro und nehmen etwas Nahrung auf – ich möchte es mal nicht Essen nennen….. aber tut seinen Zweck: der Hunger ist weg.

Gegen Zwei erreichen wir den Strand. Wir wollen dort eine knappe Stunde bleiben und dann die restlichen 20 min nach Havanna absolvieren. Der strand – obwohl mitten in der Woche – ist brechend voll. Vorwiegend Kubaner, soweit ich das beurteilen kann. Viele haben eine komplette Musikanlage mit und beschallen sich gegenseitig. Wir laufen etwas weiter, bis es ruhiger wird und gehen wechselweise ins Wasser. Herrliche Wellen, auf denen man „Bauchsurfen“ kann. Das Wasser hat bestimmt 30 Grad.

Auf dem Weg nach Havanna gibt es einen Kontrollpunkt, an dem (wir wissen das) das Speedlimit von 50 km/h elektronisch überwacht wird. Peter, der sich nun fahrtüchtig fühlt und es wohl auch ist trieft aber und übersieht den Kontrollpunkt. Folgerichtig werden wir herausgewunken. Obwohl wir das Spanisch des Polizisten gar nicht verstehen, untersetzt der schwerbewaffnete Goucho seine Aussagen eindrucksvoll und gut verständlich mit Zahlen:

1. Tempolimit 50

2. Peter war zu schnell – wieviel weiß man nicht ist aber egal

3. Die (offizielle) Strafe ist 100 CUC

4. der Mann ist Profi und fügt eine gut getimte Pause ein – er mustert speziell Peter dabei auf das Genaueste

5. Das Finale: wenn wir ihm 60 CUC geben, gibt es Zero Problema

Ich widerstehe der Versuchung den Googleübersetzer anzuwerfen und diesem Ausbund an Bestechlichkeit mitzuteilen, dass wir seine Aufforderung zur Bestechung gefilmt haben und gegen die Zahlung von 20 CUC an uns auf eine Anzeige verzichten. Der Googleübersetzer funktioniert echt gut!

Aber natürlich bezahlen wir die 60 CUC und dürfen gehen.

Wir wohnen wieder im Hotel Sevilla, wo man uns – wahrscheinlich wegen des hohen Wiederkennungswertes (der Fidel-Immitator mit dem dicken Freunnd) überschwänglich begrüßt. Nicht einer …. nein alle. In der Bar werden wir von der Kellnerin sogar mit Bussi begrüßt …. was sind wir doch beliebt.

Dann Auto im Hotel Kohly abgeben …. alles easy …. und mit dem Taxi zurück. Kurzer Spaziergang, dann Licht aus ….. es war gestern lange genug „hell“.

16.04. Hoffis Geburtstag! Nicht vergessen! …. nach Santa Clara

Mein Freund Hoffi hat heute Geburtstag. Durch die Zeitverschiebung habe ich nur noch knapp zwei Stunden Zeit, ihm termingerecht zum Runden zu gratulieren – was ich hiermit erledigen möchte!

!!!Hasta la vista, Baby!!!….schon am kommenden Sonntag – dann alles Weitere.

Peter und ich haben unsere Reisegruppe gestern nach der vierten Mojita Rentnerclub „Schöne Aussicht“ benannt ….in Anlehnung an die spanische Übersetzung „Buena Vista“ Social Club.

Beim Frühstück erklärt uns unsere kubanisch-deutsche Herbergsmutti, dass wir auf dem Weg nach Santa Clara unbedingt im Tal der Mühlen (Valle de los Ingenios) vorbei fahren sollen. Sie schreibt alles fein säuberlich auf einen Zettel mit Zeichnung. Kann nichts schief gehen. Wir fahren los und finden: NIX. Jedenfalls nicht den Sehnsuchtsort aller Deutschen: Das Mühlental.

Wir schreddern über eine anspruchsvolle off-Road-Piste, bis wir auf 20 grimmige Kühe und einen Zaun treffen. Alles sehr idyllisch. Wir schlagen uns zur Straße durch, sehen einige interessante Örtchen und verpassen dann zurück auf der Hauptstraße den beschriebenen Abzweig nach Minicaragua. Das merken wir aber erst in Sanctus Spiritus. Der Name des Ortes beunruhigt uns …. besonders wegen dem Spiritus und wir nehmen den kürzesten Weg zu Autobahn. Die achtzig Kilometer bis Santa Clara vergehen wie im Flug (Peter fährt und ich schlafe)

Unsere Wirtin in Trinidad hatte füpr uns die immer erforderliche telefonische Reservierungsbestätigung vorgenommen und dabei erfahren, das die Casa uns nur mit einem Doppelzimmer verplant hat. Scheinbar hat sie dem Kollegen in Santa Clara eindrücklich mitgeteilt, dass man uns besser nicht zusammensperrt. Als wir ankommen begrüßt uns der sehr freundliche 150kg Mann und weist uns zwei ordentrliche Zimmer in der Nachbarschaft zu. Geht klar.

Mit Quartieren hatten wir die ganze Zeit ungeheures Glück. Oder besser gesagt: der Herr Rieckmeyer in Münster weiß, was er tut.

Wir checken kurz ein und wollen dann in die Tabakfabrik – den eigentliuchen Grund für unseren Stopp in Santa Clara. Die Karten muss man vorher in einer Agency kaufen. Gleich um die Ecke. Dort sagt man uns, dass die Tabakfabrik die gesamte Osterwoche geschlossen hat. Na prima.

Wir gehen trotzdem da hin. Hinein können wir schon ma, weil zwei Arbeiter das eiserne Schiebetor unglücklich verkeilt haben und es nach der Durchfahrt eines LKWs nicht wieder zu bekommen. Fotos sind verboten …. aber wenn wir uns vor das Tor stellen, können wir hindurchfotografieren sagte der Cheffe.

Die Fabrik selbst ist natürlich nicht geschlossen. Aber es gibt nur einen Guide und der ist im Urlaub….oder so ähnlich. Auch zwanzig COC erweichen den Cheffe nicht – er zeigt auf eine Überwachungskamera und zuckt bedauernd die Schultern. Er gibt uns aber den Tip, dass wir versuchen können, durch die vergitterten Fenster von der Straße aus fotografieren können. Die fenster sind engmaschig vergittert, so dass man mit normalen Handys nur schwierig Fotos machen kann. Mit meiner kleinen Sonykamera geht es aber ganz gut.

Der quadratische Arbeitssaal fasst zwischen 400 und 500 Arbeiter und Arbeiterinnen, die alle emsig Zigarren drehen. Ungeheures Geschnatter dringt aus den Fenstern, das schon draußen kaum zu ertragen ist. Kubaner bei der Arbeit. Ich hätte es wirklich gern aus der Nähe gesehen …. aber ach – eigentlich haben wir gesehen, was es zu sehen gab.

Wir laufen in Richtung Parque Central und finden dort eine recht lauschige Kneipe. Wir bestellen ein paar Tapas – wieder viel zu viel – und dazu einen Mojito, der bereits nach der ersten Hälfte leichte Sprachstörungen verursacht. Wir kontern mit einem Daiquiri – das hilft.

Anschließend mit einem Bici-Taxi zum Che-Memorial. Der einzigen Sehenswürdigkeit von Santa Clara, wenn man Google glauben darf.

Der Fahrer hat an der Bruttomasse (Peter+Ich+Rikscha+Fahrer) von bestimmt 300 kg schwer zu treten. Als es nur noch im Schneckentempo den Berg hinaufgeht springe ich raus und schiebe mit. Der Fahrer ist sehr dankbar.

Wir besichtigen das monumentale Monument und schießen Posing-Fotos. Es ist ganz schlimmer Personenkultdingsda. Peter ist voll genervt und will nicht zum Grab von Che und der dazugehörigen Ausstellung. Ich eigentlich schon. Als man mir am Eingang meine Kamera vom Hals reisen will, kehre auch ich um und lass den Che liegen, wo er ist.

Peter meint (und das ist auch meine Ansicht), dass man Che aus heutiger Sicht als verzogenen Bürgersohn, der auf Revoluzzer gemacht hat und dabei ums Leben gekommen ist einstufen müsste. Mich erschreckt das sehr, weil ich die Anarchie, für die Che stand auch mal zu meinen Idealen und er damit zu meinen Idolen gehörte…..und heute steht der alte Mann (ich) am Memorial und gruselt sich vor den Ideen.

Wir winken wieder ein Bici-Taxi. Es muss sich herumgesprochen haben, dass wir beide zusammen mit einer Rikscha nicht transportiert werden können. Es kommt umgehend eine zweite Rikscha und man bietet uns an, uns mit zwei Rikschas zum Preis von einer zu fahren (=5 CUC) – das ist uns peinlich und wir bezahlen bis zum Hostal 10 CUC.

Dann kurze Pause – 18:30 noch mal zum Parque Central, dort das „Karibische Triple“ (Mojito – Daiquiri – PinaColada) …. dann ins Bett.

Morgen früh zeitig los nach Havanna. Nachmittags müssen wir das Auto abgeben.

15.04. Schnorcheln, Segeln und Eiweiss im Überfluss

Für heute haben wir uns zu zweit einen 40ft. Katamaran gemietet. Mit Mannschaft. Das ist recht einfach möglich, wenn man weiß, wen man fragen muss. Wir haben uns über die Marina in Cienfuegos (Omar von Dream Yacht Charter) in die Marina vor Casilda durchgefragt. Und dann ging es einfach. Ähnliche Touren werden als Schnorcheltouren angeboten – da werden aber 40 Touris auf einem Katamaran wie dem unseren zusammengepfercht, zu einer Insel gefahren, dürfen dort kurz schnorcheln und dann gibt es in der Kneipe auf der Insel ein Mittagessen und dann wieder zurück. Kostet um die 55 CUC.

Das wollten wir nicht. Kostet natürlich so mehr – aber ist auch nicht vergleichbar.

Der Kat ist ein 20 Jahre alter französischer Dampfer, der sicherlich noch nie richtig gesegelt ist. Die Mannschaft ist darauf trainiert, beim Ablegen das Großsegel zu setzen (wegen der Romantik), dann den Diesel auf Vollgas und ab geht es mit 9 kts.

Ist uns erst mal Wurst – ist trotzdem schön und ich bedeute dem Skipper dass wir auf dem Rückweg (wo wir, wenn der Wind so bleibt nicht kreuzen müssen) segeln wollen – ohne Maschine. Er mustert mich ängstlich und nickt.

Parallel zu uns fährt ein etwas größerer Kat, der heute früh in der gleichen Marina gestartet ist. Ich habe beim Boarding nachgezählt: 58 Passagiere.

Beide Kats gehören übrigens der kubanischen Regierung – insgesamt besitzen die in Trinidad 5 Stück.

Der größere Kat ankertz vor der Insel – Schnorcheltime. Wir halten erst mal zur Fischjagd. Es werden die Harpunen ausgepackt und zwei von der Crew gehen auf Fang. Ich schnorchle interessiert hinterher. Es stellt sich erst mal kein Erfolg ein. Dann doch zum Schluss ein kleiner Lobster…. sieht nicht sehr vielversprechend aus.

Wir setzen in das seichte Gewässer auf der Inselrückseite um. Dort ist auch ein intaktes Riff mit vielen bunten Fischen. Nicht ganz so bunt wie im roten Meer aber schon sehr beachtlich. Ich entdecke einen sehr großen Lobster vor seiner Höhle. Erst überlege ich, ob ich ihn an den Antennen zum Boot schleppe. Ich habe aber keine Ahnung, ob oder wie die sich wehren. Ich winken den Guide mit seiner Harpune heran. Der taucht zusammen mit mir runter, sieht die kleine Höhle, Er legt die Harpune an und kurz darauf ist der Lobster aufgespießt wie eine Dönerrolle. Die Kollegen haben inzwischen deutlich mehr Fisch gefangen als wir essen können. Einer der Drei macht sich ans Kochen. Salat, zwei Lobster und ein gegarter Fisch (irgendwas mit Peru), normalerweise ausreichend für 6 Personen. Das alles und eine Riesenpfanne Risotto del Mare, sollen Peter und ich allein essen.

Uff. Dann ein Bier und einen Rum und schon geht es wieder.

Wir fahren um die Insel rum, wo der große Kat mit den 58 Leuten gerade ablegt. Wir asinbd nun die einzigen auf der Insel? Nein – wieder solche possierlichen Nager, die mir Kekse aus der Hand reißen und sich dabei mit unzähligen Echsen streiten, die auch scharf auf Kekse sind und zudem ihre erogene Zone am Bauch zu haben scheinen. Sobald man sie dort krault, werden sie ganz still, schließen die Augen und verdrehen den Kopf. Echsen sind eben auch nur Menschen.

Wir baden, latschen noch ein wenig über das idyllische Eiland – Karibik-Kitsch erster Güte.

Auf der Rücktour – der Wind steht gut – bitte ich darum, ohne Motor zu segeln. Die Verzweiflung der Mannschaft ist unübersehbar. Ausflüchte aller Art ….. zu wenig Wind (stimmt nicht – Windstärke 3…4), falsch Richtung (stimmt nicht – etwas raumer als Halbwind) Irgendwann geben die Buben auf. Es stellt sich raus, die können gar nicht segeln. Der Kat schießt immer sofort in den Wind, weil sie das Segel (Traveller und Großschot) dicht gebrummt haben. Sie zucken mit den Achseln und sagen: siehste – geht nicht.

Ich lasse das Grossegel fieren – sie wissen nicht wie das geht und bedienen nur den Traveller – die Großschot ist so verfitzt und sinnlos geführt, dass sie ganz sicher noch nie im Einsatz war. Immerhin fährt der Kat mit gefiertem Traveller erst mal geradeaus, was die Buben verwundert. Ich breche die Segelschule ab und der Käptn startet erleichtert die Maschine.

Insgesamt war das schon ein großer Höhepunkt. Danke, liebes Leben!

Ich glaube, wie haben beide etwas Sonnenbrand – Peter besonders auf den vorstehenden Körperteilen (Bauch), was sehr lustig aussieht.

Heute Abend müssen wir erst mal in Ruhe was richtiges Essen gehen. 🙂
Im Ernst – ich glaube, ich esse bis zum Abflug nix mehr.

Aber irgendwas müssen wir ja heute Abend in Trinidad machen. Wir können ja nicht die ganze Zeit Pina Colada trinken – das macht nämlich nicht nur dick sondern auch noch besoffen.

Morgen geht es nach Santa Clara – unserem letzten Stopp auf der Rundreise. Dann geht es zurück nach Havanna und dann >>>>>>>>> heeme.

14.04. Trinidad – ein Tag im Alfred Brehm Haus

Es ist zwar jetzt gerade erst halb Elf abends, aber der Tag war sehr gefüllt mit Eindrücken und letztlich auch Alohol. Ich werde mich also eventuell kurz fassen und ggf. morgen ergänzen.

Zunächst muss ich einen Verdacht los werden – ich glaube, Peter liest heimlich doch meinen Blog. Er hat mich heute den ganzen Tag über gelobt. … ich glaube drei Mal!

Nach dem Frühstück fahren wir erneut zur Landspitze von Casilda. Neben unfassbar deprimierenden Pauschaltouristiktempeln befindet sich dort die Marina, in der wir gestern schon nach einem „richtigen“ Katamaran gefragt haben. Heute sind die Skipper da und alles ist ganz einfach: wir bekommen morgen früh einen 40-Fuss Kat mit englischsprachigem Skipper für den Preis, den wir uns vorgestellt haben. Ich berichte morgen.

Anschliessend die Straße zurück in in Richtung Cienfuegos bis zur Polizeistation und dann rechts in die Berge. Richtige Berge. Das Suzukilein benötigt öfters den ersten Gang. Nach zehn Kilometern eine Aussichtsplattform mit nicht wenigen Treppen aber überwältigendem Ausblick in Richtung Küste und in die Berge. Unfassbar viel Grün. Dann wird es noch steiler, Nach weiteren zehn Kilometern gibt es ein Schild, dass auf den Wasserfall hindeutet, zu dem wir eigentlich wollen.

Ein paar Kilometer abenteuerlicher Strassenweg, dann ein kleiner Parkplatz mit dem unvermeidlichen Hutzelcubaner, der uns freundlichst begrüßt.

Er schiebt einen Stein unter den Hinterreifen und überreicht jedem von uns einen Stock als Wanderhilfe. Er bedeutet uns, dass der Weg teilweise sehr steil wäre und wir brauchen das. Wir sind misstrauisch aber nehmen das Angebot an – GOTTSEIDANK. Wir vollführen zur Freude des Parkwächters einen Fechtkampf und zerbrechen meinen Stock. Ich bekomme einen neuen, der an Rübezahl erinnert. Das wird die Parkgebühr vermutlich verdoppeln.

Nach ungefähr drei Kilometern idyllischstem Urwald erreichen wir einen Bezahlpunkt. Kubaner 10 CUB, wir 10 CUC. Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Kubaner 800 CUB verdient, kommen wir recht gut weg.

Ab hier wird es abenteuerlich. Zwei Kilometer steil bergab. Stellenweise mehr ein Kletterpfad mit rutschrigen lehmverschmierten Steinen. Wir preisen den Parkwächter wegen unserer Stöcke.

So nach und nach kommt der Gedanke auf, wie wir denn hier wieder hoch kommen sollen. Die entgegenkommenden Menschen sehen wirklich erschöpft aus.

Wir erreichen den Wasserfall. Idylle, Kitsch … ganz wie man will. Ich gehe Baden, Peter fotografiert.

Der Aufstieg ist letztlich einfacher als der Abstieg ….wie immer.

Am Ende des Aufstiegs eine Boteiga. Wir spielen mit Hunden und Katzen. Dann zurück zum Auto.

Auf dem letzten Kilometer besorge ich einen zweiten Stock für den im Fechtkampf zerschellten. Der Hutzelkubaner wird fast nicht wieder.

HUNGER. BEIDE.

Wir haben auf der Fahrt durch die Berge ein offensichtlich volltouristisches Restaurant gesehen, Zwei Busse und ein Viehtransporter, der die „Alternativen“ befördert parken schon dort. Wir fahren weiter. Nach wenigen Kilometern kommt links ein Schild mit Besteck. Das hatte ich bei der Herfahrt schon aus den Augenwinkeln gesehen. Peter meint das wird nix.

Wird es wohl.

Wir sind die einzigen Gäste. Es ist die vollkommene Idylle – unbeschreiblich. Außer der Cheffin, ihrem Mann und der Köchin wohnen hier eine Bisamratte, ein ganz junger Hund und eine mörderische Katze. Die Katze erlegt vor unseren Augen genüßlich eine Eidechse und verspeist sie knirschend. Dann ist sie wieder ganz lieb und schnurrt. GRUSELIG ….. Frauen können so grausam sein. NEIN! Es war kein Kater … eine KATZE.

Wir werden gefragt, ob wir Huhn, Schwein oder Fisch wollen. Ich sage: zweimal Huhn.

Es kommt: Vorsuppe (Rote Bohnen), lecker Salat, Huhn für Peter und Fisch für mich. Anschließend Flan, ein Espresso und ein Schnaps. Inklusive reichlich Getränke lautet die Rechnung auf 30 CUC. Wir fühlen uns schlecht und geben 40 CUC und werden euphorisch verabschiedet. Die Kneipe hat übrigens auch zwei Zimmer. MERKEN.

Anschließend nach Hause. Wir besichtigen noch das Denkmal eines Freiheitskämpfers. Peters Google meint, es sei ein Fußballer, nach dem der Flughafen von Trinidad benannt sei… wahrscheinlich Quatsch.

Abends in die City. Auf dem Marktplatz sammeln sich Hunderte mit Rubbellosen der kubanischen Telekom. Wir dinnieren standesgemäß wie die alten Herren aus der Muppetshow auf einem Balkon und blicken auf die Unwürdigen :-).

Anschließend in die Hemingwaykneipe von gestern, wo die PinaColada so lecker war. Kaum sitzen wir, schleicht sich eine kubanische Band an. Die Bar füllt sich schlagartig. Vorwiegend mit ekstatischen Ungarinnen, die wohl in Frankfurt wohnen. Sie tanzen raumgreifend, wir schlürfen unsere Drinks. Die Band ist richtig gut und wir entrichten bereitwillig den üblichen „Musikzuschlag“ von 5 CUC. Dieses Mal hat es sich wirklich gelohnt.

Als die Musik Pause macht und wir schon gehen wollen, erscheinen Alexandra und Frank (der Geruchsgutachter). Wir haben zwar bereits bezahlt, aber disponieren um und genehmigen uns noch einen Absacker.

SCHÖNER TAG!

Gute Nacht.

13.04. Trinidad zum ersten

Wir frühstücken heute mal synchron und harmonisch. Anschließend versuchen wir die 40 CUC wieder einzutreiben, die wir für das misslungene Schnorcheln bezahlt hatten. In der Agentur sitzt ein hageres Männlein der sichtlich Ärger mit seiner Frau oder mit dem Finanzamt oder mit Beiden hatte.

Er lässt das an uns aus. Der Voucher wurde uns einfach so gegen Geld verkauft. Zurück wird das beträchtlich schwieriger. Der Laden ist voll und wir sagen, dass unser Bus wartet …. hilft nix …. erst in Engelsgeduld warten, dann endlose Formulare, Pass kopieren alles provokativ langsam.

Durch nichts zu beschleunigen, wohl aber durch Brüllen zu verlangsamen. Das schaffen Peter und ich ganz gut. Am Ende haben wir die CUC wieder und verlassen die Stadt. Cienfuegos sieht mich gewiss wieder – der Typ von Havannatours sicher nicht.

Wir fahren gen Trinidad. ungefähr 20 km vor der Stadt sieht Peter einen Feldweg mit dem Hinweis auf ein Dorf. Wir biegen ab. Abenteuerliche Piste durch die Berge. Wir werden mit phantastischen Ausblicken belohnt und gelangen nach ungefähr 10 km in das Dorf. Alles sichtlich intakt und aufgeräumt. Ganz fern vom Tourismus. Das Dorf mit seinen zwanzig Häusern und einer Bodega läuft zusammen, um zu erfahren, was wir hier wollen. Wir wollen eigentlich nur gucken. Das erschließt sich den Bewohnern nicht. Sie freuen sich trotzdem sichtlich über den Besuch und sprechen vollkommen ungebremst mit uns in Spanisch. Wir tun so, als ob wir alles verstehen. Manches verstehen wir sogar oder glauben es zumindest.

Wir hatten die Hoffnung, dass wir durch die Berge weiter nach Trinidad kommen. Ein Zaun versperrt uns den vom Navi berechneten Weg. Also kehren wir um und fahren unter zahlreichen kreisenden Geiern zurück zur Hauptstrasse. Sehr, wirklich sehr idyllisch.

Unterwegs immer mal wieder die Landkrabben auf der Straße. Nicht in solchen Mengen wie in Playa Larga. An einem Wartehäuschen wohnen mindestens Hundert von den Krabben, auf dem Dach und in allen Ritzen – es feht uns jegliche Vorstellung wie sie da hoch gekommen sind

In Trinidad finden wir auf Anhieb unsere Casa in Casilda (einem Vorort von Trinidad. Die Casa ist sehr schön und es sind riesige Zimmer. Die Besitzer sind eine Kubanerin und ihr Deutscher Mann. Das Deutsche merkt man überall in der Casa. Endlos viele Steckdosen in den Zimmern – wahlweise 110 und 220 V. Auch sonst alles weniger kubanisch, als wir es gewohnt sind. Der Sohn führt uns (ebenfalls deutsch sprechend) durch das Haus. Er studiert Informatik in Havanna und will dann nach Deutschland….. sicherlich eine gute Idee.

Wir besprechen mit der Hausherrin, was man in der Gegend alles machen kann und fahren dann mit Schnorchelzeug bewaffnet um die Lagune herum an das Meer.

Zunächst in die Marina, um herauszubekommen, wie das hier mit dem Mieten von Booten läuft. Es liegen propere Exemplare da, der Vermieter ist aber erst morgen früh wieder da …. mal sehen.

Dann suchen wir uns einen Ministrand mit Palmschirmen, essen etwas und gehen dann schnorcheln. Es gibt viele Fische und ganz schön was zu sehen….. natürlich nicht wie Ägypten aber schon schön.

Wir dösen im Schatten, relaxen, schnorcheln ….. heute sind viele Kubaner hier. Es ist Sonnabend. Die Kubanerinnen sehen oft so aus, als hätten sie den Hintern mit Botox aufgespritzt. Dazu knallenge Klamotten. Nicht alles, was wir sehen ist schön.

Dann zurück ins Quartier, kurz frisch gemacht und mit dem Taxi in die Altstadt. Bevor ich wieder einer Stadt Unrecht tue, warte ich mal mit einem Urteil bis morgen. Es sind unfassbar viele Touristen unterwegs und die Altstadt – ein Karree von ca. 5 x 5 Blocks hat schon wirklich schöne Häuser. Die Touristen stören. Wir sind also Teil des Problems. Wir speisen auf einer sensationellen Dachterrasse mittelmäßig zu Abend. Um die 6 CUC für das Taxi einzeln zu haben wechseln wir das Geld in einer Bar (logisch: Hemingways Lieblingsbar) durch den Erwerb zweier PinaColada.

Gute Nacht

12.04. ein weiterer Tag in Cienfuegos

Der Tag beginnt etwas unrhythmisch. Da el Comandante früh gern ausschläft, hat er mir gestern Abend als Frühstückszeit 09:00 abgetrotzt. Ich habe gesagt: kann sein, dass ich eher munter bin – dann gehe ich vielleicht schon runter. Den Wecker habe ich mir auf 08:30 gestellt.

Kurz nach Acht kracht es an meiner Tür und el Comandante brüllt: Frühstück (nein! Das habe ich übertrieben um Peter zu ärgern, aber aus dem Tiefschlaf hat er mich trotzdem geklopft).

Ich nicke gerade wieder ein, da macht es PLING – Peter teilt mir per SMS mit, dass er frühstücken ist. Wäre ich nicht drauf gekommen.

Um keinen Anschiss zu kassieren, ziehe ich mich schnell an und renne zum Frühstück: kein Peter …. hat schon Schnellfrühstück eingeworfen und sitzt nun in der Lobby und verteilt Fotos per Internet, was aber im gesamten Zentrum von Cienfuegos aus „Gründen“ nicht funktioniert, auch wenn man 5 Balken LTE hat. Peter ist kurz davor, die nächste Revolution in Cuba loszutreten.

Die meisten rufen ihm übrigens „Hemingway“ und nicht „Fidel“ hinterher, obwohl die Ähnlichkeit zu Hemingway eher nicht gross ist. Den Grund haben wir herausgefunden. Fidel war hier so heilig, dass niemand seinen Namen aussprach. Das Volk hat imaginäre Gesten entwickelt, wenn es über el Comandante (den richtigen) spricht…. man fasst sich z.B. an den imaginären Bart oder tippt mit augestrecktem Mittel- und Zeigefinger auf die Schulterklappen..Das wirkt scheinbar auch über den Tod Fidels hinaus.

…. um das mal kurz klarzustellen …. Peter und ich frotzeln einander den ganzen Tag, sind sonst aber eher wie ein altes Ehepaar unterwegs….. wie haben dieses Jahr ja auch sozusagen „Silberhochzeit“. Das Ganze ist also vollkommen stressfrei und angenehm. Das würde ich dem Comandante aber nie sagen 🙂 …. und meinen Blog liest er aus Protest nicht. Falls doch, könnte er ja die Kommentarfunktion nutzen.

Das Frühstück hält, was das koloniale Hotel verspricht.

Um 10:15 lassen wir uns vom Taxi (ein uralter klappriger Zastava mit einem sehr netten aber nur spanisch sprechenden Baseballtrainer, der uns gestern Abend schon chauffierte) abholen.

Es geht ungefähr 20 km zu irgendeinem Playa, wo die Scuba Tauchschule ist. Dort sollen wir schnorcheln können. Fällt aus wegen zu viel Wind und Wellen.

Wir ändern den Plan und teilen dem Taxifahrer mit, dass wir einfach eine Stunde am Strand bleiben wollen …. Baden und relaxen. Wir verständigen uns recht flüssig per Googletranslator.

Wir plantschen ein wenig – sogar Peter geht ins Wasser. Anschließend zurück nach Cienfuegos. Auf der Rückfahrt Stop auf halber Strecke zum Mittagessen mit leidlicher Qualität. Die Konversation mit dem Translator macht Spaß, ist aber auch anstrengend, weil der Kumpel nie begreift, wann er ins Mikrofon sprechen muss und dass er das laut und deutlich tun muss – er nuschelt, wohl etwas, so dass ich manchmal wunderliche Ergebnisse bekomme. Aber alles in allem funktioniert es.

Noch kurz am Yachthafen vorbei. Vorwiegend riesige klobige Katamarane aus dem vorigen Jahrtausend aber auch ein paar Monohulls. Sogar welche mit deutscher Flagge. Ich frage, ob man denn einen Kat für einen Tag (mit Skipper bekommen könnte. Man verweisst mich auf Omar, der für einen deutschen Vercharterer hier arbeitet und entsprechend sehr gut deutsch spricht. Ja geht. Preis geht auch … aber wir müssen ja morgen weiter. Vielleicht schauen wie mal in Trinidad. Omar sagt, da gibt es auch eine Marina mit solchem Angebot.

Zurück im Hotel kurz frisch gemacht.

16:00 sind wir mit einer Pferdekutsche verabredet. Es fährt eine koloniale Kutsche vor. Auf dem Bock ein Goucho, wie er im Buche steht. Hinten drin sein Neffe (25 Jahre), der sehr gutes Englisch spricht.

Nun kommen große Überraschungen. Ich habe Cienfuegos gestern sehr Unrecht getan, als ich von zwei eher uninteressanten Hauptstraßen sprach. Wir fahren durch ein Viertel am Wasser entlang, wo uns JEDES Haus die Sprache verschlägt. Picobello restauriert. Natürlich fast alles privat. Wir sind hier gestern schon mal im Dunkeln auf dem Weg zum Restaurant Pelicano vorbeigekommen – da ist uns das aber nicht so aufgefallen. Es war gestern spät und der Geist hatte bereits auf Nahrungsaufnahme geschaltet.

Wir besichtigen einige der öffentlich zugänglichen Gebäude wie den Yachtclub und ein großes historisches Restaurantgebäude mit sensationeller Dachterrasse. Unten heiraten gerade zwei Lesben und schießen ihre Hochzeitsfotos. Ich frage, ob ich auch mal fotografieren darf – ja klar.

Schönes Detail: zwei Hauptstrassen von Cienfuegos sind mit Steinen aus Miami gepflastert. Der Grund ist einfach – die Segelschiffe, die kubanische Früchte an das Festland schafften, brauchten auf dem Rückweg Ballast. Da hat man kurzerhand Steine auf die Segelschiffe geladen.

Von der Dachterrasse kann man über die Bucht von Cienfugos schauen. Auf der anderen Seite sehen wir das Atomkraftwerk, an dem wir gestern (fast) vorbeigefahren sind …… richtig groß!

Am Ende eine Landzunge (Punto, was soviel wie „das Ende“ heisst), auf der Kitesurfer ihr Unwesen treiben, dazu eine idyllische Kneipe. Wir plaudern eine Stunde sehr angenehm mit dem Goucho (Danilo) und seinem Neffen (Alain) bei Cerveza und otro Cerveza. Anschließend noch kurz zum Baseballstadion und dann setzen die Beiden uns gegen 19:00 Uhr in einer herrlichen Kneipe an der Uferpromenade ab. Sensationelles Essen und alles sehr nett. „Mit Sunset und allem“. Ganz zum Schluss wird uns sogar noch eine Creme Catalan am Tisch flambiert.

Da wir bewegungsunfähig sind, laufen wir vor zur Hauptstrasse und nehmen ein „Bici-Taxi“ (=Rikscha). Weil mein Hirn nur noch im standby ist, versäume ich, vorher nach dem Preis zu fragen. Das führt in südlichen Ländern regelmäßig zu abstrusen Preisforderungen. Letztendlich auch nicht viel Geld für uns, aber für kubanische Verhältnisse trotzdem richtig abgefettet …. muss auch mal sein. MERKE: IMMER VORHER VERHANDELN. Haben wir nun gelernt.

Morgen geht es weiter nach Trinidad.

11.04. Playa Larga nach Cienfuegos

Trotz oder gerade wegen dem gestrigem Alkoholmissbrauch sind wir ziemlich früh zu Bett. Der Tag grüßt mit Sonne. Heute bin ich mal froh, dass Ina nicht mit ist. Die würde mich ganz sicher in das aufgewühlte Wasser zum Baden treiben. Mir ist heute nicht so. Wir frühstücken direkt am Strand. Sehr exklusiv!

Nach dem Frühstück bezahle ich bei Kiki und frage ihn, ob er es für möglich hält, dass wir mit unserem kleinen Geländewagen auf die langweilige Straße nach Cienfuegos verzichten und uns auf dem Uferweg durch den Urwald schlagen können. Kiki neigt sein Haupt zweifelnd. Als ich nicht aufhöre zu bohren, ruft er Kumpels an, die es wissen könnten. Sehr lange Telefonate. Das Ergebnis ist eine Handskizze mit der Maßgabe im letzten Dorf im Urwald zu fragen, ob die Stichstraße von dort durch den Wald funktioniert.

Google Maps kennt den Weg. Zunächst erst mal eine Riesensauerei. Die Straße zwischen Playa Larga und Playa Giron ist jedes Jahr im Frühjahr der Schauplatz eines schaurig-schönen Naturspektakels. In den Sümpfen jenseits der Küstenstraße leben viele Millionen kubanische Landkrabben. Diese müssen zum Eier ablegen ins Meer und danach wieder zurück. Dazu müssen sie über die Straße. Die Tiere sind ungefähr 10cm groß und laufen bei Bedarf ganz schön schnell (seitwärts). Auf der Straße laufen sie aber ganz gemächlich und fangen erst an loszurennen, wenn sie ein Auto sehen. Sie sind sehr kurzsichtig, scheint es. Auf der Straße warten Tausende und Abertausende dieser Tiere auf das nächste Auto.

Wenn Ihr nach Bildern von den kubanischen Landkrabben googelt, findet Ihr viele aussagekräftige Bilder.

Wir müssen – wie viele andere – diese Straße mit dem Auto entlang. Es ist, so zeigt sich bald, vollkommen egal, ob man Schrittempo fährt oder 60 km/h. Das Beste ist, man hält gerade drauf zu, dann rennen die meisten in die richtige Richtung. Jeder Ausweichversuch fordert zusätzliche Opfer. Die übergroße Zahl der Tiere passiert die gefährliche Straße trotzdem unbeschadet. Ich habe gelesen, dass pro Jahr 3,5 Mio dieser Tiere überfahren werden. Wenn ich das mit dem hochrechne, was wir gesehen haben, gehe ich davon aus, dass pro Saison mindestens 50 Millionen Tiere die Straße überqueren.

Die Tiere sind interessant: sie sind inzwischen so an das Landleben in den Sümpfen angepasst (sie wohnen dort in feuchten Erdlöchern), dass ganz viele bei der Eiablage im Meer ertrinken.

Schön ist diese Passage zum Autofahren trotzdem nicht. Sollte man vermeiden, wenn man kann. Als die Straße nach Cienfuegos vom Wasser abbiegt bleiben wir auf dem Uferweg, der zusehends erst zur Schotterpiste und dann zum Feldweg wird.

In Guasasa, einem kleinen Marktflecken, in dem Touristen wohl sehr selten vorbeikommen, halten wir und fragen auftragsgemäß, ob der Weg nach Yaguaramas funktioniert. Die einheimischen Jungen mustern unseren Suzuki und sagen, sie würden es nicht versuchen. Gestern hat es viel geregnet und die Pfützen wären oft tiefer als ein Meter. Ich frage, ob wir denn den Uferweg in Richtung Jagua durchkommen könnten. Da sind die Jungs zuversichtlich – also los. Der Weg ist sehr schmal aber passierbar. Immer mal wieder abenteuerliche Intermezzi. Manchmal hört der Weg auch einfach auf und zwingt uns auf uferferne Umwege. Dort haben wir auch die eine oder andere Wasserdurchfahrt, die aber höchstens einen halben Meter tief sind. Dafür sind die Pfützen flächenmäßig eher als Gewässer zu bezeichnen und man sieht vorher natürlich nicht, ob die Vermutung der Wassertiefe stimmt. Klappt aber immer.

Kurz vor Jagua ist eine alte „Nuclear Plant“ in der Karte eingezeichnet. Soweit kommen wir aber nicht durch das Gestrüpp. Der einzige passierbar scheinende Weg, der dann aber letztlich auch eine heimtückische Mischung aus Lehm und Wasser ist führt uns eher als gewollt vom Ufer weg auf die Landstraße.

Wir haben vergessen zu tanken und die Nadel geht bedrohlich in die rechte Ecke. Es gibt keine Alternative – da müssen wir durch. Nach reichlich zwei Stunden haben wir wieder festen Boden unter den Füßen und noch zwei Tankstriche.

Letztlich geht auch das gut. Wir kommen in Cienfuegos mit letzter Kraft an die Tankstelle. Unser Hotel „La Union“ ist ein alter kolonialer Bau. Besonders innen sehr beeindruckend. Unsere Zimmer sind nach kubanischen Verhältnissen Suiten und ebenfalls sehr herrschaftlich eingerichtet.

Die „Altstadt“ besteht aus einem sehr schönen Platz und zwei Straßen. Eine ist ein endloser Tourimarkt, die andere hat so viele Kaufhäuser, wie wir sie selbst in Havanna nirgends sahen: Elektroladen mit Kühlschränken, Waschmaschinen und Lampen, eine „Plastikabteilung“, ein Baumarkt, eine Intecta-Einrichtungshaus. Es gibt von jeder Sorte Gegenstand genau eine Sorte und davon immer ganz viele. Zum Beispiel ein riesiges Regal voller Mixer (204 Stück, handgezählt). Im Baumarkt scheint es „etwas zu geben“. Um die Kasse drängen sich 150 aufgeregte Kubaner. Frauen telefonieren aufgeregt mit ihren Männern und fragen, ob sie kaufen sollen. Die Frage, wieviel sie von dem „etwas“ kaufen sollen, scheint sich nicht zu stellen. Jeder, der an die Matrone an der Kasse treten darf, entrichtet einen scheinbar vorher bekannten Preis und bekommt einen Zettel. Was es dann dafür gibt, bekommen wir nicht heraus.

Wir fragen in einer Agentur nach Ausflugszielen. Für morgen Vormittag einen Schnorchelausflug, für den Nachmittag eine Kutschfahrt ab Hotel. Hat mir Olav Kühn (ErnstS) empfohlen. Wehe das wird nicht lustig!

Abends in ein scheinbar recht angesagtes Restaurant am Ufer mit Dachterrasse. Es weht ganz schön aber schmeckt (eigentlich wie immer) sehr gut.

Absacker auf der Dachterrasse des Hotels, wo ich schnell das Tagebuch schreibe. Unten auf der Plaza spielt eine Band. Den Aufbau habe ich bereits heute Nachmittag begutachtet. RCF Speaker, traditionelles FOH Rack mit noch richtigen EQs …. göttlich……

Gute Nacht

10.04. Geburtstag & Schweinebucht…..

Ich sitze hier am karibischen Strand, Peter ist bereits vor den Mücken geflüchtet. Der Rum hat bereits seine zerstörerische Wirkung entfaltet.

Also fasse ich mich kurz ….. so kurz wie es geht.

Der Tag bestand in erster Linie aus Autobahn, oder was man in Kuba so nennt. Aufbruch gegen 09:00 in Vinales, Ankunft an der Schweinebucht gegen 14:00 Uhr.

Die Autopista ist zweifellos unterhaltsam. Es ist nicht das, woran der Deutsche bei dem Wort „Autobahn“ denkt. Auf dem Standstreifen ist alles unterwegs, was sich aus eigenen Kräften fortbewegen kann: Fußgänger, Eselskarren, Fahrräder, Mopeds….Das ist dort auch nicht schlimm. Es ist wenig Verkehr und die „Langsamen“ leben letztendlich sicherer als im Strassenverkehr von Havanna.

Es gibt auch jede Menge illegale und halblegale Kreuzungen, wo unverhofft ein mittäglich betrunkener Radfahrer die Pista kreuzt. Jeder Raser in Deutschland ist gefährlicher.

Auch das Überholen ist demokratisiert. Rechts oder links… ganz wie man will. Bei den wenigen Autos ist das auch Wurscht. Links fahren ist sicherer, weil dort die wenigsten Schlaglöcher drohen.

Wir kommen in heftigem Monsunregen unbeschadet in Playa Larga an. Ein unordentliches Fischerdorf in bevorzugter Lage. Unsere Casa liegt direkt am Strand…. raus aus der Tür, rein in das karibische Wohlfühlwasser. Die „Casa Kiki“ sei empfohlen, auch wenn uns der Landstrich eher enttäuschte. „Kiki“, der Besitzer hat einen größeren Bruder, der – im Kleinkindalter – zu ihm wohl immer Kiki sagte ….. und nun heißt er jetzt also so.

Wir checken kurz ein und gehen auf Nahrungssuche. Das endet in einer längeren Strandwanderung mit Umquerung des ziemlich morbiden Hafens und der Durchquerung des sehr bedeutungslosen Zentrums.

Wir landen an einer Strandbar, die – so scheint es – das kulinarische Zentrum eines Pauschaltourimustempels ist. Links parken 15 exakt identische mit Ü70 Holländern besetzte WoMos auf einer riesigen Wiese. 7/8 der Wiese sind frei. Trotzdem stehen sie in exakt 3m Abständen ausgerichtet. Rechts in der Kneipe sind die Prolls aus Aue und Lüdenscheid … ich möchte niemanden und auch keine Stadt diskriminieren….. es kann doch aber kein Zufall sein, dass merkwürdige Leute oft aus merkwürdigen Städten kommen…… Nun ja… aus Dresden kommen auch merkwürdige Menschen. Sogar Hutbürger. ….. aber diese Typen knacken alle Schranken des Anstands …..Vor allem fällt uns ein bedauernswert besoffener Landsmann aus dem Voigtland auf, der per Skype seine Familie oder seine „Kumpels“ darüber unterrichtet, wie gut es ihm geht und dabei einer kubanischen und leider nicht begehrenswerten Geisha fortwährend an den Hintern fasst. Sehr peinlich.

Die Holländer schauen gemeinsam Championsleague Juve gegen Ajax. Ich sitze mit dem Rücken zum TV Peter brüllt für Juve… nur um die Oranjes zu ärgern.

Wir trinken reichlich Geburtstagspinacolada und dann Bier und dann Rum. Es sind die ersten Pinacoladas meines zweiundsechzigjährigen Lebens….. sehr lecker. Wir warten das Ende des Spiels ab. Es gibt sogar leidlich intakten Grillfisch. Als wir satt und betrunken sind bestellen wir eine Rikscha. Bis die kommt, schauen wir uns das Schauspiel der alten Holländer an:

Alle kommen mit exakt identischen beigen Stühlen aus Plastik zu einem imaginären Lagerfeuer geschlurft. Dann hält der holländische Comandante eine Rede (mit Headset und Bauchlautsprecher) und erklärt, wo es morgen hin geht und in welcher Bar von Cienfuegos es morgen einen Gratisdrink gibt. Die Holländer schreiben fleissig mit.

Die Rikscha kommt. Unterwegs tausche ich mal mit dem Fahrer: eigentlich läßt sich das leicht treten …. aber die Pedale sind so nah, dass mir meine Knie beim Anwinkeln schmerzen. Ich gebe unter dem Grinsen des Fahrers auf. Er denkt, es wäre mir zu schwer….. derweil …. aber ach.

Rest des Abends am karibischen Strand mit kubanischem Rum in unserer Casa

NETT!

Neben uns sitzen „Vierziger“ aus Lübeck …. die haben eine Oldtimertour mit Fahrer gebucht, damit sie „mehr vom Land erfahren“. Für sehr viel Geld.

Das sollte man, wenn man es vorhat, direkt in Havanna buchen und mit dem Fahrer ausdealen. Das wussten sie nicht und wir hätten es auch nicht gewusst.

Ariel hätte uns sicherlich für einen Bruchteil der Summe herzlich gern chauffiert und dabei auch vieles erklärt. Der Fahrer der Lübecker spricht ausschliesslich Spanisch, so dass sie eher wenig vom Land erfahren. Zu allem Unglück haben die Beiden am Schluss auch noch vier (!!!) Tage Varadero gebucht. …. muss man wollen

Morgen geht es nach Cienfuegos.

Mein Tip (mit Peter abgeglichen): Schweinebucht künftig auslassen

Gute Nacht!

PS.: hatte ich es schon erwähnt? —- für 30 EUR pro Woche bekommt man von der Telekom ein Gigabyte Datenvolumen und kann sich dann die kubanischen Rubbellose für das Internet sparen

PS2: Das erste Mal in meinem Leben lass ich mir einen Bart stehen (bzw. das was meine Gene hergeben) … es krabbelt am Hals und Peter sagt, ich sehe endlich mal wie ein Mann aus …… ich bin unsicher…….

09.04. Vinales … Tabak, Rum, Kaffee und bunte Felsen

Der Tag beginnt mit einem unverdienten Anschiss. Peter und ich haben uns für 08:30 zum Frühstück verabredet. Als ich 08:10 aus der Tür trete, um so langsam zur Frühstücksterrasse zu trollern (Entfernung um die 12 m) kommt Pter gerannt und ruft, ob ich denn nun langsam mal aus der Knete kommen mag – er warte schon eine halbe Stunde auf mich – außerdem hätten wir doch für 10:00 Uhr die Wanderung gebucht. Es stellt sich heraus, dass el Comandante, der gestern auch schon verdächtig früh in’s Bett verschwand irgendwie an seiner elektronischen Billig-Uhr gespielt haben muss – die Zeigt bereits 09:10 …. eine Stunde zu spät.

Ich weise Peter darauf hin, dass unsere Nachbarn eigentlich 08:30 bereits zu einer Pferdekutschentour abgeholt werden sollen, aber noch in aller Ruhe frühstücken. Das Blatt wendet sich: Peters Direktor-Gene brummeln: dann hätte ich (JörgB) wahrscheinlich heimlich an der Uhr gespielt. Wir setzen uns zum Frühstück.

Als wir 08:40 fertig sind frage ich Peter, warum er denn gestern eigentlich darauf bestand, dass wir frühestens 10:00 Uhr los wandern sollen. El Comandante sagt, dass hätte ich doch gebucht und wenn ich das ändern will, soll ich doch bitte dafür sorgen, dass es 09:00 beginnt. „Sonst wird es doch zu heiß“ wiederholt Peter meine Worte von gestern, mit denen ich um einen Abmarsch gegen 09:00 warb.

Ich lasse dem Guide ausrichten, dass er schnell kommen möge und „… y de lo contrario el comandante se enoja“

Das wirkt – Russiell ein 35 jähriger Einheimischer kommt 09:05 geeilt. Wir steigen in einen Lada, der vor der Tür steht (sehr schöne Ausstattungsdetails) und fahren an das Dorfende, wo die Wiesen beginnen und „die Palmen sich verneigen“.

Russiell spricht ganz gut englisch, ist aber recht schwer zu verstehen. Das Problem hatte ich auch in anderen Ländern schon ein paarmal, wenn die Guides sich ihr Englisch durch das Anschauen amerikanischer TV-Serien beigebracht haben. Nach etwas Gewöhnung geht es. Wir wandern erst durch die Wiesen mit spektakulären Aussichten auf die Felsenlandschaften, die geologisch scheinbar ähnlichen Ursprung wie das Elbsandsteingebirge zu haben scheinen (keine Gewähr für Unfug, den ich erzähle.) … es sieht aber ein wenig ähnlich aus, nur dass die Felsen über und über mit Flora bedeckt sind. Sehr fremdländisch und spektakulär.

Irgendwo im Schatten finden wir eine große Mimosenpopulation. Zwei verschiedene Sorten – die einen schließen fast schlagartig die Blätter, wenn man sie anpustet oder berührt, die anderen (größeren) im Zeitlupentempo. Wir necken die armen Pflanzen eine ganz Weile …. macht großen Spaß und die können sich ja nicht wehren.

Dann geht es in den Urwald. Wildromantisch und glitschig. Üppige Vegetation und jede Menge Wasser….

Nach ungefähr einer Stunde verlassen wir den Wald. Wir erreichen ein Farmhaus. Tabakfarmer. Unsere Nachbarn Frank und Alexandra – die mit dem Pferdewagen – sind schon da. Sie klagen, dass das eine ganz schöne Rumpeltour sei und der Guide kein Englisch spricht.

Wir lassen uns gemeinsam erklären, wie der Tabakanbau funktioniert und dann wird auch noch eine Zigarre vor unseren Augen sehr fachmännisch hergerichtet.Eine Zigarre wird aus drei bis vier Blättern gerollt. Die Farmer, sagt man uns entfernen – anders als die großen Manufakturen die Strünke der Blätter. Die haben nämlich extrem viel Nikotin und andere Schadstoffe.

Der fertig gerollte Rohling wird dann einige Zeit in Zeitungspapier gerollt und damit getrocknet. Dann wird ein spezielles (hochwertigstes) Deckblatt aufgerollt und mit Honig verklebt.

Die Farmer rauchen die Zigarren, in dem sie sie regelmäßig mit dem Mundende in Honig tunken. Soll wie ein Filter wirken und gibt eine interessante Mischung. Wir dürfen probieren. Anders als die Zigarren, die ich äußerst selten in Deutschland probierte sind diese wirklich ziemlich leicht und lassen sich auch sehr leicht ziehen …. ich habe eigentlich ein verzweifeltes Nuckeln an den Zigarren der Vergangenheit in Erinnerung. Wir kaufen jeder eine 20er Packung im Palmenblatthumidor für einen – verglichen mit den Zigarrengeschäften – sehr niedrigen Preis. Mal sehen, ob das auch noch in Senftenberg am Lagerfeuer schmeckt.

Wir gehen weiter (Frank und Alexandra rumpeln weiter). Wir erreichen die zweite Station, hier wird uns die Kaffeeproduktion und die Gewinnung von Zuckerrohrsaft erläutert. Es ist erstaunlich, wieviel Saft aus einem Rohr kommt. Das wird sechs bis sieben mal durch eine Art Mangel gedreht und dabei immer mehr ineinander gedreht.

Wir probieren auch noch den Rum, den es angeblich nur hier gibt und der seinen (wirklich bemerkenswerten) G>eschmack dadurch bekommt, dass in der Flasche eine kleine Guavenfrucht ist. Das gibt ganz wenig Süsse und etwas Vanilleartiges. Recht lecker. Wir kaufen zwei von den Flaschen für zu Hause und je eine Flasche Kaffee-Honig, den die Bienen hoffentlich nur aus den Kaffeeblüten saugen. Weiss nicht ob das stimmt, schmeckt aber lecker.

Der Heimweg endet am Beginn der Asphaltstraße, wo Russiell einen halbvollen Touristenpferdewagen kapert und den Kumpel bittet, uns zu Hause abzusetzen. Wir zahlen ihn aus und verabschieden uns dankbar.

Unterwegs sahen wir unfassbar viele Touris auf Pferden, die nicht besser reiten konnten als ich das von Peter und mir vermute.

In der Casa fragen wir den Cheffe, ob er für Drei Uhr zwei Pferde mit Guide (5 CUC pro Stunde) für uns ordern könne. Macht er. Kurze Siesta. Dann geht es los. Wir laufen mit dem Guide etwas in’s Gelände, wo die Pferde warten. Außer uns ist noch ein „Berater“ aus Berlin dabei. Nett aber ich bin nicht sicher, ob ich von ihm beraten werden möchte – egal.

Peter bekommt eine Stute namens Lucifera und ich ebenfalls eine Stute mit Namen Negero. Beide haben bereits das sexchste Stadium des Buddhismus durchlaufen und sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Wir werden auf die Pferde gehievt. Im ersten Anlauf fdalle ich fast auf der anderen Seite wieder runter – übermotiviert halt. Negero trägt es mit Fassung. Uns wir kurz erklärt: Amerikanische Steuerung – also – Zügel in der linken Hand…. nach links ziehen heißt links, recht heißt rechts und ziehen heißt stopp.

Wo der Gashebel ist, erzählt uns der Goucho vorsichthalber nicht. Wir traben los. Negero ist eine Alphasstute, will also immer vorneweg und drängelt sich auf dem schmalen Weg immer vorbei. Weil sie eine verfressene Alphastute ist, bleibt sie stehen, sobald sie die Spitze erreicht hat und frisst dann erst mal in Seelenruhe lecker Blattwerk.

Dieses Überholspiel ist nicht ungefährlich, weil der Weg wirklich sehr eng ist und das Pferd nur seine eigene Breite berücksichtigt. Es werden also immer unsere Gliedmaßen zwischen den Pferdehintern gequetscht. Tut nicht weh, fordert aber Aufmerksamkeit. Alles in allem ein Riesenspass. Ich rede viel mit Negero und sie spitzt immer brav die Ohren.

Etwas außerhalb von Vinales gibt es einen Felsen, den irgendein Künstler aus unerfindlichen Gründen recht kitschig bemalt hat. Da ich das trotzdem sehen wollte haben wir dem Gouch dies als Ziel angegeben.

Entweder verstand er das nicht oder wollte es nicht verstehen. Wir landen jedenfalls wieder der Reihe nach erst bei einem Zigarrenfarmer, der aber seine Sache deutlich schlechter als der vom Vormittag macht. Wir warten dort, weil es einen kleinen Regenguß gibt. Dann geht es weiter – natürlich zu einer Stelle, wo uns Zuckerrohr, Kaffee, Rum nd Honig erklärt wird. Auch das hat nicht das Niveau des Vormittags. Peter und ich lassen es aber tapfer geschehen.

Das Ganze wird durch einen veritablen Wolkenbruch abgewürgt. Wir geben nach einer Stunde die Hoffnung auf, jemals wieder in unser Quartier zu kommen. Hauptgrund unseres Zweifels sind die Lehmwege, die durch den Wolkenbruch teilweise zu reißenden Bächen und zum anderen Teil zu irre glatten Rutschen werden.

Wir können uns nicht vorstellen, dass die Tiere dort mit uns auf dem Rücken durchkommen.

Nach anderthalb Stunden lichtet sich das Ganze und der Goucho bläst zum Aufbruch. Dieses mal teil er uns jedem noch ein Gaspedal aus (eine Weidenrute, mit der man auf den Pferdearsch schlagen soll)

Unsere Buddhistinnen lassen sich aber nicht von den (leichten) Schlägen beeindrucken und trampeln stoisch durch das Geläuft. Mehr als einmal strauchelt Peters Lucifera – die Pferde sind aber wirklich geschickt – im Sattel merkt man das Straucheln fast nicht.

Wir kommen wohlbehalten nach Hause – jetzt geht es zum Kubanischen Grillkünstler

Bis morgen – da steht uns eine lange Fahrt nach Playa de larga (Schweinebucht) bevor.

Ergänzung: Heute Abend haben wir in Vorbereitung des morgigen Tages unsere Rumvorräte getilgt…. Super Idee… Danke Comandante!

08.04. Vinales – das mit der Tilde über dem N

Ich werde mich jetzt nicht dauernd entschuldigen, dass ich das richtige N für Vinales (=Vinjales) auf dem iPad nicht finde. Wer weiß, wie das geht, soll mir das mitteilen ….. ich will aber keine spanische Tastatur laden…. ich habe schon eine russische, die ich nicht mehr loskriege.

Egal….heute früh sind wir unter dem lauten Geheul von Peter, der ein begabter Langschläfer ist, bereits 08:15 am Frühstücksbuffet erschien. Kurz nach Neun Aufbruch nach Vinales mit unserem wirklich nicht zu großen Suzuki. Er wäre eigentlich vollständig ausreichend wenn man die Vordersitze ausbaut. So sitzen wir aber mit den Ohren zwischen den Knien wie ein Frosch auf der Gieskanne.

Man gewöhnt sich. Fahren tut er aber ganz proper.

Die Tagesaufgabe lautet: so nah wie möglich an der Nordküste gen Westen. Da liegt sehr bergiger Urwald – sehr schöne Landschaft. Hoffen wir.

Der kürzeste Weg wäre auf der Autostrada (Autobahn). Das aber wollen wir nicht. Wir wollen mal sehen wie Kuba abseits der ganz normalen Touristenpfade aussieht. Zehn Kilometer vor Mariel biegen wir von der (ganz ordentlichen aber holprigen) „Hauptstrasse“ hinunter zum Meer ab. Nach ein paar Kilometern sind wir an der Küste im vollständigen Off. Zwei Kubaner sind mit Harpunen auf Fischjagd. Ein dritter sitzt am Ufer und will uns die Fische verkaufen, die die anderen beiden noch gar nicht gefangen haben. Der Plan ganz küstennah auf unwegsamem Geläuft weiterzukommen scheitert – Wasserläufe ohne nennenswerte Brücke und mehr Pfade als Wege. Das Dorf da unten überrascht uns schon mal: Küstenidylle, ordentliche Häuser im Reihenhausformat. Das haben wir hier so nicht vermutet. Wir kämpfen uns auf abenteuerlichen Pfaden zurück zu der Hauptstraße.

In Mariel dann der vollständige Kulturschock. Ein dreckiger, stinkender Ort in eigentlich idyllischer Lage. Aber mit Erdölraffinerie und Ölkraftwerk …. puuuuh.

Weiter in Richtung Westen wandelt sich das Bild. Die Straße ist zwar immer noch auf Feldwegniveau, aber die Häuser sind zum größten Teil wirklich schön und gepflegt. Ganz anders als im teilweise an Aleppo erinnernden Havanna. Der Fairness halber muss man allerdings bedenken, dass Havanna im Januar 2019 von einem heftigen Hurrikan heimgesucht wurde. Es ist für uns schwer zu unterscheiden, was der Hurrikan zerstört hat und was der Kommunismus.

Hier jedenfalls fehlt es nicht nicht an ländlicher Idylle. Was wir sehen sieht nicht nach Notstand aus. Peter schimpft zwar trotzdem, dass Fidel bei der Machtübernahme dem Volk etwas ganz anderes versprochen hat, als es bekommen hat. Damit meint Peter unter anderem die desolaten Strassen und kann nicht verstehen, dass sich niemand darum kümmert. Ich hingegen denke, dass hier so wenige Autos vorbei kommen, dass man schon fragen muss, ob denn da überhaupt eine Asphaltstrasse gebraucht wird, oder ob es da auch eine Gravelroad getan hätte. Peter war noch nicht in Afrika.

Ich wende noch ein, dass bessere Straßen nur dazu führen würden, dass die Kubaner noch mehr rasen. Vorsichtige Langsamfahrer sind das nämlich nicht. Wir einigen uns darauf, dass wir beide nix ändern können. Peter kann ja morgen noch mal eine aufrüttelnde Rede auf der Plaza von Vinales halten.

Der Schlusssport nach Vinales führt durch idyllische Urwald-Palmen-Strassen. Vinales selbst ist ein kleines Dorf, in dem jetzt (Hochsaison) mehr Touristen als Einwohner sind.

Alles ist ordentlich. Unser Quartier (Casa Marie Luisa) auch. Die Hauptstrasse voller Kneipen und Geschäften. Viele Deutsche, so scheint es.

Wir treffen in der Casa auch unsere „Mitläufer“ vom Stadtspaziergang in Havanna. Die haben skurrilerweise auch beim Reisebüro Rieckmeyer gebucht (Münster), welches ich hiermit empfehlen möchte. Er: Gutachter für Olfaktorik (Gerüche) …. ich versuche die Arme eng anzulegen, damit ich nicht so viel ausdünste. Sie im Agrar-Landschaftsschutz tätig. Beide aus Gelsenkirchen. Wir unterhalten uns noch ziemlich lange sehr nett.

Die beiden machen morgen eine Tour mit dem Pferdekarren durch das Naturreservat. Wir haben einen Guide zum Wandern gebucht. Müssen also selbst latschen. Peter ist gemäßigt begeistert und würde wohl lieber auf „sitzen und gefahren werden“ umbuchen. Andererseits stelle ich mir einem Olfaktorik-Gutachter auf einem Pferdekarren in direktem Riechkontakt zum Pferdearsch auch schwierig vor. Mal sehen, was das wird

07.04. Sonntag – immer noch Havanna

Fast grüsst bereits jetzt täglich das kubanische Murmeltier. Frühstück im Hotel (gut und wieder zu reichlich – achachach mein Wunschgewicht) anschließend wieder zum Edificio Bacardi gleich um die Ecke, wo heute 09:30 die letzte bereits gebuchte Attraktion beginnen soll: eine Fahrradtour durch Havanna.

Es beginnt mit Irritationen; der „deutschsprachige Guide“, der angeblich ein Deutscher sein soll, der bereits 20 Jahre in Havanna wohnt (so hat es die Reiseagentur versprochen) stellt sich als 25 jähriger Einheimischer heraus, dessen Deutsch unverständlich ist, so dass wir dauernd zwischen Kneipenspanisch, Englisch und Deutsch switchen. An sich nicht schlimm, wir hätten halt furchtbar gern, die Aussensicht eines bereits lange hier wohnenden (deutschen) Menschen erfahren.

Von diesem Guide (auch den Namen habe ich nicht verstanden) erfahren wir leider nur wenig. Erschwerend kommt hinzu, dass die Radtour nicht wie versprochen am Bacardi-Haus beginnt sondern weit außerhalb am Hotel Kohly. Dort ist eine Radvermietung. Wir fahren mit dem Taxi hin. Unsere Pläne lösen sich in Luft auf. Wir wollten eigentlich duch die Altstadt zum Hafen, dann am Hafenbecken lang bis zum Bahnhof …. in einem schönen Bogen zur Uferstraße und dann wieder zurück …. alles weitgehend eben (bei den mörderischen Temperaturen essentiell) und Gegenden, die wir in den letzten Tagen nicht erkundet haben,

(This is: Herrmann)

Statt dessen erhalten wir da draußen ganz passable Fahrräder. Es stellt sich heraus, dass unser Fahrradguide nur so halbwegs Fahrrad fahren kann. Er ist sehr klein und hat große Mühe, wieder auf´s Rad zu kommen, wenn wir mal gestoppt haben. Er ist auch überaus ängstlich. Das ist zwar im Angesicht der fröhlich optimistischen Kubaner in ihren alten (und wie wir heute lernen: stinkenden) Autos durchaus verständlich, macht das Fortkommen zusätzlich schwierig. Regelmäßig sind Peter und ich bereits über der Kreuzung und unser kleiner – ich nenne ihn mal Herrmann – zuckelt hinterher. Viel Warten in Sonne und Abgasen.

Hotel Kohly liegt im Westen Havannas im Stadtteil Playa. Das heißt zwar „Strand“, hat aber nix zu bedeuten. Playa liegt ungefähr 12 km außerhalb auf einer Anhöhe.

Wir besuchen die ganzen halbinteressanten Punkte, die wir im Cabrio bereits sahen: Uni, Zentralfriedhof, Place de la Revolucion …..Dort hat der kleine Herrmann auch noch einen Platten und wir warten ziemlich lange auf Ersatz.

Als wir dann endlich die Uferstraße erreichen und klar wird, dass wir auch den ganzen Berg wieder hoch müssen, treten Peter und ich in Streik. Wir sagen, dass wir in unser Hotel mit den Fahrrädern fahren wollen und er möge die dann dort abholen lassen.

Erst gibt es viel bedenkliches Kopfschütteln und jede Menge Unmöglichkeiten. Irgendwann wird Herrmann klar, dass er keine Wahl hat und es geht. Wir fahren die aus irgendwelchen Gründen vollständig gesperrte Uferstraße (vierspurig) entlang, was wirklich fetzt.

Die Gründe für die Sperrung hat uns Herrmann zwar erklärt aber nicht so, dass wir es verstehen. Wohl irgendein Streik (?)

Im Hotel machen wir uns kurz frisch – es ist inzwischen fast halb zwei …. ich frage mich wann wir wieder da gewesen wären, wenn wir wieder auf den Berg gestrampelt wären. Zumal mit Herrmann dem Radflüsterer.

Dann in die Altstadt zum Mittagessen. Heute gehen wir mal auf das in vielen Reiseführern gelobte Angebot ein, in irgendeiner zweiten Etage bei Muttern zu essen. Sehr leckerer Fisch mit frittierten Bananen.

Es geht zur Mietwagenübergabe. Die soll – Ironie des Schicksals – wieder im Hotel Kohly stattfinden. Wir finden unseren Cabriotaxifahrer von gestern (Ariel) gemeinsam mit seinem Bruder an der gleichen Stelle wie immer und er fährt uns wieder für einen schmalen Taler dort hin. Wieder sehr lustig. Ariel sitz mit Peter hinten und sein Bruder fährt.

Hotel Kohly: lieber Leser, wenn Du jemals nach Havanna kommst und ein Dach über dem Kopf brauchst. NIEMALS das Hotel Kohly. Schlimmes Pauschaltouristengedöns, Laut, unfreundlich bääääääää. WARNUNG!

Auf unserem Voucher für einen (in Kuba unvorstellbarer Luxus) Suzuki Jimny sagt, wir mögen das Auto 17:00 Uhr abholen aber eine Stunde vorher da sein, weil sonst die Miete verfällt. In der Hotellobby gibt es einen leeren Tisch darauf steht ein Schild: Via-Cars. Das ist unsere Autovermietung. Niemand da. An der Rezeption weiß man von nichts. Wir haben keine Chance: Abwarten und Tee trinken…..ich entscheide mich für Capuccino, verbessere die Situation nur unerheblich. Peter tritt in Trinkstreik, was aber auch nix ändert.

Ich schreibe Tagebuch (das von gestern) und habe reichlich Zeit. Die Dame erscheint 17:30 und meint, sie hätte mehrere Stationen zu betreuen und wir hätten ja an der Rezeption Bescheid geben können, dann wäre sie eher gekommen.

Eine halbe Stunde und mehrere CUC später (Kaution, zweiter Fahrer, Versicherung ….) bekommen wir das leicht zerkratzte Schmuckstück. Auf dem Übergabezettel sind vor lauter Strichen, die die Schadstellen kennzeichnen die Umrisse des Autos nicht mehr zu erkennen. Zugeschmiert 🙂

Wir tasten uns durch den (gemäßigten) Stadtverkehr. Es ist trotzdem schwierig, weil das Navi (Google Maps) leider irgendwelchen Unfug erzählt. Peter bleibt cool und nun zahlt sich auch unsere Fahrradtour aus…. wir kennen Havanna in- und auswendig ….

Wohlbehalten im Hotel. Wir wollen morgen nicht zu spät aufbrechen. Deshalb ruhiger Abend mit Mojito im Innenhof und dann Abendbrot im Hotelgarten…anschliessend noch eine wirklich sensationelle Flamencoband in der Lobby

Morgen geht es nach Vinales (mit Tilde über dem n, das ich aber leider nicht finde) …. bis morgen!

06.04. HAVANNA zum zweiten

Mein kanadischer Friseur hat bei mir angefragt, wann es denn nun die „Knaller“ zu berichten gäbe. Ganz ehrlich: ich weiß es nicht und bin auch nicht ganz sicher, ob Peter und ich auf der Suche nach „Knallern“ sind. Hingegen bin ich mir ziemlich sicher, dass wir beide ohnehin nicht so die Knallertypen sind. Wir sind mit ganz normalen Freuden ganz ausreichend bedient.

Gestern Abend in der Altstadt war das ein gutes Essen in der Russenretrokneibe TOBARISCH – ich berichtete – und anschließend eine Cohiba Zigarre und ausreichend Rum in einer Freiluftkneipe.

Es spielte eine cubanische Band, die mir wie die meisten der Kneipenbands ein wenig ZUUU aufgedreht waren. Relaxtes Social-Club musizieren ist nicht das Metier der jungen Straßenmusikanten. Alles etwas zu schnell und zu bemüht. Aber nach dem vierten Rum war es sehr schön …. ein „Knaller“ sozusagen, lieber Lutz Bauer.

Heute nun: dreieinhalb Stunden Stadtrundfahrt mit einem Oldtimer. Zwei alte Männer in einem knalligem altrosa 1957er irgendwas mit Original Reihensechszylinder. Fällt in Havanna nicht auf – die Stadt der schrillen Farben. Ich habe den Verdacht, dass das die Kubaner gar nicht für sich machen, sondern für uns Touristen. Andererseits sind sie ja auch so ganz schön aufgedreht und etwas exaltiert.

Unser Begleiter ist wieder Mario – der Germanistikprofessor. Der ist inzwischen Rentner, hat noch ein bis drei Vorlesungen pro Woche, die wahrscheinlich lausig bezahlt werden und jobt als Touristenführer. Seine „richtige“ Rente – erzählt er uns später beim gemütlichen Teil beträgt 800 kubanische Peso pro Monat – also ungefähr 32,00 EUR. Damit ist Trinkgeld ein wesentlicher Teil seines Einkommens.

Zunächst fahren wir durch den Tunnel unter der Hafeneinfahrt auf die andere Seite. Zur Christusstatue mit fantastischem Blick über die Altstadt und den Hafen und dann zur (riesigen) Festung mit (gigantischem) Meerblick.

Dann cruisen wir durch Havanna – Place de la Revolucion (wo alle Päpste der jüngsten Vergangenheit predigten und Fidel seine Aufmärsche zum 1. Mai zelebrierte.

Der riesige Platz war früher mit den Häusern armer Leute bebaut und wurde, wenn ich das richtig verstanden habe, von Fidel&Co platt gemacht, um was zum Präsentieren zu haben. Gleich daneben das Nationaltheater.

Peter wollte eigentlich unbedingt mal rein, verwirft das Vorhaben beim Anblick des Gebäudes.

Sonst noch: Uni mit Alma Mater Büste (eines tschechischen Künstlers), riesiger Zentralfriedhof, viele bunte Häuser und viele Ruinen. Es kommen immer mal welche dazu, wenn mal wieder ein Hurricane durch die Karibik zieht. Viele fallen aber auch einfach so zusammen. Manches ist wirklich von morbidem Charme, vieles aber wirklich bedauernswert und unverständlich.

Am Ende noch auf der Uferstraße ein paar Fotos . Dann zurück zum Hotel.

Wir sitzen dann zwei Stunden in dem idyllischen Innenhof des Hotel Sevilla und unterhalten uns dann noch sehr angenehm mit Mario über Land und Leute. Vieles was wir hören ist schwer verständlich bis unbegreiflich. Selbst für gelernte DDR-Bürger. Sicher ist das für uns auch schon lange her und vieles verdrängt. Aber ich glaube, dass ist in vielen Dingen noch viel krasser als damals bei uns.

Sozialismus und Dritte Welt. Das passt noch weniger. Dabei gibt sich das Land irgendwie schon Mühe und die Mehrzahl der Kubaner mit denen wir reden haben schon eine diffuse Vorstellung davon, wie das besser werden könnte und die Regierung wohl auch ….. aber es ist ein gigantischer Schlendrian mit hoher Beharrungskraft.

Wir verabschieden Mario herzlich und begeben uns zur Siesta. Gegen vier trollern wir wieder aus dem Hotel. Ursprünglich war unser Plan, mit der Fähre durch den Hafen noch mal rüber zum Christus zu fahren. Das ist uns aber zu heiß. Deshalb schlage ich einen Ausflug nach Santa Maria – den nächsten „richtigen“ Badestrand von Havanna. Im Stadtgebiet gibt es keine Möglichkeit, in’s Wasser zu springen. Santa Maria liegt ungefähr 30 Autominuten in Richtung Varadero. Gleich neben dem Hotel steht ein knallroter 1959 Chevrolet Cabrio und wartet auf Kundschaft. Der Fahrer (keine Selbstverständlichkeit) spricht gut Englisch und wirkt aufgeweckt. Er bieten uns die Fahrt im Cabrio nach Santa Maria (inkl 1,5h warten) für einen schmalen Taler an und wir steigen ein.

Obligatorische Frage, ob noch der Originalmotor drin sei. Er: natürlich nicht. Es ist ein Wolga-Motor, der für dieses stählerne Dickschiff etwas untermotorisiert scheint. Aber wir kommen gut an. Schöner Strand mit fröhlichen Kubanern (es ist Sonnabend) und 28 Grad warmes Wasser mit heftigen Wellen.

Peter ist wasserscheu und bleibt draußen (ist kein großer Badefreund) und bewacht unsere Sachen. Ich plantsche eine Dreiviertelstunde und dann gehen wir zurück zu Ariel, so heißt unser Fahrer.

Wir haben Zeit gespart und fragen ihn, was wir noch schönes machen könnten. Er schlägt vor auf dem Weg zurück in seinem Wohnort anzuhalten, wo es eine schöne Kneipe gibt, in der (wie überall in und um Havanna herum) Hemingway seine Alkoholexzesse feierte. In der scheint er wirklich oft gewesen zu sein. Der Tisch ist immer noch für ihn reserviert und unweit davon steht sein festungsähnliches Haus.

In der Kneipe (sehr gemütlich und gar nicht vordergründig touristisch) trinken wir ein Bier, schauen uns dann noch die Hemmingwayfestung und das Haus von Ariel an und dann:

…. beginnt es zu regnen. Das hatte ich mir dringend gewünscht, um zu sehen, wie das Verdeck (nicht original) geschlossen wird. Ariels Bruder, der bei ihm zugestiegen ist hilft und in zwei Minuten ist das erledigt. Ist mehr so eine Art Flatterdach, hält aber den Regen ab.

Im Hotel spülen wir uns noch kurz ab und marschieren dann zum Dinner. Ziemlich gut, aber den Namen des Restaurants vergessen…. wer es suchen mag: ein knallgelbes Haus gleich bei dem Militärmuseum um die Ecke. Peter bestellt sich als Starter etwas was wie „gemischte Gemüseplatte“ klingt. Das sind aber vier ausgewachsene Thüringer Bratwürste unterschiedlicher Farbe (Schwarz, gelb, rot und bleich) die quer auf einen Spieß montiert sind. ZU VIEL! …. und dann noch der Hauptgang….Meine Starter-Fischsuppe ist sensationell …..aber auch die hätte vollkommen gereicht.

Schwer überfressen taumeln wir in Richtung Altstadt um noch einen Absacker einzukaufen. Wenige Meter nach dem Restaurant fällt mir rechts eine vergitterte Tür auf, wo ein Typ fröhlich raus winkt. Ich war schon vorbeigegangen, bin aber noch mal umgekehrt – eigentlich um den fröhlichen Menschen zu fotografieren. Der aber öffnet das Gitter und zieht mich rein. Peter schaut erst mal irritiert aus der Ferne zu. Als Peter dann auch kommt, habe ich bereits einen Rum und der fröhliche Mensch sitzt hinter einem E-Piano. Der Raum ist eine ganz kleine Bar, die aber heute scheinbar geschlossen ist. Es sitzen einfach ein paar Kumpels beim Rum und erzählen und wollten wohl eigentlich auf der kleinen Bühne für einen Auftritt proben, der am 09.04. stattfindet.

Die Kubaner greifen zu den Instrumenten und spielen, was ihnen gerade so einfällt ….. von kubanischer Folklore (Comandante Cheguevara) bis „Hotel California“ wir werden nachdrücklich aufgefordert mitzumachen. Peter bedient die Bongos, ich lande erst am Bass dann am Klavier – wo ich allerdings nur Sachen spielen kann, die die nicht kennen. Also gebe ich auch ein Miniatursolokonzert ….. dann wieder alle zusammen.

….. Und wieder: zu viel Rum

05.04. Havanna, der erste Tag

Wir haben uns für 09:30 Uhr einen „Stadtspaziergang“ gebucht. Dazu müssen wir uns ca. 10 min vom Hotel zum Edificio Bacardi (dem 1930 als Firmensitz von Barcadi errichteten Gebäude) melden. Es erwartet uns Mario. Der hat in den Achtzigern in Berlin Germanistik studiert, zwischendurch bei der UNO in New York gearbeitet und arbeitet nun (sichtlich gern) als Reisführer.

Er führt uns reichlich drei Stunden kreuz und quer durch die Altstadt. Zusammen mit einem Pärchen aus Düsseldorf. Es ist ziemlich interessant, weil man halt mal einen Einheimischen ohne jede Sprachbarriere und Missverständnisse fragen kann.

Die Kubaner sind stolz auf ihr Land und auch auf ihr Havanna. Sie sehen schon – wie wir auch – dass noch vieles im Argen ist und auch viele herrliche Gebäude nicht so schnell wieder hergerichtet werden wie man es sich wünschen würde. Andererseits passiert dort so viel so behutsam, dass man es schnell mit Nichtstun verwechseln könnte. Ist aber nicht so.

Der Stadtkonservator von Havanna genießt bei den Einwohnern gottgleichen Status und wenn man genau hin schaut, ist es auch wundervoll, was die da machen. Da wird keine Mauer einfach so verputzt und weiß gestrichen, sondern es wird ein Teil ausgespart, wo man die Bauweise erkennen kann …. usw.

Ich muss bei diesem morbiden und doch behutsam in der Sanierung befindlichen Charme immer mal an Wernigerode denken, wo man nach der Wende eine ganze Stadt generalsaniert hat. ….das sieht zwar auf den ersten Blick wahnsinnig gut aus – es fehlt aber jede Patina und dann ist es eben wie auf einer Modeleisenbahn: niedlich aber leblos.

das hier ist zum Beispiel ein altes Kino. Mario der Reiseführer: die Leute gehen jetzt mehr in Videotheken … das sterben die Kinos bei uns langsam aus …. haben wir das nicht auch mal gedacht?

Das größte Problem für Havannas Häuser ist wahrscheinlich eine nicht ganz zu Ende gedachte Regelung, die noch von Fidel kommt: Man hat den Mietern der Wohnungen die Möglichkeit eingeräumt, diese Wohnungen mit dem Zahlen der Miete nach und nach zu übernehmen. Dabei hoffte man, dass die Bewohner sich dann um ihr neu erworbenes Eigentum kümmern würden …. machen sie auch. Man hat nur vergessen zu klären, wem die Bauhülle gehört …. um die kümmert sich nach wie vor keiner, weil man die nicht mit übereignet hat.

Meine Nachbarn Petra und Frank, die vor kurzem hier waren haben mir noch hinterher gerufen: Iss Dich vorher noch mal satt. Das müssen sie mir nach der Rückkehr mal in Ruhe erklären. Wir waren wie gesagt gestern gut essen und vorhin auch – im Hafen auf einem Restaurantschiff ….. war sehr lecker und vollkommen angemessene Preise ….. ich muss also eher aufpassen, dass ich auf dem Rückweg in den Flieger passe.

Hier noch ein paar (halbwegs wahllose) Impressionen

Nach dem Essen waren wir fußlahm und hatten keine Lust vom Hafen in’s Hotel zu laufen. Da wollten wir eine Rikscha nehmen – am Ende war es dann ein altest rotes Fordcabrio mit äußerst aufgewecktem Fahrer. …. kleine Stadtrundfahrt mit voll aufgedrehtem Radio und Dauerhupen für 10,00 CUC (= 10 EUR) – Motorbesichtigung des Reihensechszylinders inklusive….. sensationell.

Internet ist übrigens erst mal auch weniger kompliziert als befürchtet. Es gibt W-Lan Karten für 1,50 die eine Stunde (schnelles) Internet verbreiten. Die gibt es ohne Anstehen bei uns an der Rezeption.

Liebe Frau: also keine Sorgen machen… es geht uns gut

Wir waren nachmittags kurz im „Sevilla“ um uns zu duschen und auszuruhen. Das Hotel ist übrigens so herrlich kolonial, dass wir mit unserem Stadtführer da hin gelaufen sind, um es zu besichtigen 🙂 ….er war irritiert, als Peter sagte, er muss mal kurz was aus dem Zimmer holen.

Anschließend gegen 06 pm wieder in die „City“. Diese Mal nicht direkt in die Altstadt sondern am Capitol vorbei in die ersten Wohnvororte. Peter glaubt, dort gäbe es den „Buena Vista Social Club“. Da ich in vielen Jahren Zusammenarbeit mit ihm gelernt haben, dass mit ihm streiten ungefähr soviel Sinn hat wie mit mir latschen wir also durch verfallene Viertel.

Hier ist kein Sanierungsstau – beim besten Willen nicht – das sind Ruinen. Es ist schwer zu glauben, dass hier fröhliche Menschen leben. Ist aber so. Da ist die Frage, ob die Menschen die da hausen, das als eine Zumutung empfinden. Wahrscheinlich ebenso wenig, wie wir Anfang der Achtziger unsere Zwangs-WG am Fetscherplatz als Zumutung empfunden haben. Peter ist anderer Meinung.

Allerdings sehen wir BEIDE fröhliche Menschen, obwohl das die Umstände eigentlich nicht her geben.

Der Buena Vista…Club stellt sich als fürchterlicher Nepp inmitten von Ruinen heraus. Wir nehmen eine Rikscha und flüchten in die Altstadt. Die Rikscha hat keine Gangschaltung und der dürre Kubaner hat alle Mühe, unsere 200 kg Biomasse vorwärts zu bekommen. Wir honorieren das entsprechend.

Er setzt uns vor einer wahrscheinlich russisch geführten Kneipe toBARisch ab. Gutes Essen, sehr gut Band mit ausschließlich (dicken) Mädels, die aber sehr gut spielen. Der Techniker ist ein Mann …. Gleichberechtigung auf kubanisch.

Anschließend noch irgend ein Rumbalokal mit der Betonung auf Rum. Aber auch hier die Musik gut zu verknusen.

Gute Nach!

04.04. …. Frankfurt nach Havanna

Noch mal kurz zum Verständnis: ich bin dieses Mal nicht meiner Frau unterwegs. Nein. Wir haben uns nicht gestritten – es ergab sich halt so, dass ich mit meinem alten Freund Peter Meissner in die Karibik aufbreche.

Nun zum Flug:

Ich mach es kurz …. die mich kennen, wissen: ich hasse die beengten Verhältnisse im Flieger. Müssig, dies noch mal auszubreiten. Dieses Mal ist es eher noch schlimmer als sonst.

Die Boeing hat in der Mitte drei Sitze nebeneinander und ich sitze in der Mitte. Zwischen Peter und einem Jürgen aus Kassel, dem jeglicher Abstand fehlt … der es sogar fertig bringt, mich zu wecken, um mir irgendein unwichtiges Bild aus Kuba auf seinem Handy zu zeigen.

Jürgen mag ungefähr mein Alter sein und war ein Jahr lang mit einer Kubanerin verheiratet. Der Rest, den er erzählt ist genauso wirr – HÖCHSTSTRAFE.

Die Schlaftabletten, die mir meine Freundin (und Krankenschwester) Petra mitgegeben hat, waren scheinbar auch Placebos

Ich höre jetzt auf zu klagen und irgendwann war es ja auch vorbei. Gegen 19:00 Uhr Ortszeit landen wir auf dem Flughafen, der tatsächlich noch kleiner nicht sein dürfte. Die Kontrollen ziehen sich wie überall in Entwicklungsländern und als ich denke, wir haben es geschafft, werde ich noch vom Zoll zur Kontrolle aussortiert. Dem ist ein elektrisches Gerät aus meinem Handgepäck suspekt.

Wir folgen dann noch den Empfehlungen aus den Reiseführern und tauschen soviel Euro in die konvertiblen Pesos (CUC) wie wir erst mal für 14 Tage für sinnvoll halten (ziemlich viel) und lassen uns dann vom Taxi in’s Hotel bringen. Anmerkung: das sollte man unbedingt tun – die Schlangen vor den Wechselstuben sind teilweise recht heftig und die Geldautomaten arbeiten nach Lust und Laune.

Das Hotel ist ziemlich cool und wie aus der Zeit gefallen – sehr herrschaftlich. Wer googeln mag: Hotel Sevilla. Nicht wirklich teuer

Im neunten Geschoss (ganz oben) gibt es ein ziemlich gutes Restaurant, wo wir auch 21:00 Uhr noch etwas zu essen bekommen. Dann fallen wir erschöpft zu Bett und verabreden uns für 08:00 Uhr zum Frühstück.

Licht aus!

Kuba. …Zigarren? Rum? Dicke Weiber?

Es ist der 03. April 2019. Ich bin gerade in den fast leeren und gut klimatisierten Wohlstands ICE in Dresden Neustadt eingestiegen. Heute geht es nur bis Gotha, wo ich meinen bärtigen Freund Peter Meissner (Auch Castro der II. genannt) einsammeln werde. Morgen fahren wir dann gemeinsam nach Frankfurt und setzen uns in den Flieger nach Havanna. 

Ich kenne fast nur Freunde, die in Kuba waren und es ungefähr so formuliert haben: „gut dass wir noch da waren, bevor der Tourismus dort alles zerstört“ ….“aber noch mal fahre ich nicht hin“. Bin sehr gespannt, ob uns das auch so geht. Mein Tipp: N E I N !!! Interessant daran ist auch, dass ich diesen Satz fast identisch von Leuten höre, die in den Neunzigern dort waren und von Freunden, die erst kürzlich Kuba besuchten

Der Plan: wir landen morgen Abend in Havanna, haben dort ein kleines Hotel vorgebucht, wo wir die ersten Nächte bleiben werden, um Havanna zu erkunden. Dann holen wir uns ein Auto und machen eine Rundreise, für die wir die (Privat-) Quartiere vorgebucht haben… die Tour sieht so aus:

 

 

….. schau‘mer‘mal. Ich habe mich nicht sonderlich vorbereitet und nehme es wie es kommt …. in einem Bericht über Kuba las ich:

 

…. das kommt mir sehr vertraut vor – auch wenn es sehr lange her ist. Ich glaube und hoffe, dass es so nicht ist. UND: …..war es ja in der DaDaEr in der Aussensicht vielleicht auch so und stimmt doch auch nicht wirklich. Wir haben doch nicht die ganze Zeit Trübsal geblasen….das wüsste ich aber! ….und wenn man mal ehrlich ist: so viel fröhlicher sind unsere Wohlstandswutbürger trotz deutlich besserer Umstände heutzutage früh im Omnibus ja auch nicht.

Sag ich doch …. Wohlstand macht nicht glücklich …. und Verzicht nicht zwangsweise das Gegenteil……ja ich weiß, so etwas brabbelt sich gut, wenn man am Monatsende noch genug Geld auf dem Konto hat …..aber ich habe auch schon genügend Menschen in armen Gegenden getroffen, die augenscheinlich fröhlicher und wahrscheinlich auch glücklicher als der durchschnittliche Arbeitsgermane waren.

Nun dann … ich muss noch etwas chillen, wie man wohl heute sagt – mein bärtiger Freund hat eine veritable Whiskysammlung und da muss ich ausgeruht sein.

Übrigens: soweit ich weiß ist Kuba nicht gerade für seine tolle Telekommunikationsinfrastruktur bekannt (kein 4G an der Milchkanne)….kann also sein, dass ich fleissig schreibe und fotografiere, das Ganze aber erst am 19.04. nach der Rückkehr in Frankfurt>>>>Dresden online stellen kann ….. ist ja aber wurscht, oder?

 

Botsuana…..Bilder Bilder Bilder Bilder

So…..es ist der erste Januar 2018 und ich habe eine erste Auswahl der Botsuana-Bilder fertiggestellt. Die meisten Bilder sind von mir selbst gemacht. Nicht wenige stammen aber auch von Bärbel, Ina oder Achim.

Es sind erst mal viel zu viele Bilder geworden….muss sich ja aber auch niemand alle anschauen 🙂

Und hier sind sie: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlip4tmK5uYKlIq-N_yg

Wenn Ihr die Bilder für irgendetwas verwenden wollt, fragt mich bitte…..einfach runterladen und irgendwie verwenden geht nicht!

Euch allen ein friedliches 2018 mit tollen Erlebnissen und vor allem viel Gesundheit!

JB

1124 Gut gelandet

Darüber gibt es wenig zu berichten – sind halt gut gelandet und sitzen nun auf dem Frankfurter Flughafenbahnhof, wo gleich unser Zug in Richtung Dresden abfährt.

Ich werde mich ein letztes Mal zu diesem Blog melden, wenn die Bilder sortiert und hochgeladen sind.

Schön war´s

 

JB

 

PS. Jetzt stehen wir bereits zwei Stunden auf offener Strecke, weil die Strecke nach Leipzig irgendwie „wegen Vandalismus“ gesperrt ist …. hinter mir redet eine seit dreissig Minuten wie die Frau aus „Ekel Alfred“ in ihr Telefon und sinniert mit ihrem Gegenüber auf dem Dresdner Hauptbahnhof in einem Endlosmonolog darüber, dass es keinen Sinn macht, wenn die Freunde weiter auf dem Bahnhof warten …… die mussten jetzt aber dreissig weitere Minuten auf dem Bahnhof stehen und sich das Telefonat von Tante Alfred anhören …… und ich auch

1123 Der letzte Tag in Afrika

Heute früh nach dem Frühstück erst mal unser Gepäck bei Müllers untergestellt. Unser Bungalow wird heute schon wieder benötigt. So verbringen wir die letzten Stunden im Viermannzimmer 🙂 …. ist aber eh Wurscht.

Zunächst die schwer erkämpfte Wanderung ……es tut sehr gut, sich mal wieder aus eigener Kraft fortzubewegenund nicht nur aus dem zweiten in den dritten Gang zu schalten.

Wir sehen ein paar Antilopen  – große und kleine …. die Tiere sind verunsichert, weil wir zu Fuß kommen und fliehen sehr schnell. Sie sind den Anblick von Autos gewohnt aber nicht den von Menschen.

Anschließend am Pool herumlungern und den quietschgelben Webervögeln zuschauen – das sind hier andere als am Chobe. Dort war es so, dass die Männer Nester Bauen (das sind kunstvolle Kullern, die an den wippenden Ästen hängen) und warten dann auf die Frauen. Wenn sich keine für das Nest interessiert, zerstört das Männchen das Nest wieder. Anders hier: das Männchen baut. Das Frauchen kommt und begutachtet das Werk. Wenn es gefällt, zieht sie ein. Wenn nicht beginnt ein Gekreisch und sie zerstört das Nest.

Die hier scheinen insgesamt schon etwas weiter zu sein – es ist reger Betrieb an den Kugeln, die übrigens zum Schutz vor den Baumschlangen zwei Ein-/Ausgänge haben ….. genau so wie es in der VStäVo vorgeschrieben ist. Sehr vorbildlich!

Der Rest ist heute (eigene) Trägheit. Auch mal schön.

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlio9BCNqqKVemRty3LA

 

1122 Windhoek

Heute ist es sehr linear: 300 km Asphalt bis Windhoek. Kurzer Stopp unbterwegs an einem Schnitzmarkt, den wir schon vom letzten Mal kennen. Leider gibt es nur Schrott & Tünneff. Die Händler sind superaufdringlich ich halte Sie mir mit der Wahrheit vom Hals: Ich suche einen kleinen Oryx aus dunklem (Eisen-) Holz. Bei den ersten lasse ich mich noch überreden, trotzdem reinzuschauen, bin aber schnell genervt und gebe auf.

Die Strecke ist landschaftlich recht hübsch – etwas bergiger als das komplett platte Land im Osten. Manche Berge/Hügel sehen aus wie mit Bedacht hingekugelte Kunstwerke aus geschichteten Murmeln.

Je weiter wir uns Windhoek nähern und je breiter die Strasse wird, um so abenteuerlicher wird der Fahrstil der Einheimischen – Rasen, Drängeln, Hupen ….. ist gerade nicht meine Lieblingssituation nach drei Wochen ziemlicher Abgeschiedenheit und Ruhe. Wir wissen vom letzten Mal, dass es keine gute Idee ist, Windhoek zur Rushour von Nord nach Süd zu durchqueren und nehmen die wirklich sehr bequeme Westumfahrung.

Auto noch mal richtig volltanken, abgeben. Den kaputten Kühlschrank und die anderen diversen Unannehmlichkeiten (Kompressor usw.) erstattet man uns ohne Murren und großzügig. Bei Asco sehen wir neue Dachzelte, die „Stealth“ heißen und längs fest auf das Dach montiert sind. Die haben ein festes Dach und einen ähnlichen Klappmechanismus wie unser Viano (oder auch wie die VW-Campingbusse) ….. muss ich mir merken!

13:45 ist alles erledigt und ein Pickup holt uns ab zur letzten Lodge, wo wir eine Stunde später ankommen.

Alles extrem schick und mit vorangetragegem Ökobewußtsein. Vieles ist aber aus der Abteilung: Design verhindert Funktion: Auf archaisch gemacht Klotüren, die nicht geschlossen bleiben, Glaswaschbecken, die ihr Abwasser in eine Steinschräge ergießen, die aber entsprechend eklig aussieht, eine in den Fußboden eingelassene Betonvertiefung – multifunktional als Badewanne und Duschbecken nutzbar aber leider den Abfluss leicht erhöht eingebaut, Rasierspiegel, die einem ständig vor dem Gesicht herumbaumeln, weil sie zwar ein Teleskopgelenk haben, aber an eine schräge Wand geschraubt sind….unb besonders schön: um das Bett herum ein attraktiver sieben Zentimeter Holzsockel, an dem man sich bei jeder Annäherung an das Bett die Zehen blau schlägt. Mich macht es wahnsinnig – die anderen sagen ich wäre ein Meckersack. Barbarabärbel gefällt die Kante sogar. Sie ist ja doch etwas kleiner und muss dank dieser umlaufenden Kante nicht mit Anlauf auf das Bett springen, sondern kann sich ganz gepflegt auf die Bettkante setzen. Das hätte man allerding mit einem niedrigeren Bett auch erreicht. Anyway – das gibt es nicht nur in Afrika. Unterkünfte mit hohem Designanspruch sind gern mal unbewohnbar. Das haben Designer eben so an sich. Ich habe mal in Barcelona in einem Hotel drei Tage lang versucht, herauszubekommen, wei man Wasser in die (freistehende) Badewanne bekommt. Der designanspruch war halt, man möge nicht erkennen, wie das Wasser in die Wanne kommt. Sehr hübsch – nur wenn man einen Gast mit diesem Problem allein lässt. Damals, als ich das Rätsel gelöst hatte (es war wirklich ein cleverer Mechanismus) stellte sich allerdings heraus, dass mir das frisch erworbene Herrschaftswissen nichts nützt, weil es nämlich keinen Stöpsel für die Badewanne gab – auch an der Rezeption nicht – Designer erinnern mich da immer auch an die mir besser bekannte Berufsgruppe der Bühnenbildner („….und dann brauche ich im Freien eine 20m hohe, 40m breite freistehende Wand, die sich um sich selbt drehen kann“)

Wir werden morgen bis Abends in der Lodge bleiben – um 6:00 pm soll uns der Shuttle zum Airpot fahren. Wir benötigen also noich etwas Zerstreuung und fragen nach Aktivitäten. Das Mädchen überreicht uns strahlend eine Mappe voller Aktivitäten, die allerdings entweder zu Zeiten stattfinden, wo wir morgen noch nicht aufgestanden sein wollen oder bereits abgefahren sind. Wir fragen, ob es vielleicht eine geführte Wanderung am Vormittag geben könnte. Man empfielt uns als Gegenvorschlag die „Feeding Tour“. Man hat wohl Löwen, Caracale, Cheetahs und Wildhunde in separaten Gehegen (alle mehr als 2….3 ha groß) und füttert die Tiere täglich. Darauf haben wir aber gar keine Lust – das kann man mit Glück auch im Dresdner Zoo haben. Hinzu kommt die ziemlich alberne Anordnung, man dürfe nur Bilder von den Tieren machen, aber müsse darauf achten, keine Bilder zu machen, wo gleichzeitig Menschen mit drauf sind. „Dies führt zum sofortigen Abbruch der Tour“ ….. da hat wohl eine „Ökofarm“ Angst um ihr Image?

Nach langem Gezerre willigt man ein, uns einen Guide für eine ungefähr zweistündige Wanderung zu geben (allein Wandern aus „Gründen“ verboten)…..da wird das also morgen ein ruhiger Tag

https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlio85X8vboi6cksw4iA

 

BILDER BILDER BILDER

Ich habe durch das dünne Internet hindurch jetzt tatsächlich einige Bilder hochladen können. Die Namen der Ordner entsprechen der Nummer des Blogeintrags (und damit dem Datum). Das ist keineswegs ein „Best off“ sondern recht wahllos ausgesucht. Man kann sich auf dem iPad immer nur entscheiden, ein Bild in groß anzusehen aber nicht gleichzeitig entscheiden, es hochzuladen….. dashalb sieht man sie bei der Entscheidung zum Hochladen immer nur als Thumbnail.

Ich werde nach meiner Rückkehr die Bilder ganz sicher noch mal überarbeiten. Es sei auch hinzugefügt, dass die Bilder von den Victoriafalls nicht alle von mir stammen – die habe ich dem Heli-Piloten abgekaubelt…. haben aber auch selbst ganz hübsche gemacht.

Auch habe ich momentan noch keine Bilder von Barbarabärbel, die meistens auch ziemlich gut sind.

….aber um erst mal einen Eindruck zu bekommen – dafür sollte es reichen:

https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliooLjVFpWP_SOAiS8Q

 

1121 CHEETAH II Rückblick 2

Die Tage hier nähern sich dem Ende. Heute ist noch mal ein „Nichtreisetag“ – der letzte. Morgen geht es über Windhoek in die letzte Lodge (Naankuse), von der aus wir dann am Donnerstag zum Flieger gebracht werden.

Die Gefühle sind zwiespältig: Sonne tut gut, Sand zwischen den Zähnen nicht so. Offroadfahren im Matsch macht Spass, fehlende Bewegung nervt auch mit der Zeit. Schönes Land, in dem man gern auch länger bleiben kann. Es ist sicherlich nicht nur der Zufall der deutschen Kolonialgeschichte, dass es immer noch so viele Deutsche hierher zieht. Wer schon immer J.F.Cooper gern gelesen hat und sich mit seinem Südwester im Nacken prächtig unabhängig vorkommt, der ist hier auch für länger gut aufgehoben. Andererseits braucht es auch Heimat. Und da will ich wieder hin. Und erst wieder weg, wenn ich lange genug dort war

Viel zu viel Geprätze mitgeschleppt. Achim hat gesagt, er hat mal seine und Bärbels (die hier unter dem Synonym Barbara reist, weil niemand Bärbel versteht) also jedenfalls hat er die Elektronik der Familie Müller gewogen: Telefone, iPad, eBookreader (wozu eigentlich?) Kamera 1, Kamera 2, Ladegeräte, Ersatzakkus, Netzadapter …. alles zusammen 17 kg, sagt Achim. Ich muss das im Nachgang auch bei uns checken und kann es im Moment gar nicht glauben. Wenn das bei Müllers stimmt, müssen das bei uns noch 5 kg mehr sein. Mindestens. Da wüsste ich allerdings nicht, was ich hätte zu Hause lassen sollen.

Ansonsten hatte ich eigentlich eiserne Packdisziplin. Trotzdem konstatiere ich ein Zuviel an Klamotten. Memo für das nächste Mal, es reichen:

5 Schlüpfer, 4 T-Shirt, 4 lange Hemden, zwei kurze Hemden, 2 x Kurze Hose, 2 x lange Hose, 1 x Pullover (den ich dieses Mal nicht brauchte, trotzdem), 1 leichte Regenjacke, 3 Paar Socken, 1 paar Wandersocken, 1 x Sandalen, 1 x Sportschuhe, 1 x leichte Wanderschuhe, 1 x Handtuch, Sonnenbrille, Aluwasserflasche mit Thermo, Thermobecher für Kaffee/Tee, Leatherman, Strick, Gaffa-Tape, Klopapier. – NICHT MEHR!

Tendenziell habe ich eigentlich immer dieselbe kurze Hose und Sandalen getragen, mit wechselnden Hemden. Allerdings muss man ergänzen, dass in den Lodges oder sonstwo fast immer die Möglichkeit besteht, Wäsche u waschen (bzw. Waschen zu lassen)

Und als Verpackung am Besten eine Ortliebtasche – also etwas absolut staub- und luftdichtes – im Idealfall mit Rollen und Tragegurten …. so wie Ortlieb RS90 oder RS110.

Unter den vielen Tieren, die wir hier beobachten konnte, waren keine Cheetahs (Geparden) ….. man weiß es: das schnellste Säugetier der Erde … über 100 km/h. Da können wir nicht mithalten und benötigen Nachhilfe. In der Nähe von Otjivarongo gibt es einen Cheetah Conservation Fund. Der hat sich der Rettung dieser Art verschrieben. Es gibt noch rund 10.000 Exemplare. Jedes Jahr wird eine große Anzahl von Farmern geschossen, weil die Angst um ihr Vieh haben. Die Stiftung nimmt mehrer Aufgaben wahr:

Einsammeln, heilen und auswildern kranker/angeschossener Cheetahs, Forschung zur Gefährdung des Zuchtviehbestandes duch Cheetahs, um zu belegen, dass die Nutztiere zumeist nicht Opfer von diesen Raubkatzen sind. Dazu werden z.B. Mit einem Spürhund Cheetahkot gesucht und dann untersucht, was die Katzen gefressen haben. Ausserdem werden Bewegungsprofile der Katzen erstellt.

Dazu kommt Aufklärungsarbeit – Besonders unter den ärmeren Bauern, die manchmal nur 10 Ziegen besitzen und im Fall einer Löwenattacke schnell mal über Nacht ihr gesamtes Habe einbüssen (Preis pro Ziege ungefähr 250,00 EUR). Man versucht mit Erfolg anatolische Hütehunde (Rasse habe ich nicht verstanden, aber die Tiere sind fürchterlich groß – haben sie gesehen) zu züchten und für wenig Geld (100,00 EUR) an die Bauern zu verteilen …… dort kommt aber das Problem: so ein Hund kostet schnell mal das zehnfache für Futter und Tierarzt….dazu müssten die Farmer also vorausschauen denken und kurzfristig auf 2….3 Ziegen verzichten, damit der Rest der Ziegen gefahrlos aufwachsen kann und häötten dann in wenigen Jahren mehr Ziegen, also sie sonst wahrscheinlich hätten. Das ist einem armen Farmer schwer zu erklären. Die reichen haben das schnell begriffen und sich solche Hunde zugelegt….das erhöht natürlich die Gefahr für die armen, dass ihr Vieh vom Löwen gefressen wird.

Einen Teil der Finanzen der Stiftung wird über Besuchergelder gesichert. Man zeigt Touristen wie uns einige (wenige) der derzeit fast vierzig Cheetahs. Die meisten werden menschenfern gehalten, damit sie gefahrlos wieder ausgewildert werden können. Die Touristencheetahs sind als Waisenkinder hier aufgenommen worden, weil ihre Mutter geschossen wurde. Das kommt auch recht häufig vor. Die insgesamt sechs Waisen (drei Jungen und drei Mädchen) sind inzwischen alle sehr erwachsen (über 10 Jahre). Sie werden auf riesigen eingezäunten Flächen abgesondert von allen anderen gehalten. Sie sind durch ihre Zahmheit und das Fehler der mütterlichen Ausbildung im Jagen nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen – bekommen sechsmal pro Woche zwei Kilogramm Fleisch.

Sie haben heute schon gefressen und schauen uns mit nur geringem Interesse an. Wir sitzen – sehr zu Barbarabärbels und Inas Beruhigun auf einem Safariwagen….. man kann aber wohl auch zu Fuss rein gehen.

So haben wir also nun auch Cheetah-Fotos und ich hoffe, meine Zahnärztin wird sich über die Bilder freuen.

Heute Abend machen wir noch eine Farmrundfahrt – Oryxe und Nashörner gucken 

 

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlio5ShJmu7a7GSQd_8Q

 

 

1120 Dreihundert Kilometer geradeaus…… II Rückblick 1

…und dann auch noch Asphalt. Gut ausgebaut. Wir werfen – thematisch schlecht passend – Otros Aires mit seinem argentinischem Elektro-Tango ein und fahren los.

Es geht von Rundu am Okavango (Grenze zu Angola) über Grootfontain, wo der berühmte Hoba-Meteorit liegt nach Otijwarongo unserem letzten najaja regulären Stopp. Die Lodge heisst Frans Indongo und wir werden dort noch zwei Nächte bleiben, bis wir dann in Windhoek den lieb gewonnen Landcruiser wieder abgeben und in die letzte Lodge (Flughafennnähe) mit einem Matatu-Shuttle gebracht werden.

Doch zunächst: Abbiegen in 326 km, so sagt es das Navi. Wir wollen allerdings in Grootfontain schauen, ob wir die restlichen Kilometer von dort aus nicht doch lieber die Gravelroad nehmen. So herrlich gelassen wie der Landcruiser seinen altertümlichen Hubraum durch das Gelände schiebt, fremdelt er doch sichtlich mit Asphalt. Er hüpft wie ein Ziegenbock, schlingert bei jedem Seitenwind. Es sei ihm verziehen…..jeder hat halt seine Spezialitäten.

Mit etwas Gewöhnung kann man ihn aber mit 100 km/h auf der Strasse halten.

Die Siedlungen rechts und links haben wenig mit dem zu tun, was wir gestern in den kleinen Dörfern entlang des Okavango sahen. Diese Dörfer am Okavango waren klein und überschaubar. Man hatte dort den Eindruck, sobald die Anzahl der Einwohner – sagen wir mal – dreissig übersteigt, schnürt ein Teil der Einwohner das Gepäck und gründet ein neues Dorf. Keine Ahnung warum, jedenfalls sind sie immer klein. Anders hier….das ist zumindest die ersten dreissig Kilometer von Rundu aus grosszügige aber stetige Besiedlung. Die Menschen hier leben sichtlich eher in kleineren Familien bis maximal 10 Personen und haben „Nachbarn“ aber keine Dorfgemeinschaft. So jedenfalls erzählt es uns die Siedlungsstruktur rechts und links der Strasse. Weiter auf dem platten Land verliert sich diese „Verstädterung“ wieder und es sind wieder normale dörfliche Siedlungsstrukturen.

Ina fährt, so blättere ich durch meine Musiksammlung und finde dann doch etwas thematisch passendes: Zomba Prison Project…..habe ich mir vor langer langer Zeit mal geladen, weil ich dieses Gefängnisprojekt mit schwarzen Musikern interessant fand.

Genug Zeit für ein erstes Resume:

Bewegungsarmut vs. Erlebnisdichte: jedem, der nicht gern mit dem Auto unterwegs ist und jedem, der keine offroad-Erfahrung hat und sie auch nicht sammeln möchte, sei von Nachahmung abgeraten. Man verbringt schon echt viel Zeit in der Kiste und das muss man mögen. Man muss auch mögen, langsam zu fahren und geduldig zu sein. Manchmal sehr langsam ….. und sehr geduldig.

Wer das mag und sich darauf einläßt wird mit großartigen Erlebnissen belohnt. Einzigartige Landschaften. Prächtige exotische Vögel ganz aus der Nähe. Von Elefanten, Löwen, Rhinos, Giraffen, Warzenschweinen, Hippos und vielem anderen merkwürdigem Getier ganz zu schweigen.

Auch das langsame buddhistische Wühlen mit dem Landcruiser durch Matsch und Schlamm, wo jede Hast zum Debakel führt hat mir sehr gut getan

Grandios auch die Menschen, die hier leben. Anders als vielerorts in Afrika gibt es hier ein weitgehend gut funktionierendes Gemeinwesen mit allgemein akzeptierten Regeln des Zusammenlebens, die sich freilich teilweise erheblich von unseren unterscheiden. Wenn man aber mit den Menschen redet, hat man schon den Eindruck, dass es sich bei aller Andersartigkeit hier gut leben lässt. Es gibt eine sehr geringe Kriminalität und die Menschen sind überaus freundlich und rücksichtsvoll. Nicht nur den zahlenden Touristen gegenüber sondern auch untereinander. Und sie sind fröhlich. Fröhlicher als wir. Obwohl es nach europäischem Massstab manche Unbequemlichkeit im täglichen Leben gibt. Wasser aus dem Hahn z.B. Ist ausserhalb der Großstädte vollkommen undenkbar. Vieles andere, was für uns selbstverständlich scheint, gibt es schlicht nicht.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass wir vor weniger als einem Menschenalter in meinem Heimatort Cossebaude ein Badezimmer, eine Dusche, einen Kühlschrank, ein WC, bewegliche bunte Bilder aus einem Kasten im Wohnzimmer und vieles anderes nicht kannten und auch nicht vorstellen konnten

Damit kann ich allerdings nur das schildern, was ich selbst gesehen und wahrgenommen habe. Wie sich z.B. Ein Leben im staubigen und überfüllten Rundu bewerten lässt, kann ich nicht beurteilen. Auf dem Land scheint mir aber vieles noch sehr intakt. Dort ist eher die Frage, wie die Menschen mit der Diskrepanz zwischen eigenem Erleben und den nicht einlösbaren Versprechungen der wunderbar bunten Internetwelt umgehen. Wir kennen die Schattenseiten dieser bunten Welt gut und kommen gar nicht auf die Idee, diese Bilder für bare Münze zu nehmen….. aber diese Dorfbewohner, die inzwischen fast alle ein Smartphone haben. Was fangen die mit diesen Bildern an?

Apropos: Auch die Erfahrung der Internetabstinenz war mal wieder fällig. Das entschleunigt doch ungemein. Über weite Teile gab es im Busch kein WLan, wohl aber Telefonempfang. Auf die sündhaft teuren Roaminggbühren habe ich aber verzichtet und für den Fall der Fälle auch alle eMail-Konten deaktiviert.

Und noch was: Als übergewichtiger Weisser bekommt man hier inmitten ausnahmslos wohlgebauter Männer und Frauen schon einen gewissen Handlungsbedarf vorgeführt. Lyle, mein Trainer! MACH DICH BEREIT.

Inzwischen sind wir nach fast acht Stunden in unserer Lodge bei Otjiwarongo am Waterberg angekommen. Das wäre freilich schneller gegangen, wenn wir auch ab Grootfontain die B8 und dann die B1 (alles Asphalt) genommen hätten. Nach dem Besuch des deutschen Bäckers im SPAR-Markt von Grootfontain, wo es Bienenstich und (fast) richtige Brötchen gab, sind wir übermütung geworden und sind auf die idyllischere Gravelroad ausgewichen. Allerdings endete das Vergnügen an einem fest verschlossenen Tor, welches ein weiteres Passieren der Straße (obwohl eigentlich öffentlich) unmöglich machte….. also 20 km zurück weitere 40 zusätzliche Gravelkilometer…. so vergeht die Zeit wie im Flug.

Mein Bedarf an Staub im Mund ist vorerst gut gedeckt. Aber besser als Asphalt war es allemal.

Bin mal gespannt welchen Weg wir übermorgen nach Windhoek nehmen.

 

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliox0E8CU5nYag38h9w

 

1119 Am Okavango entlang nach Rundu

Wir brechen gemütlich gegen Neun Uhr in der Früh nach Rundu auf. Rundu ist die zweitgrößte Stadt Namibias. Sehr viele Flüchtlinge aus dem benachbarten Angola leben hier, so gut es geht. Wir fahren nur schnell hindurch. Nach unseren Begriffen handelt es sich eher um eine Siedlung als um eine Stadt….ich weiß aber gar nicht, ob wir das richtige Rundu überhaupt gesehen haben oder das Zentrum ausgespart haben. Ich bin eh‘ nicht so der Stadtangucker.

Der Weg vom Caprivi nach Rundu führt eigentlich schnurgerade entlang einer gut ausgebauten Asphaltstraße (B8), die immer parallel zum Okavango führt. Zwischen Okavango und B8 gibt es sehr viele Dörfer, die mit der alten Verbindungsstraße, einer Gravelroad, verbunden sind. Diese Strasse nehmen wir, weil wir es einfach schöner finden, auch wenn man damit langsamer voran kommt und man wegen des Staubs ordentlich Abstand halten muss, um etwas zu sehen.

Wir bereuen es nicht. Es ist Sonntag und alle gehen fein angezogen zum Gottesdienst. Dieser beginnt hier Sonntags scheinbar so gegen Zehn und zieht sich unter Umständen bis weit nach dem Mittag. Die Gotteshäuser sind meistens Baracken. Manche fast schön, manche sehr einfach.

Wir halten immer mal an und fragen die vielen (wirklich!) schick gekleideten Menschen, ob wir sie fotografieren dürfen. Meistens scheinen sie sich über die Frage zu freuen und erlauben es gern. Vornehmlich ältere Frauen wollen aber nicht fotografiert werden.

Vor jeder Kirche bilden sich nach dem Gottesdienst Gesprächsrunden, in denen auch gern mal gesungen wird. Allerdings streng getrennt nach Frauen mit ihren Kindern und den Männern. Gesungen und geschwatzt wird nur bei den Frauen….bei den Männern wirkt es eher als stammten sie aus Schleswig-Holstein. Jedenfalls findet dort scheinbar nur einsilbige Kommunikation statt. Man schweigt und schaut.

Vor einer Kirche ist eine besonders große Gruppe von Frauen, die singen gerade lauthals, als gelte es, uns zu begrüßen. Wir halten an und ich gehe zu den Frauen hinüber. Sie hören auf mit dem Gesang und schauen mich freundlich interessiert an. Ich wünsche einen guten Tag und frage, ob ich ein paar Fotos schiessen darf. Kurze Beratung, bei der alle Frauen immer genau eine Frau anschauen. Die sagt mir dann: bitteschön. Zugleich setzen die Frauen auch ihren Gesang fort. Man könnte tatsächlich meinen, sie machen eine Aufführung für mich. Das ist aber keineswegs so….. die singen hier in der Kirche und auch danach unentwegt..

Trotzdem fühle ich mich in der Schuld. Ich gehe zum Auto und gebe der Anführerin ein paar Geldscheine für ihre Kirche, die sie dankbar und freundlich aber ohne Übertreibung entgegennimmt. Im Weggehen singen und tanzen sie dann wirklich noch mal für die Kamera, die ich nun auf „filmen“ gestellt habe….bin gespannt, ob man die schöne Musik hören kann.

Ähnliche Szenen sehen und hören wir überall entlang der Strasse. Schöne Gesänge.

Als es Mittagszeit wird nehmen wir einen sehr sandigen Weg hinunter zum Fluss, der sich ganz schön lang durch einen Wald windet, bis er tatsächlich wie vermutet in den Flussauen des Okavango endet. Gegenüber ist Angola. Komisches Gefühl.

Wir vespern im Schatten eines Baumes und ich sinniere wieder mal über die Merkwürdigkeit von Grenzen.

Dann wieder zurück auf die Straße. Nach ein paar Kilometern nähert sich unsere Straße soweit dem Fluss, dass man nur einen kleinen Weg zum Wasser fahren muss. Wir machen den Abstecher. Kinder spielen am und im Wasser. Die Größeren sind mit Mokoro-Booten (Einbaum) auf dem Wasser zwischen Krokodilen unterwegs und fangen Fische. Ich frage die Kleinen am Ufer, die wohl irgendwie um die acht bis zehn Jahre alt sein mögen, ob sie englisch können. Sie antworten in sehr gutem Englisch, dass sie das leider nicht beherrschen und geben mir auf meine weitere Fragen auch blitzsaubere englische Antworten. Irgendwie fühle ich mich wie die Bundeskanzlerin bei einer Werkseröffnung, wenn sie mit „den Bürgern“ spricht….. Ich erlöse die Kinder, steige in‘s Auto und entschwinde. Ganz wie Angela. Da fällt mir ein: ich habe über 20 Tage keine Nachrichten gehört – weiß gar nicht ob Deutschland noch steht und von wem es regiert wird.

Heute habe ich zwar Internet, aber ich schaue nicht nach – will das erst wissen, wenn wir wieder zurück sind.

Inzwischen sitzen wir in der Hakusembe-Lodge an einem kleinen Pool neben dem Okavango. Der erste Nachmittag seit langem ohne Programm. Morgen sind es vierhundert Kilometer Asphalt über Grootfontain nach Otjiwarongo. Das kann in Namibia alles bedeuten. Voraussichtlich aber wird die Fahrt langweilig – schau‘mer‘mal

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliox0E8CU5nYag38h9w

 

1118 Rechts und links des (O)Kavango

Erst mal eine Korrektur – ich habe den Okavango in der Größe mit unserer Elbe verglichen. Das tut beiden Flüssen Unrecht. Der Okavango ist bestimmt doppelt so groß wie die Elbe – das ist nur manchmal schwer festzustellen, weil auch hier bereits (in ca. 1.000 m Höhe) der Fluss mangels Gefälle mäandert und Seitenarme bildet.

Es wird auch immer unklarer, wer hier Kavango und wer Okavango sagt. Der Guide, der uns gestern zu den Popa-Falls brachte bestand auf „Kavango“ ….an der Brücke vom Caprivi kommend steht auf dem Schild „Okavango“ in der anderen Richtung stand das wohl auch mal. Allerdings hat jemand das O fein säuberlich entfernt. Wir denken, dass ein Stamm hier Kavango sagt und alle anderen nennen den Fluss Okavango. Die Region heißt übrigens amtlich auch „Kavango“. Gerade habe ich mal den Cheffe der Lodge gefragt. er meint, das sei ganz klar: Region heisst Kavango, Fluss Okavango. Ansonsten seien die Menschen hier einfach ein wenig verwirrt, meint er…..was auch immer er damit meint. Mein Navi, um das Kraut fett zu machen, nennt den Fluss auch Kavango.

Wir haben die letzte Nacht in der Nunda River Lodge verbracht, wo wir auch noch bis morgen bleiben werden. Damit ist heute wieder so ein Tag, wo wir „Programm“ machen können.

Der Chef der Lodge …. ich habe den Namen nicht ganz verstanden – ich glaube: Kerm – ist um die Sechzig und in Rhodesien (Zimbabwe) geboren ….. seine (schottischstämmigen) Eltern mit ihm als Kind vor den Kämpfen nach Namibia geflohen, wo er dann in Swakopmund zur Schule ging und aufwuchs. Dann ist er irgendwie durch Zufall hier oben am Eingang zum Caprivi gelandet und besitzt nun diese ansehnliche Lodge.

Kerm, der perfekt Deutsch mit schottischem Akzent spricht …. falls man so etwas mal für eine Whiskywerbung benötigt: Idealbesetzung – hat uns für heute zwei Ausflüge nahegelegt:

1. zum Buffalo Core Park: zurück in den Caprivi und dann eine Stichstraße runter an den Kavango

Das machen wir gleich nach dem Frühstück – jede Familie allein für sich. Da der Park übersichtlich  ist, treffen wir uns trotzdem öfters. Wir sehen vor allem viele Büffel, sehr große Marabus und eine Entenart („Weißgesichtsenten“), die Ina und ich „Warteenten“ taufen, weil sie IMMER ALLE in eine Richtung schauen, als ob da gerade der Zug in den Bahnsteig einfahren soll.

Selbstverständlich auch ganz viele unterschiedliche Antilopen – am Ende des Gebietes wird uns mal wieder Straßenbau auf Namibisch vorgeführt: Eine Maschine mit Schiebeschild versucht die Straße zu planieren, was im Wesentlichen nicht gelingt. Es wirkt dort auch vollkommen deplatziert, weil die Wege durch den Park alles andere als Straßen sind …. irgendeinen Sinn wird es schon haben

Unterwegs sehen wir auch noch einen rostroten Papagei, den es hier gar nicht geben dürfte, weil es hier nur Grey Lorries gibt….. leider ist er zu schnell für meine Fotografierfähigkeiten.

Nach kurzer Pause geht es in den anderen Park, der auf „unserer“ Seite des Okavango liegt…. „Hauptstraße 10 km in Richtung Botswana und dann nach dem Gate direkt zum Fluss abbiegen.“

Wir sehen zwar auch hier eine ganze Menge aber die Landschaft ist hier bei Weitem nicht so schön wie gegenüber,

Achim erzählt uns, dass die Dame am Gate ihn unfassbar nett fand und ihm deshalb einen exklusiven Super-SonderExtratip gegeben hat: am Schluss noch mal 10 km vom Fluss weg….. da soll es ein ganz tolles Wasserloch geben.

Ina und ich beschließen, uns das Wasserloch anzuschauen, um herauszubekommen, wie sympatisch die Rangerin Achim tatsächlich fand (also: war es ein Geheimtip oder eine Gemeinheit?) ….. vorsichtig ausgedrückt: ein Geheimtip war es sicherlich nicht. Achim hätte sich vorher rasieren sollen.

Trotzdem ist auch dieser Zusatzausflug lohnend. Wir sehen unter anderem einen Straussengockel mit seinen drei Damen. Strausse (Sträusse?) haben neunzig Prozent ihrer Zeit den Kopf unten auf dem Boden (bzw. Wie das Sprichwort sagt: im Sand). Wenn nun vier Strausse nebeneinander stehen ist statistisch immer mindestens ein Kopf unten. Ich möchte aber, dass auf dem Foto ALLE Köpfe oben sind. Das sieht sonst liederlich aus. Ich trickse die Vögel aus in dem ich mit gezückter Kamera den Motor starte…alle schauen nach dem Geräusch…Klick!

Auch gibt es wieder eine Affengruppe mit „Affentheater“

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxyBVVbF7Wi14Qp9A

 

1117 Über den Caprivizipfel zum (O)Kavango

Der Caprivistreifen, der in Namibischem Amtssprech inzwischen irgendwie Protektoratszone oder so ähnlich heißt – dieser merkwürdige Streifen am Nordostende Namibias ist ein weiterer mässig erfolgreicher Versuch der Deutschen, eine Mauer zu errichten.

Achtung es folgt gefährliches Halbwissen, weil ich das gerade nur so wiedererzähle, wie ich es hier gehört habe. Die komplette aber leider sehr ausführliche Geschichte gibt es hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Caprivizipfel

Um die Jahrhundertwende wollten die Deutschen einen Landweg schaffen zwischen „Deutschsüdwest“ – heute Namibia – und „Deutschsüdost“ – heute Mozambique, wenn ich nicht irre. Dazu anektierten und tauschten sie kurzerhand einen Streifen zwischen dem heutigen Botswana und Angola. Irgendwie war da auch noch Helgoland mit ihm Spiel, was sie verwendeten, um einen Teil des Streifens den Engländern abzukaubeln.

Die Bemühungen endeten mit dem ersten Weltkrieg. Übrig blieb dieser unglückselige Faustkeil, dessen Grenzziehungen nichts aber auch gar nichts mit dem Verlauf ethnischer Grenzen zu tun haben. So wurden ähnlich wie in Berlin Familien, Stämme, Dörfer – überall wo der willkürliche Grenzstrich gezogen wurde – voneinander getrennt.

Das gab ganz lange Bürgerkriege in dieser Region, weil sich die Stämme das nicht gefallen lassen wollten. Auch heute rumort es noch, aber es gibt keine offenen Kämpfe mehr.

Es wäre nicht ganz fair, dies nur den Deutschen anzulasten. Tatsächlich ist ähnliches vielfach im Afrika des 18. und 19. Jahrhundert passiert. Das sieht man an den geraden Grenzlinien, die davon zeugen, dass nicht die Bewohner mit Ihren Fürsten Grenzen gezogen haben, sondern fremde Eroberer, die sich wenig darum scherten wer wo und warum siedelt.

Freilich finde ich Grenzen sowieso nicht besonders gut und auch in Europa bin ich froh, dass diese Kleinstaaterei weitgehend überwunden ist. Es gibt aber einen feinen Unterschied: In Europa wurden die Grenzen von Herrschern gezogen, deren Völker dort auch wohnten – in dem Bemühen ihre Einflußsphären zu markieren und zu wahren. In Afrika wurden die Grenzen halt von den Kolonialmächten gezogen, also genau denselben machtgeilen älteren Herren, die auch die Grenzen in Europa gezogen haben. Ich glaube nicht, dass die afrikanischen Völker so etwas starres wie eine Grenze kannten, bis die Eroberer kamen.

Ein Großteil der heutigen Kämpfe in Afrika sind wahrscheinlich direkte oder indirekte Folge dieser Grenzziehungen und in Folge davon der virtuellen Staatenbildung.

Staaten sind halt eine westeuropäische Erfindung der Fürsten und Könige und eine äußerst virtuelle Angelegenheit, weswegen Zweifel an diesen Gebilden von den Mächtigen besonders empfindlich geahndet werden. Das haben auch die Mächtigen in Afrika mit Ende der Kolonalzeit recht schnell gemerkt.

Die Städte im vorderen (östlichen) Zipfel sind sehr schwarzafrikanisch und ethnisch gemischt, allerdings wenig sehenswert.

Wir fahren durch eine Polizeikontrolle in den Streifen ein. Es folgen 170 Kilometer schnurgerader Asphalt. Man darf die Straße nichterst verlassen …. oder doch? – so genau ist das nicht herauszubekommen. Wir versuchen es nicht und kommen wohlbehalten am anderen Ende über die Kavango-Brücke wieder in‘s „normale“ Namibia.

Das kennen wir: man sieht zwei Augen aus dem Wasser ragen….. dann noch zwei weitere und dann …… und dann reisst ein Hippo das Maul auf und „lächelt“ wie die Guides sagen. Und immer wenn so etwas geschieht, weiss man nicht, ob noch eine bessere Gelegenheit kommen wird. Der Effekt ist, dass man eine unfassbar große Zahl von Nasenlöchern im Wasser auf dem Stick hat. Ganz am Ende hat man zwei Hippos (male/female), die schäkern…. beide reissen Ihr Maul auf und verhaken sie ineinander…. DAS IST LIEBE …. sagt der Guide und nun haält es auch mich nicht mehr auf den Sitzen….. später merke ich: alles unscharf, weil ich versehentlich einen Schalter für manuellen Fokus umgelegt habe. Bei Bärbel ist es ein anderer Hebel aber ähnliches Ergebnis.

Übrigens: irgendwo viel weiter vorn in dem Blog muss ich Stuff anstelle von Staff geschrieben haben – Ex-Frisör Lutz Bauer hat mich freundlicherweise von Ottawa aus – was sind wir doch international – darauf aufmerksam gemacht …..ich finde aber die Stelle im Blog nicht. Ich werde diesen und alle weiteren Rechtschreibfehler korrigieren, wenn ich im kalten Dresden zurück bin. Sorry also.

 

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxx6-AGrBM7KhaImA

 

1116 Matschepampe im Mudumu

Der Tag beginnt mit einem sensationanellen Frühstück auf der Terrasse. Ich habe den Staff gefragt, ob wir unseren Tisch aus dem dunklen überdachten Bereich herausnehmen können. Für gewöhnlich bekommt man in Afrika solche Wünsche direkt um die Ohren geschlagen. Hier gibt es zu meiner großen Überraschung ein einfaches „yessss“ und umgehende Ausführung, bei der ich gern helfe.

Da sitzen wir als zu viert mit Cinemascopeblick am River und frühstücken ….. Glückes Geschick – tirili.

Dann mit eigenem Auto in den Park, der zwar riesig ist, aber nur wenige erschlossene Bereiche hat. Am besten erschlossen ist ein ca. 20 km langer Streifen entlang des Quando

Pirschfahrten für Selbstfahrer sind immer etwas verlogen (zumindest für mich) ….. das eigentliche Ziel lautet ja dann (offiziell): „finde Tiere und beobachte sie“. Inoffiziell aber stören die Tiere gealtig beim offroad-Fahren, weil man dauernd anhalten muss. Die idealen Voraussetzungen sind also für mich heute gegeben:

Ein tierarmer Nationalpark (Mudumu) voller Matschepampe zum durchrösten. Tierarm ist zum einen relativ (in Deutschland würde man sich über so viele Wildtiere kaum wieder einkriegen) und zum zweiten aber haben wir auch bereits wirklich viel gesehen. Zum dritten ist die Landschaft entlang des Kwando echt sensationell.

Wir fahren also den ganzen Tag kreuz und quer durch die Matschepampe, halten immer wieder an, um die herrlichen Flussauen (nicht: Flusssauen!) zu bestaunen und sehen trotz der momentanen „Tierarmut“ doch auch mancherlei Erwähnenswertes. Eine riesige Gruppe Baboons zum Bespiel – wir beobachten eine ganze Weile und kommen uns vor wie zu Hause. (Szene nachgesprochen aber mit Fotos belegt):

Kind: Mir ist langweilig

Mutter: geh mir vom Pelz ich halte Siesta bevor der Alte wieder kommt und an mir rumfummelt

Kind: mir ist trotzdem langweilig!

Mutter: H A U A B !!!!!

 

– kurze Pause –

 

Kind: mir juckt irgendwas

Mutter: wo?

Kind: hinten links auf der 6

Mutter: komm bitte her!

Kind: mir ist langweilig!

Mutter: KOMM SOFORT HER DU…..!

Kind: (kommt)

Mutter: Du hast schon wieder Läuse und das sind schon wieder die von Onkel Ali – Du solltest Dich von ihm fernhalten!!!!!

Kind: haut ab…..

Solche beredten Kurzszenen spielen sich in der ungefähr vierzigköpfigen Gruppe unentwegt ab – sehr lustig!

Den Sundowner genehmigen wir uns am „Hippo-Pool“ das ist eine idyllische nicht zu kleine Wasserfläche in der wahrscheinlich Hippos wohnen (könnten) – sieh heißt nun aber mal so und schön ist es hier so ganz allein zum Sonnenuntergang auch ohne aufgerissene Mäuler dieser großen Pflanzenfresser.

Wir bleiben allerdings nicht lange allein. Es nähert sich Motorgeräusch: ein Safariauto mit zwei weißen Toutisten und dem einheimischen Fahrer. Das übrige Procedere: Heckklappe auf, Tischchen raus, Tischdeckchen drauf, Trockenfleich, Bier und Cola, prost.

Die Neuankömmlinge sind noch ganz aufgeregt. Bereits von der Ferne rufen sie uns in tiefstem „hessisch“ zu: schprescht Ihr Deutschsch? Dabei entwickeln sie so eine übertriebene Grimassensprache wie der Hessische Comedian „Maddin“ – falls den jemand kennt. Ich antworte erst mal zurückhaltend, dass wir schon der deutschen Sprache mächtig sind, es bei ihnen aber mehr nach Hessisch klingt. Sie ignorieren meine Antwort und rufen: W I R H A B E N Ä T S C H I I I T A A H G E S E H E N….. I N R I S C H T I S C H. Wir beglückwünschen sie und widmen uns wieder dem Sonnenuntergang. Trotzdem sehr schön.

Auf der Heimfahrt sehen wir auf der Fernverkehrsstraße den normalen Dorftrott: Kinder und Frauen pilgern zu Wasserpumpen und holen das Wasser für die gesamte Familie aus bis zu 5km Entfernung. Eine Frau trägt dabei so um die 30 l Wasserkanister (auf dem Kopf) und die Kinder je nach Alter etwas weniger …. aber eigentlich ziemliche Mengen. Da kommt man sich ziemlich bescheuert vor mit dem Wasserhahn in der Lodge. Vollkommen unverdienter Luxus, den wir hier geniesen.

Nach dem Abendbrot finden wir sogar den umgekippten Einkaufswagen am Himmel – er hängt wirklich tief am Horizont. Dazu Sternschnuppenweggucken. ich bin bei so etwas eigentlich immer der Plebs, weil ich so etwas nicht sehe: weder Sternschnuppen, noch Pilze, noch Dreckflecke ….. das ist bei mir irgendwas genetisches, wofür ich nix kann.

Heute ändere ich die Taktik und beobachte meine Mitreisenden. Wenn sie alle gemeinsam in eine Richtung schauen rufe ich: „Sternschnuppe“ und zeige in die Richtung, in die sie nicht geschaut haben. Da sie mich alle lange genug kennen, klappt das leider nur ungenügend und ich werde wieder mal gemobbt.

Gute Nacht!

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxwylY7X98H8JGLhw

 

1115 Asphalt

Wir verlassen Kasane nach dem Frühstück. Da ich mich generell, um die Spannung zu wahren mit den Einzelheiten der Strecke nicht auseinandersetze, sondern nur meine Programmierfähigkeiten auf dem Navi zur Verfügung stelle merke ich erst unterwegs, dass heute ungefähr 300km Asphalt anstehen. Erst durch den Nationalpark bei Kasane. Dann über Ngoma gate und Ngoma Bridge zurück nach Namibia. Dann nach Norden (Katima) und dann mit dem einem freiwillig gewählten Umweg über eine lange Südkurve, die die Süddelle des Caprivi-Streifens ausfährt in die Kwando Region. Ich war dem Irrtum erlegen, dass wir den Umweg fahren, weil wir keinen Asphalt wollen. Alle außer mir wissen aber scheinbar, dass auch die Umleitung Asphalt ist.

Relativ neu gebaut. Sichtlich wohlhabende Dörfer links und rechts der Straße. Unmengen von Kindern, die gerade aus der Schule kommen. Andere haben scheinbar bereits lang frei oder sind gar nicht gegangen. Wir sehen nackte halbwüchsige Afrikanerlein mit Ihren ebenfalls halbwüchsigen Altersgenossinnen (die sind allerdings alle mit Slip bekleidet) in einer Art Matsch-Swimmingpool übermütig herumspringen. Als sie sehen, dass wir fotografieren, rasten sie aus und vollführen eine übermütige Show.

Bärbel und Achim wollen eher langsamer – ich will eigentlich eher schneller wieder in‘s Nirgendwo. Aber die Menschen sind halt verschieden – ich bin möglicherweise noch „verschiedener“ und stoße halt manchmal mit meinen verschrobenen Ansichten bei meinen Mitreisenden auf Unverständnis. Dazu sei allerdings angemerkt, dass wir ansonsten eher beängstigend harmonisch durch die Lande driften. Dass es bei einer so langen gemeinsamen Reise auch mal unterschiedliche Auffassungen gib, beunruhigt mich nicht

Anyway – gegen 15:00 Uhr landen wir in dem Camp – sehr idyllisch am River Kwando gelegen.

Die Quartiere heissen Baumzelte, sind aber eher am Ufer des Kwando geständerte Bungalows.

Der Kwando – kurze Auffrischung – kommt als einer der großen Flüsse aus dem angolanischen Hochland, mündet dann in den Linyati, von dort in den Chobe, dann in den Sambesi und folglich letztlich im Indischen Ozean. Hier hat der Kwando noch „Spree-Größe“.

Wir buchen für 16:30 Uhr eine Bootsfahrt. Diese trägt mehr buddhistischen Charakter. Wenig Aktion, schöne Landschaft. Gegen 18:30 Uhr zurück und dann zum Dinner.

Nach dem Dinner noch ein Absacker auf der herrlichen Terrasse. Es ist wieder afrikanische Klangkulisse. Ganz besonders schön der Grey Lorry, die einzige einheimische Papageienart, der so klingt, wie ein Brummteddybör, denn man auf den Rücken legt….allerdings, als ob er vorher Helium geschluckt hätte.

Ina sucht – wie immer abends – das Sternbild des „umgekippten Einkaufswagens“. (Gürtel des Orion)….im Moment kommt das Teil aber nicht hoch genug über den Horizont…

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxubMnAs8-7T6_-ng

 

1114 Chobe River

Der Chobe kommt vermutlich wie alles Wasser in Namibia und Botswana aus den Angolanischen Bergen. Das sind keine riesigen Gebirge – nur ungefähr 600 Höhenmeter sind es von den Bergen hinab in die südafrikanische Ebene, die aber eben auch schon um die 1300m hoch liegt. Aber da diese Ebene so glatt ist, dass Mecklenburg dagegen als Gebirgsland erscheint, fließt es halt da hin und verteilt sich dort, versickert und verdunstet. Manches Wasser schafft es sogar bis in den Ozean.

Chobe-River bei Kasane ist ungefähr so breit wie die Elbe bei Magdeburg. Nur bildet der Fluss wegen der geringen Höhenunterschiede auch hier mehrere Arme und fließt eher träge dahin.

Ideale Voraussetzungen für Hippos, Krokodile, Riesenschlangen aber auch natürlich für alles andere Getier. Es gibt zwischen den Flussarmen auch ausgedehnte Graslandschaften, die von fast allen Tieren gern benutzt werden, weil sie ihre Feinde weithin kommen sehen.

Wir haben beschlossen, selbst zu fahren – Guided Game Drives hatten wir in den letzten Tagen bereits reichlich und der Luxus, seine eigene Geschwindigkeit bestimmen zu können ist auch nicht schlecht.

Da Kasane eine Hochburg des Tourismus ist, gibt es hier VIIIIIEEEEEL mehr Safariveranstalter, die dann logischerweise früh sechs Uhr alle gleichzeitig in das Gelände am Fluss wollen, wo es für gewöhnlich am meisten zu sehen gibt.

Deshalb gibt es in dem flussnahen Teil des Reservates, der sehr nahe an Kasane liegt so eine Art Einbahnstraßensystem. Wir stehen um Fünf auf und fahren alle gemeinsam mit unseren beiden Autos los, um vor der Masse der Safariexkursionen im Park zu sein. Die Erwartungen sind hoch, weil man eben in das Gebiet auch gar nicht so einfach (und manchmal als einzelner Tourist gar nicht) hineinkommt. Wir werden aber etwas enttäuscht – die Flussauen sind zwar sehenswert aber gleichen vollständig den sechzig idyllischen Kilometern, die wir vorgestern vom Ngoma-Gate kommend auch am Fluss zurückgelegt haben. Wir begreifen: die Restriktionen sind nicht so hoch, weil es hier besonders schön ist, sondern weil hier so viele Touristen sind. Wir fahren die Standardrunde und sehen zwar einiges, aber nix Spektakuläres. Ohne Tiere erinnert das platte Land in Verbindung mit dem nun einsetzenden Landregen sehr an Mecklenburg. Deshalb fahren wir zum Frühstück zurück in die Lodge.

Apropos Regen: ich vergass zu erzählen …. am ersten Abend in Kasane ging hier ein tropischer Regen nieder, den man sicherlich in vielen Gegenden der Erde kennt…in Europa jedoch nicht: Schleusse auf…eine Stunde lang 100l/qm (gefühlt) und dann wieder prima Wetter. Bisher konnten wir nur Regenspritzer beobachten….das war aber schon beeindruckend….so beeindruckend, dass wir im Restaurant insgesamt fünfmal den Tisch gewechselt haben, um nicht nass zu werden. Das heute ist aber gewöhnlicher Schweriner Landregen, wie ich ihn in diesem Jahr vier Wochen lang beobachten durfte. (Übrigens auch mit Nil-Enten, die hier Ägyptische Gans heissen, obwohl es eindeutig Enten sind. Wenn auch sehr hässliche.

Was ich bislang nicht erwähnt hatte: unser Kühlschrank im Auto ist seit der Kalahari defekt – Müllers Kühlschrank auch. Das ist lästig, weil man dadurch kein Notessen dabei haben kann und unterwegs auch nur warmes Wasser trinkt. Soll ja gesund sein.

Da aber (auch seit der Kalahari) unser Fahrerfenster nur noch sporadisch zu schließen und zu öffnen ist und dies durchaus sicherheitsrelevant ist, habe ich die Autovermietung in Windhoek um Hilfe gebeten. Dieser erscheint heute überraschend in Form von Ben: ein 25-jähriger Automechaniker ohne elektrische Grundkenntnisse. Ich erkläre ihm die Problematik und er versucht recht planlos Abhilfe zu schaffen. Als nach zwei Stunden keine Lösung in Sicht ist und das Fenster nun gar nicht mehr geht machen wir uns gemeinsam an die Fehlersuche und recht schnell wird klar: das wird so nichts. Ich vereinbare mit der Autovermietung in Windhoek, dass die Autos in eine Werkstatt gebracht werden und dort repariert werden sollen. Abends sollen sie wieder zurück sein – was dann auch klappt.

Halb vier fahren wir mit einem Boot den Chobe River hoch. Vom Hotel wurden nur vergleichsweise große Boote angeboten, deshalb haben wir so lange herumgeningelt, bis wir nun – ohne Aufpreis – eine Privatfahrt mit einem ziemlich übermotorisierten Alugleiter bekommen haben. Der Guide ist sehr gut drauf, kann überraschend gut Boot fahren und zeigt uns eine Menge Getier und schöne Landschaft. Sehr schöne Aktion!

Anschließend geht es mit den Autos so lange hin und her, bis es zu spät zum Abendessen wird. Wir gehen deshalb in ein benachbartes Take-Away, wo es von Pizza über Burger und Asiatisch bis zum T-Bone-Steak quasi alles gibt. Wir bestellen – eigentlich gleich zum Essen vor Ort. Kurz darauf setzt eine Invasion von äußerst ekligen Flugtieren ein. Ungefähr so groß wie große Libellen. In der Form und Fortbewegung ähneln sie eher Eintagsfliegen. Abwehr sinnlos – zu viele.

Als wir beim Bezahlen merken, dass wir noch Pula brauchen gehe ich zum Automat um die Ecke um Geld zu holen. Dort sind Milliarden dieser Viecher im Licht unterwegs und kriechen mir unversehens in alle unbedeckten Körperöffnungen. Es gibt dort drei Automaten nebeneinander. Am Automat in der Mitte steht ein einheimischer Taxifahrer und will auch Geld holen. Wir liefern uns eine Art Break-Dance Battle und können nach kurzer Zeit vor lauter Lachen kaum noch die Pin eingeben.

Wir nehmen die Nahrung, die letztlich ganz ok ist und verziehen uns zum Verzehr an den Pool.

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxtmrDf0NZrGq02eg

 

1113 Victoria Falls

Heute geht es also zu einem der sieben Weltwunder – wenn ich nicht irre.

Doch zuvor müssen wir die Grenze zu Simbabwe überwinden.

Es sei hier mal ganz deutlich gesagt: wer sich wirklich und reinen Herzens ein Europa mit Grenzen und unterschiedlichen Währungen zurückwünscht, der möge einfach mal nach Afrika fahren und Grenzübertritte üben. Formulare, große, kleine – allesamt ausführlich und mit sinnlosen Fragen. Menschenschlangen an den Schaltern. Autoschlangen an den Schlagbäumen. Dazu allenthalben die Auswirkungen einer „wir zuerst – Politik“ der Lokalfürsten, die diese afrikanischen Länder in Abhängigkeit und Armut hält.

Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie es jemand gut und nützlich finden kann, solche Grenzen aufrecht zu erhalten.

Von dem Währungswirrwarr in dieser Gegend ganz zu schweigen. Botswana hat den Pula. Zimbabwe auch irgendwelche bunten Scheine, die nirgendwo auf der Welt erwünscht sind. Deshalb werden fast alle touristischen Leistungen in Dollar berechnet und kassiert. Namibia hat den sogenannten „Namibia-Dollar“, der aber zu 100% im Wert dem südafrikanischen Rand entspricht aber anders aussieht. Das hindert die beiden Währungen aber nicht daran, fröhlich gemischt aus den namibischen Geldautomaten zu fallen……Jedenfalls benötigt man irgendwie dauerhaft 10% der ohnehin mangelhaften Geistesleistung zum sortieren der Währungen….dann doch lieber EURO.

Der Grenzübertritt nach Simbabwe ist fast noch legendenumwobener als der von Namibia nach Botswana. Die Prozeduren und die Gebäude gleichen sich. Wir haben auch irgendwie Glück. Ein Fahrer bringt uns zur Grenze – dort wechseln wir zu Fuss das Auto (damit die Zollformalitäten nicht greifen) und schaffen es gerade noch, eine von einer Kampflesbe geführte größere Studiosus-Gruppe in der Schlange hinter uns zu lassen. Das Mädchen betont immer wieder, wir sollen uns keine Sorgen machen – von Drängeln würde sie gar nichts halten….. versucht dann aber, ihre Gruppe an dem zweiten Fenster zu platzieren….. ohne Erfolg. Schnaufend wie eine beim „dominant male“ abgeblitzte Elefantenkuh räumt die Kölnerin (schätzte ich mal) das Terrain.

Wir brechen sämtlich Rekorde beim Grenzübertritt und sind nach dreissig Minuten in dem Simbabwe-Auto unterwegs nach Victoria Falls City – vierzehntausend Einwohner. Alle leben vom Tourismus sehr gut – reichste Stadt Simbabwes. Sieht man auch deutlich.

Hinter der City sieht man eine große Rauchwolke …. die Gicht der Fälle. Hier stürzt sich der Sambesi als Grenzfluss zwischen Sambia, Simbabwe und Botswana auf rund 1,6 km Breite mit viel Getöse 108m in die Tiefe.

Man bezahlt dreissig Dollar Eintritt und kann dann (sehr gut OHNE Guide, die sich allenthalben anbieten) den Rundweg antreten. Das sind im Extremfall 5 km. Da wir bereits eine Weile auf die Bewegung zu Fuß verzichten mussten, nehmen wir das Angebot gern an und durchmessen das Gelände in der Richtung vollständig. Ist aber auch wirklich sehr beeindruckend, auch wenn der Sambesi jahreszeitlich bedingt Niedrigwasser führt und sich damit nur an den Mainfalls herunterstürzt. Der Rest bleibt im Moment trocken.

Ich habe bereits vorher gelesen, dass man oben auf dem Fall in einer ausgewaschenen Pfanne baden kann – direkt am Abgrund. Die Meinungen in unserer Kleinstgruppe über Schönheit und Sinnhaftigkeit der Badeaktion ist geteilt. Lediglich Ina würde „ganz sicher“ zum Baden dort hoch steigen. Wahrscheinlich würde ich auch mitkommen, wenn es an‘s Eingemachte geht…. jedoch wird heute die Zeit zu knapp.

Nach Eins sind wir aus dem Park wieder raus. Wir möchten noch auf die Brücke über den Sambesi….. von der Konstruktion her so eine Art Reverse-Blaues-Wunder. Die ist Grenzgebiet zwischen Simbabwe und Sambia. Wir fragen in Simbabwe …. man sagt uns wir sollen in‘s Office gehen – dort bekommen wir einen kleinen Wisch auf dem steht „(4) persons“. Damit dürfen wir in das Grenzgebiet.

Auf der Brücke stehen ungefähr dreissig Schwarze als gelbe Lemminge verkleidet….. das erklärt sich nur mit Foto. Ich frage die Kollegen, was die da machen: Malariaabwehr. Ich muss auch wirklich nicht alles verstehen.

Nach der Brückenaktion fliegen wir noch eine Viertelstunde mit einem Heli über die Fälle – das volle Touri-Programm. Very nice!

Übrigens: Bilder sind mit den vorhandenen Bandbreiten hier nicht hochzuladen – ich habe Urlaub und mag mich nicht stressen – spätestens zu Hause stelle ich die Fotos online….das melde ich dann noch mal separat.

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxtmrDf0NZrGq02eg

 

1112 nach Kasane

Wir haben beschlossen vor Acht loszufahren. Munter werden wir aber alle von einem ohrenbetäubendem Lärm gegen 04:30 Uhr. Das ist kein einfacher Elefantenkampf. Es knurrt, es faucht, es schreit, es drötet in den schlimmsten Tönen.

Als es hell wird, liegt ein toter ausgewachsener Elefantenbulle vor unserer Terrasse…davor die alte Löwin, die wir gestern in der Savanne sahen – von ihrer Gruppe zurückgelassen. Sie kaut genüsslich auf den Elefanteneiern herum. Sozusagen Frühstückseier. Es ist Sonntag.

Was genau geschehen ist, kann niemand sagen. Es ist absolut undenkbar, dass die alte Löwendame den Elefanten gemeuchelt hat. Der Elefantenbulle scheint auch eher auf dem Höhepunkt seiner Kraft gewesen zu sein. Die Guides rätseln auch. Wenn ein erwachsener Elefant hinfällt, steht er in aller Regel nicht mehr auf. Nur: er fällt eigentlich nicht hin.
Neben all diesen Fragen ist das Problem für die Lodge, wie sie den Elefanten von dem Wasserloch wegbekommen – in ein paar Stunden fängt der Kadaver an zu stinken und dann bekommen unsere Zimmer mindestens Mietminderung.
Doch das ist nicht mehr unser Problem. Wir frühstücken, verabschieden uns und machen uns auf den Weg nach Kasane.

Zuerst sind es ca. 70 km Sandweg, der manchmal halbwegs plattgefahren ist und dann 40 km/h hergibt. Manchmal aber hat er riesige Löcher und Schaukelstrecken, die uns bis auf 5 km/h abbremsen. Die Schaukeldellen sind tiefe Dellen mit dem Durchmesser eines Rades, die immer wechselweise (mal in der linken, mal in der rechten Spur) auftreten. Dadurch wird das Auto ziemlich aufgeschaukelt….. und durch das Schaukeln vertiefen sich die Dellen noch weiter.

Wir kommen gut durch, obwohl wir einigen wilgewordenen Südafrikanern begegnen, meistens zu erkennen am Toyota Prada und einer vollkommen unangemessenen Geschwindigkeit.

Nach 70 km kündigt sich die Zivilisation mit einem richtigen Orstschild (haben wir bislang in ganz Botswana keines gesehen) mitten im Busch an….. nach 750 m wechselt die Straße überraschend und übergangslos vom schlimmen Feldweg zur breit ausgebauten mit Leitplanken und Fußwegen (!) versehenen Asphaltstraße – kein Auto weit und breit aber wirklich allererste Sahne – da sind unsere „Aufbau-Ost-Fernstraßen“ Holperpisten dagegen. Plötzlich gibt es auch Dörfer – ganz andere als im Süden. Es herrscht ganz offensichtlich Wohlstand hier. Das sind keine Wellblechhütten, sondern gehobener afrikanischer Standard – manche würden sogar in Europa als „EFH“ durchgehen.

Ich vermute, der Tourismus trägt hier Früchte. Man merkt das auch an der Touristendichte, als wir später Kasane erreichen……wir waren jetzt doch eine ganze Weile im Busch und fremdeln etwas mit den vielen Menschen. Das kann ja was werden, wenn ich nach der Rückkehr mal wieder in die City muss.
Zuvor nehmen wir aber an Stelle der gut ausgebauten Ost-West Asphaltpiste, die uns direkt nach Kasane bringen würde (30 km) das Ngoma-Gate und fahren zum Chobe.River. Zuvor bekomme ich noch ein wenig Benimmunterricht. Das Ngoma-Gate gibt es zweimal . Die Asphaltstraße führt direkt durch das naturreservat und so muss man an der Straßenkontrolle etwas sinnloserweise stoppen, sagen dass man nach Kasane will und dann darf man ohne weiteres weiterfahren.
Da ich irgendwie mit Achim im Rückspiegel und dem Rechtsabbiegen (bei Linksverkehr = Höchststrafe) und dem darauffolgenden Hauptgate mit dem Abzweig zum Rivergate etwas überfordert bin, überfahre ich das malerisch aufgebaute Stoppschild um ca. 1,42 m.
Der Beamte weist mich zurecht und fordert mich auf, die 1,42m zurückzufahren, was ich auch tue. Ich entschulkdige mich und sage, dass ich das Stoppschild nicht gesehen habe, weil ich auf das Rivergate geachtet habe, wohin ich ja abbiegen wollte. Es folgt das Unglaubliche: der schwarze Hühne entschuldigt sich freundlich und bittet mich weiterzufahren – er erlebt wahrscheinlich jeden Tag viel Ärger mit ungeduldigen Transit-Touris, die seinen Kontrollpunkt ignorieren 🙂
Am River geht es sehr spektakulär offroad 30 km immer entlang des Chobe. Wir sehen eigentlich nicht wenig Tiere und auch das eine oder andere spektakuläre. Gemessen an dem für hier angekündigten Wildreichtum ist es aber auch wieder nicht zu reichlich.
Wir erreichen dann ziemlich müde die Lodge in Chobe, die doch eher Hotelcharakter hat aber da wir nun erst mal aus dem Busch wieder raus sind, ist das auch keine Überraschung. Kasane ist schließlich nicht groß hat aber immerhin einen internationalen Flughafen, vom dem man sogar nach Europa fliegen kann. Entsprechend kommen hier auch viele vorbei, die die einfachere Botswanaroute von Kasane nach Maun nehmen (großer östlicher Bogen) und dabei das Beste von Botswana, das Delta nicht richtig erleben können. Viele fliegen dann zwar von Maun in‘s Delta ….. aber das ist nicht das Gleiche wie richtig durchfahren. Das ist so ungefähr wie der Unterschied zwischen einem Stadtrundflug und einer Stadtrundfahrt.
Morgen geht es zu den Victoria Falls

 

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxf98Q2U84IHGxQPQ

 

1111 Schnapszahl

…die Überschrift hat nix zu bedeuten ….. außer dass wir wohl heute Abend mal einen trinken werden.
Heute stehen zwei Pirschfahrten auf dem Programm. Das wird wohl wieder eher was für die Fotos als zum Schreiben – habe das Soll von heute ja bereits gestern mit erfüllt 🙂
Die ganze Nacht hat es geregnet und es ist auf dem Weg zum Frühstück immer noch ein veritabler Landregen zu konstatieren ….und es ist auch beträchtlich kühler als wir es in den letzten Tagen gewohnt waren (in Hyena Pan 45 Grad). Ich gehe vor der Fahrt sogar zum Landrcruiser und hole meine Jacke, die ich bislang nicht benötigt habe. Die Wolken sehe heute eher wie November in Deutschland aus …. die Temperaturen mögen immer noch knapp über zwanzig Grad sein – may be.
Jeder, wirklich jeder vom Stuff begrüsste mich gegen 05:30 mit den Worten: „what a beautiful rain“ …. einem Mädchen vom Stuff versuche ich zu erklären, sie möge nicht traurig sein, solchen Regen hätten wir an manchen Tagen 12 Stunden lang und würden trotzdem nicht depressiv. Sie schaut mich mit verklärtem Blick an, als ob ich ihr gerade erzählt hätte, dass ich zwei S-Klassen, einen Pilotenschein nebst Cesna besitze, knapp vor den Vierzig mit mächtigem Sixpack und sagt langsam und gedehnt: oaaaaauuuuuuu
Ich komme mir vor wie ein Angeber, obwohl ich das wirklich nicht wollte.
Vormittags sehen wir unter anderem die National Geographics Löwengruppe wieder. Sie haben in der Nacht ein Hippo gefunden, welches bereits schlimm stinkt und haben sich daran sattgefressen. Der Chef liegt auf dem Rücken – alle Viere von sich gestreckt wie ein altersschwacher Kater und lässt sich die Klöden bräunen….. der Rest liegt ebenso erschöpft in der nun aufkommenden Sonne. Die Löwen fressen solches Aas „bis die Fliegen kommen“. Das geht schnell in der Hitze.
Ausserdem beobachten wir eine Impalaschule – die männlichen Antilopen werden von ihren Vätern im Nahkampf geschult. Bis April ist es nicht weit, dann müssen die ihr eigenes Revier verteidigen.
Derweil überall hochschwangere Antilopen …. „ready for delivery“, wie Coca sagt. Den Löwen stehen ein paar schöne Wochen bevor.
Auf der Nachmittagspirschfahrt machen wir auch noch eine Wanderung – nicht so weit, dass es den Namen verdient …. aber immerhin…. es gibt (angeblich) fünftausend Jahre alten Zeichnungen zu sehen.
Nach dem Dinner setzen wir uns mit Vorsatz an die Bar. Der Barkeeper hat eine Lidschwäche, die dazu führt, dass er immer den Kopf weit nach oben hält, um unter den Lidern hindurchzuschauen. Er antwortet auf eine Frage immmer mit ungefähr dem zehnfachen Wortschwall den es gemeinhin maximal benötigt hätte.
Am Ende ziehen wir mit dem Guide in Richtung Bungalow (allein gehen verboten) … weil heute 11.11. ist und wir zwei Whisky zu viel hatten mit einer Polonaise ….sehr peinlich das. Wir amüsieren uns aber prächtig. Das Personal gibt sich alle Mühe die Peinlichkeit zu überspielen und ist wahrscheinlich Schlimmeres gewöhnt.
SORRY AFRICA!

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxeSNoOO2QT6wdN0A

 

1110 Unvorhersehbar

Als wir die Reise planten, wollten wir eigentlich länger im Delta bleiben. Besonders ich wollte das, weil ich doch so gern auf dem Wasser unterwegs bin. Den Kampf habe ich gegen das Budget verloren, weil die Lodges im Delta schon echt heftig in‘s Kontor schlagen. Ich wurde damit vertröstet, dass ich ja mit dem Flieger mal über´s Delta fliegen könne. In den vergangenen Tagen habe ich immer wieder versucht, dafür eine Gelegenheit zu finden. Nun verlassen wir die Region und heute ist die letzte Gelegenheit.
Es hat geklappt: ein Helikopter kommt aus Maun und holt uns zu einem Flug in‘s Delta ab. Er soll 07:15 in neben einem Wasserloch in der Nähe der Lodge landen. Wir werden – obwohl nur wenige Schritte bis dahin – mit dem Auto hin gebracht Zu gefährlich, sagt man uns.

Gegen viertel Acht hören wir Rotorengeräusche. Der Pilot zieht lange Kreise um uns zu finden. Irgendwann findet er uns doch – inzwischen winken wir gemeinsam mit unserem Guide wie Schiffbrüchige in der Antarktis. Zu Inas Entsetzen baut der Pilot gemeinsam mit dem Guide die vier Türen ab und legt sie neben das Wasserloch….. sonst sieht man ja nix, sagt er grinsend.
Ina setzt sich bleich gemeinsam mit unserem Guide, der höflich gefragt hat, ob er den vierten Platz belegen darf auf die Rückbank. Das Alphamännchen darf gemeinsam mit dem Piloten vorn sitzen. Wir bekommen sehr gut funktionierende Headsets und ein kurzes Briefing. Er erklärt uns, dass er in Richtung Xakanaka fliegen möchte. Das ist dort im Delta, wo wir vor 3 Tagen geschlafen haben (direkt neben dem Okuti Camp).
Wir fliegen erst mal langsam (ca. 100km/h und 200m Höhe) über den Busch in Richtung Khwai. Er umkreist immer wieder Elefantenherden und Giraffen und ich wundere mich schon, wie er denn in einer Stunde bei diesem Getrödel bis zum Delta kommen will und wieder zurück. Am Khwai, der aus der Luft schon echt beeinduckend ist, sehen wir Unmengen verschiedener Herden aus der Luft, die uns interessiert beäugen. Büffel, eine riesige Hippo-Versammlung, Antilopen, Elefanten und eben ganz viel Landschaft.
Die Hälfte der zeit ist nun rum und ich halte dem Piloten zum zweiten Mal meine Ansprache, die er beim ersten Mal wohl entweder nicht verstanden hat oder nicht ernst genommen hat. Meinen eindringlichen Worten und Blicken („we are not really interested in animals, we have booked the flight to see the delta from above“) entnimmt er, dass ich es ernst meine und nimmt sofort mit überhöhter Geschwindigkeit Kurs auf das Delta. Die Kiste schafft im Zweifel 300 km/h …. sagt zumindest der Tacho. Im Delt gurken wir schön über dem Wasser herum, sehen noch mal die herrliche Okuti-Lodge aus der Luft und ich fotografiere die Gegend so oft, dass wohl morgen davon gar nichts mehr da ist …. zumindest wenn man bereit ist zu glauben, dass jedes Foto irgendwie auch ein wenig Wirklichkeit stiehlt.
Zurück geht es dann im gleichen Affenzahn (also mit fünffacher Elefantenhöchstgeschindigkeit) und wir landen mit ungefähr 10 Minuten Verspätung an der Hyena Pan. Müllers, die in der Zwischenzeit einen Morgenausflug mit Guide zu den „Sky Beds“ gemacht haben, warten bereits fertig gepackt und etwas ungeduldig. Die Sky Beds werden von der Lodge als Attraktion angeboten. Bereits das eigentlich Camp befindet sich ja wirklich fernab von dem, was wir so „zivilisierte Gegend“ nennen. Die nächste Straße, die wenigstens als breiter Feldweg durchgeht ist eine halbe Fahrstunde entfernt.
Die Sky Beds liegen 40 Fahrminuten in der anderen Richtung sozusagen „etwas abgeschiedener“
Es sind wohl drei Bauwerke, auf deren Dach man in einem Bett unter offenem Himmel schlafen kann. Man bekommt dort draußen einen Guide, der aufpasst, dass keine Schlangen ińs bett kriechen und der auch die Mahlzeiten mitbringt. ich habe noch keine Fotos gesehen und Bärbel kann das sicherlich später noch genauer erklären. Wenn ich die Fotos von Bärbel bekomme, stelle ich sie mit in den Blog.

Jedenfalls nun straight along to north – iń das „Unvorhersehbare“. Das bedeutet nämlich der Name der Gegend, die wir heute reisen. In Landessprache heißt das „Savute“. Der name kommt von dem gleichnamigen Wasserkanal, der aus vollkommen unerfindlichen Gründen mal Wasser führt und mal auch wieder (viele Jahre lang) nicht. Die Zeiträume scheinen darauf hinzudeueten, dass es mit den tektonischen Verschiebungen der Afrikanischen Platten zusammenhängt. Man kann zumindest sagen, dass das Verschwinden oder wieder Auftauchen von Wasser irgendwie mit Erdbeben zusammenhängt.
Zuletzt war der Savutekanal von 2010 bis 2014 fast durchgängig mit Wasser geflutet, so dass man eine Brücke bauen musste. Seit 2014 ist die Brücke nutzlos.
Die Gegend gehört zum Chope Nationalpark – zum Chobe, einem Fluss, der bei Kasane in den Sambesi mündet später mehr.
Wir fahren einen weitgehend geraden Sandweg ca. Sechzig Kilometer durch die Savanne. Immer wieder mal unterbrochen von Elefantenherde oder (sehr lustig!) einem Straußenpärchen, welches stolz seine vier Küken präsentiert. Diese sind ungefähr ein Vierteljahr alt und haben die Größe einer Weihnachtsgans mit langen Beinen. Allerdings trippeln sie mehr, als dass sie laufen.
Hier ist von Wasser nicht viel zu merken – trockene Savanne. Es ist leicht trübes Wetter und manchmal spritzt sogar Regen auf die Autoscheibe. Ina fährt ich schaue mir die Gegend an. Den Versuch, die Regentropfen zu fotografieren, vereitelt sie ohne böse Absicht mit dem Scheibenwischer.
An dieser Stelle mal ein Hohelied auf Toyota: Toyota beherrscht den Automarkt im südlichen Afrika fast vollkommen. Autovermietungen haben fast ausschließlich den Hilux-Pickup mit 2,4 oder 3l Diesel – meistens als Automatik mit Geländeuntersetzung. Sehr robuste Teile. Vor vier Jahren hatten wir auch so einen. Die Lodges und Safarianbieter setzen allerdings weitgehend auf den Landcruiser. Das ist ein 4,2l Handschalter, der noch mit Hammer und Meisel zu reparieren ist und ziemlich unverwüstlich ist – wir sahen welche, die angeblich 1 Mio Kilometer im Busch zurückgelegt haben (Baujahr 1984) Der Landcruiser wird all die Jahre fast unverändert gebaut – seit 2012 gibt es ABS und Airbags – das ist die einzige Weiterentwicklung.
Ein herrliches Gefährt, welches unbeeindruckt mit 900 rpm im vierten Gang mit 25 km/h durch den Sand nuddelt. Wenn es mal schwieriger wird, nimmt man die Geländeuntersetzung rein und erhöht geringfügig die Drehzahl und – JUHU – der knurrt nur kurz und wühlt sich durch alles durch, was im Wege stehen könnte – ein Gefühl wie Panzer mit Lenkrad. Allerdings sehr feinfühlig und leicht zu steuern. Sehr geil!
Wir erreichen die Savute-Lodge gegen 14:00 Uhr – beziehen die Hütten, machen uns kurz frisch und fahren dann mit unserem Guide, der den Namen „Coca“ auf dem Namensschild trägt auf Erkundungstour. Coca kommt aus dem gleichen Dorf wie unser Guide aus dem Okuti-Camp. Schulfreunde 🙂 . Er sagt, dass Coca schon ein Teil seines richtigen Namens ist, der gesamte Name aber zu lang für das Schild und auch schwer zu merken ist. So ähnlich wie „Jörg Peter Alfred Gerhard Bernhardt“ sage ich – er grinst und bietet mir an, ich können ihn auch „Zero“ oder „Light“ nennen.
Die Kollegen hier haben einen feinen Humor.
Der Ausflug ist interessant und lehrreich. Coca kann gut erklären und man versteht ihn auch sehr gut. Irgendwann sagt er uns, man habe einen Leoparden gesichtet und fragt, ob wir da hin wollen. Wir sagen erst mal ahnungslos „ja“. Safaricarauflauf! – die haben natürlich alle dieselbe Funkfrequenz und fahren alle zur selben Stelle, wenn es etwas zu sehen gibt. 10 Autos drängeln sich um eine kleine Stelle, an der wohl ein Leopard zu sehen wäre, wenn denn nicht so viele Autos da wären – wir bitten Coca, uns schnell wegzubringen. Das arme Tier!
Wir fahren dann hinter einem Zebragestreiften Jeep her, der wohl Journalisten von National Geographic gehört. Die machen hier seit zwei Jahren eine Dokumentation über eine Löwengruppe hier im park, die gelernt hat, Elefanten zu jagen. Dieser Löwengruppe scheuen wir gemeinsam mit den Journalisten zu. Die Löwen sind gerade in alberner Laune und tollen herum – vollkommen unbeeindruckt von unserer Anwesenheit. Die Dokumentation von National Geographic soll wohl leicht im Internet zu finden sein – Memo: mal googeln: „Löwengruppe Chobe National Geographic“
Vor der Terrasse unserer Hütten (die in diesem Fall mal wieder deutlich über meinen Erwartungen liegen) ist ein riesiges Wasserloch mit ca. 80 Abendelefanten. Wie immer, wenn zu viele Lebewesen um begrenzte Ressourcen streiten, wird es hier laut. Eine beleidigte Mama brüllt einen Halbwüchsigen an, der ihr Kleines am Loch geschubst hat….. was gar nicht stimmt – der Bengel hat selbst gestänkert. Zwei Bullen geraten in Streit um eine sehr schöne Kuh mit extrem langen Wimpern. Währenddessen tritt ein alter Trampel aus Versehen auf den Rüssel seiner jungen Nachbarin und wird daraufhin von deren Mann gemassregelt. Das alles in Tönen, die an echten Schlachtenlärm erinnern – Brüllen, Knurren, Fauchen …… fast so, als gäbe es hier eine Elefantenpegida mit einer Gegendemo der Elefantifa……es erinnert auch verdächtig an das Autogedrängel bei dem (mutmaßlichen!) Leoparden
Wir haben schon große Sorgen, dass das Gelärme uns die Nachtruhe verhagelt. Gegen halb Elf wird es aber ruhig.

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxdMys53XAq7lBMJQ

 

1109 Khwai River

Die Tage in den Safari Lodges gleiches sich von Ablauf her weitgehend:

Wecken 05:30

Frühstück 06:00

Morning drive: 06;30 – 11:00 

Lunch: 12:00

Siesta: bis 15:00, dann Coffeetime

Afternoon drive: 15:30 bis 19:00

Dinner 20:00 Uhr und dann müde

Das ist keineswegs eintönig. Die Ausflüge unterscheiden sich je nach Tageszeit und Gebiet teilweise dramatisch. Der Zweck besteht auch nicht darin „Tiere zu sehen“, sondern darin, diese zu beobachten. Es ist etwas anderes, ob man im Zoo einen Löwen gelangweilt herumliegen sieht (was er auch hier tagsüber mit Vorliebe tut), oder ob man ein Rudel im Sonnenuntergang vorbeiziehen sieht, die kleinen achtmonatigen Welpen balgen sich miteinander oder mit der Mutter. Oder man beobachtet, wie ein Kudumännchen seinem Sohn Unterricht im Nahkampf gibt…. solche Sachen eben.
Es ist gerade Siesta. Wir waren heute früh mit dem Nuschel-Daniel am Khwai – sehr sehr idyllisch. Sehr viele Tiere. Große Elefantenherden, noch einmal seltene Wildhunde (viel seltener als Löwen oder Leoparden z.B.), die dieses Mal sogar munter sind. Hippos, die mal nicht zur Gänze im Wasser liegen sondern auf der Wiese laufen, was am Tag sehr selten ist, weil die Hippos sehr empfindlich gegen Sonne sind
Nachmittag: Pula Pula. Zunächst einmal heißt Pula in der Landessprache: Regen. Der Stellenwert wird klar, wenn man merkt, dass Menschen, die sich wie bei uns „viel Glück“ wünschen zueinander „Pula Pula“ sagen. Und das nicht etwa nur als Touristenattraktion sondern auch unbeobachtet von uns …. im normalen Leben sozusagen. Ein Redner auf einer Konferenz schließt seinen Vortrag mit „Pula Pula“ …… genau so halten diese Worte als Trinkspruch her. Wenig überraschend ist die Währung des Landes: Der Pula (steht im Moment ungefähr 10:1 zum Dollar).
Wir erleben nun auf der nachmittäglichen Pirschfahrt, wie das hier mit Regen gemeint ist. Ringsum sind allerdüsterste Wolken aufgezogen. Der Donner grollt. Blitze zucken. In allen Richtungen sieht man dichte Wasservorhänge zu Boden fallen. Nur dort wo wir sind …. immer genau dort nieselt es höchstens ein wenig.
In geringer Entfernung toben mehrere wilde Gewitter – der Bush steht von den Blitzen in Flammen – bei uns nix. Der Guide ist trotzdem aus dem Häuschen und hört nicht auf zu sagen, was das für ein herrliches Wetter ist und wie schön die Luft heute ist (was allerdings stimmt) und wie schön es ist, wenn das regnet. Das Wohlergehen der menschen hängt hier noch offensichtlicher als bei uns vom Wasser ab. Bei uns erliegt man schnell dem kollektiven Trugschluss, dass das Wasser aus dem Hahn kommt….kommt es hier in the middle of nowhere übrigens – wenn auch als salziges fossiles Wasser auch. In welch hohem Maß aber alles – wirklich alles – davon abhängt, ob wir genügend Wasser haben, dass kann man hier geradezu körperlich spüren. Pula Pula.
Wir haben noch mal einen herrlichen Tag in den Flußauen des Khwai. Unter anderem lernen wir, dass es Tiere gibt, die bestimmte giftige Blätter fressen, dann gtiftige Kacke ins Wasser absondern. Die Fische die dann zu Hauf vonm der giftige Kacke verenden, werden dann von den Viechern gefressen……. fies! Ausserdem sehen wir wieder ganz viel Getier. Dann erleben wir noch einen traumhaften Sonnenuntergang an einem Wasserloch, in dem ein Hippo den ganzen Tag gefaulenzt hat und sich nun dem Sonnenuntergang entgegentrollt ….. was für ein Kitsch. Herrlich!
Wir fahren deshalb etwas zu spät los …. nach in paar Kilometern hält der Guide an: something is wrong – ich folge seinem Blick: die Temperaturanzeige des Uralt-Landrovers klebt rechts in der roten Ecke …. au fein und es wird schon dunkel.
Der Guide kippt – wenig überzeugend – den Rest des Trinkwassers über die Motorhaube, was den erwarteten Erfolg bringt (also nichts). Dann versucht er hauszubekommen, wo man bei dem alten Ding Wasser einfüllt – ist aber scheinbar voll. Sagt er zumindest.
Wir fahren dann mit der nadel im roten Bereich so schnell es geht nach Hause. Wir haben Glück und die Karre hält noch die halbe Stunde durch. Beim Abendbrot meint der Guide, das sei wahrscheinlich die Kupplung gewesen. Ich bin zwar mehr der Elektriker, halte aber eine Kupplung als Ursache für überhöhte Kühlwassertemperatur für ziemlich abwegig. Is ja aber auch Wurscht.

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxbwL-Lfe9lKlQq5w

1108 Hyana Tented Camp (Khwai)

Der Khwai River (nicht zu verwechseln mit dem berühmten gleichnamigen Fluss nebst Brücke in Thailand) ist der nordöstlichste Seitenarme des Okovango Deltas und eigentlich damit kein eigenständiger Fluss. Die Bezeichnung Fluss führt auch etwas weit ….. so gesehen sind die Briesnitz und die Weisseritz auch Flüsse….. die meiste Zeit des Jahres quält sich das Wasser auf ungefähr 2m Breite und 1m Tiefe durch eine umwerfend paradiesische Auenlandschaft. Alles grün, alles platt …. ohne Elefanten könnte es bei flüchtiger Betrachtung als Nordbrandenburg durchgehen.
Dorthin wollen wir heute. Wir fahren nach der Bootstour, die mit einer Hippoblockade endet vom Okuti-Camp mit unseren beiden Autos los. Dieses Mal aus dem Gate raus gleich links …. dort geht es zum Campingplatz. Ich bin inzwischen ganz froh, dass wir uns gegen Dachzelte und Camping entschieden haben. Dieser Zeltplatz ist z.B. zwar wirklich idyllisch am Wasser aber wenn man Nachts auf´s Klo will, muss man den Kilometer bis zu dem Gebäude mit dem Auto fahren (Laufen ist wegen Wildtieren verboten und viel zu gefährlich)…. also alle wecken, Leiter hoch …. losfahren, aufs Klo und wieder zurück …. nichts für alte Menschen mit Gebrauchtblase.
Am Camping vorbei erwartet uns erst mal eine Herde grimmiger Büffel, die uns nicht wohlgesonnen scheinen. Nach gründlicher Inspektion lassen sie uns durch.
Bis zum Northgate sind es runde 25km durch unwegsames Gelände ….. wir benötigen weit über eine Stunde dafür. Am Northgate wieder das inzwischen bekannte Procedere – ein eigentlich schlau wirkender Schwarzer liest mit dem Finger quälend langsam jedes Wort auf dem papier um anschliesend festzustellen, dass wir seiner Meinung nach die parkgebühren noch nicht bezahlt haben. Es dauert fast fünf Minuten bis wir ihm den Unterschied zwischen excluded und included erklärt haben. Ich denke ja, der ist gar nicht doof, sondern will nur einfach versuchen, noch etwas Geld zu erpressen. Da spielen wir aber nicht mit 🙂
Danach kommt Khwai (Ort und Fluss) der Ort ist genau so klein und unscheinbar wie der Fluss. Dann geht es erst mal vergleichsweise flott auf einer Art Strasse ca. 25km gen Norden bis unser Navi „abbiegen nach links“ befiehlt. Die navis haben wir aus Deutschland mitgebracht. Es sind Garmins mit einer zusätzliche SD-Karte „tracks4africa“, die in einem Schweizer Verlag vertrieben ist und geradezu beängstigend genau JEDEN Track in Africa. Mit kompletten Autorouting als ob es vom Wasaplatz zur Postplatz wäre…… es würde mich nicht wundern wenn auch noch Staus wegen Gnus und Büffeln verarbeitet würden.
Das Hyana Tented Camp, welches heute unser Ziel ist, gibt es auf keiner Karte. Es gibt keinerlei Anfahrtbeschreibung und auch an der Strasse keinerlei Anzeichen, in welchen der vielen Sandwege man einbiegen soll.
Unser Navi kennt aber das Camp und leitet uns mit seinem befremdlichen Englisch („abbiegen auf vier wede er de“ damit liest es ganz genau auf deutsch vor, was im Display steht: „4WD RD“).
Heute ist es das erste mal, dass die Stimme im Navi etwas unsicher klingt … oder täusche ich mich? Täusche mich nicht! Nach fünfundvierzig Minuten „vier wede er de“, die zum Teil recht urige Sandpiste sind, ist sie am Ende ihrer Fähigkeiten angekommen und beschließt: „bitte verlassen Sie die Strasse JETZT“ …. da sind aber nur engstehende Bäume. Sie zeigt mit ihrem Strich unbestimmt nach links. Dort vermutet sie die Lodge in ca. 1km
Wir fahren weiter und finden tatsächlich nach einem weiteren Kilometer einen Weg nach links und kommen wiedermal wenig zielführend dírekt bei den Stuff-Unterkünften an, wo Besuchern nichts verloren haben.
Man zeigt uns den richtigen Weg und erklärt uns auch gleich, dass es der Weg den wir gekommen sind „vollkommene Wahnsinn ist“. Sie deuten auf einen halbwegs passierbaren anderen Weg, der wohl ziemlich direkt (25 min) auf die „Strasse“ führt ….. den kennt unser Navi noch nicht….aber bei der Abreise werden wir es also einfacher haben.
Auch hier war wohl schon länger niemand mit dem Auto zu Besuch. Im Normalfall landet man eine Stunde entfernt auf einem Feld und wird dann dort abgeholt.

Das Camp entspricht etwas genauer dem Bild, welches ich von „tented Camps“ habe – eher einfach Armeezelte mit einem Bett und einer Dusche…. auf ein Holzpodest gesetzt, damit die Viecher nicht reinkriechen. Alles einfach und ordentlich ….. ich vermute mal fünf solche Zelte.
Müllers und wir haben je eines. Zwei andere sind „von Amerikanern belegt“ sagt die Cheffin. Fast …. die beiden Pärchen kommen aus London und sprechen alle wir Tom & Peggy bei Diane Loeser – wer in der DDR geboren ist, kennt sicherlich noch diesen Fernsehkurs in englischer Sprache – very funny
Der Lunchbereich ist mit Tischen und Sofas unter Strohdächern drappiert. Davor ist eine sehr große „Pan“ – so nennen die hier die Wasserlöcher. Alles voller Elefanten, die fröhlich planschen
Wir unternehmen noch einen „Afternoondrive“ mit unserem Guide (Daniel – ein Bushman oder San, wie sie sich selbst nennen) Er will wahrscheinlich cool sein und nuschelt seine englischen Erklärungen für uns vollkommen unverständlich – zudem ohne Punkt und Komma, so dass wir das wenige, was wir verstehen mangels Sprechpausen nicht für Müllers übersetzen können.
Abends Dinner gemeinsam mit dem Staff und den Engländern, was sich als recht unterhaltsam erweist

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxa2tW-2qP2FiK-PA

 

 

1107 Afrikanischer Trott

Es ist der Abend des siebten Tages – ich kenne den Effekt schon vom letzten Mal. Irgendwie macht Afrika gelassen und auch ein wenig langsam. Das mischt sich auf das schönste mit der ohnehin altersbedingt zunehmenden Abnahme an Geschwindigkeit. Also gibt es inzwischen deutlich wichtigeres als ein Tagebuch….. aber nicht mit mir!
Jedenfalls habe ich mich nun (22:00 Uhr) mit Mühe aus dem Sessel am Lagerfeuer ohne jede Eleganz hochgehievt, mir noch ein „Diary-Beer“ aus dem Kühlkschrank geschnappt (um ehrlich zu sein: zwei …. aber jedes ist nur 0,25…..höchstens 0,33 …. das schaffen wir) und mich nun unter Inas Genörgel, dass ich doch Urlaub habe usw. usf. auf unsere sensationelle Zimmerterrasse verzogen, um den Tag aufzuschreiben. Im Wasser vor der Terrasse glimmen kleine Lichtpunkte …. wie ich inzwischen weiß sind das Fireflys, bei denen die Männchen vor der Sexualattacke ein Licht einschalten …. ich habe gerade die Stirnlampe angeschaltet …. aber nur um die Tastatur zu sehen.
Die Klangkulisse ist afrikanisch umwerfend – Grillen die sogar ich höre, dazu irgendein Tier (oder eine Gruppe von Tieren) die täuschend ähnlich das Geräusch eines Bambus-Windspiels imitieren können.
Wir wurden heute früh 05:30 geweckt. Es klopfte an der Tür und ich wollte nicht „im Schlüpper“ aufmachen – im Schrank hängen Bademäntel. Diese habe ich aber gestern nicht probiert – beide Größe XS – ich zwänge mich in einen rein und öffne – letztlich nun doch nur im „Schlüpper“ …. der Bademantel bedeckt nur die Schultern und den Rücken – beides Körperteile, die die zierliche Afrikanerin, die vor der Tür steht nicht sehen kann. Sie betrachtet mich aufmerksam und überreicht mir ernst ein Tablett mit zwei Kaffeekannen und etwas Milch. Ich vermute, sie ist schlimme Anblicke gewohnt
Sechs Uhr gibt es ein kurzes Frühstück und halb Sieben geht es mit dem Landcruiser los. Bei den Safarifahrzeugen gibt es im gesamten südlichen Afrika (und ich glaube überhaupt überall in Afrika) nur genau einen Hersteller: Toyota – das Modell Landrcruiser mit 4,2 l Diesel bububububub ….. dem Trabi nicht unähnlich….. weil mit Hammer und Sichel zu reparieren – unkaputtbar
Wird seit Mitte der Siebziger (vielleicht sogar noch länger) unverändert gebaut. Seit 2012 gibt es ABS und Airbags, was die Fangemeinde doof findet. 

Die Safariteile haben hinter der Fahrerbank 2 bis 3 Reihen tribünenartig für die Gäste montiert und dazu ein Planendach gegen die Sonne. Im Normalfall finden also neun Touristen Platz. Unserer ist ein Landcruiser für Bevorzugte – nur zwei Sitzreihen. Müllers und wir sind die komplette Besatzung. Dazu unser Guide, der unfassbasr fit ist und gut erklären kann. Er hat einen Namen, der in seiner Muttersprache: „von Gott beschützter“ bedeutet – also soviel wie „Christian“ ….. klingt aber eher wie Oglivilianowibidilybrummm ….. deswegen nennen ihn seine Kollegen „Chochos“….. das ist mexikanisch und heisst ….. irgendwas.

Chochos hat gestern bereits die Bootstour mit uns gemacht und ist uns für die gesamte Zeit als Guide zugeteilt….sitzt auch bei uns zum Essen am Tisch – kann Gitarre spielen und hat echt Ahnung von Rhythmus – bei der abendlichen Aufführung hat der zu einem 7/8 Rhythmus, den die Mädels gestampft haben einen Steptanz mit Triolen vollführt ….. das kann ich noch nicht mal in Cubase programmieren.

Wir fahren am „Mount-Kudu“ vorbei (da hat irgendjemand ein Kudugeweih an einen der vielen Termitenhügel genagelt, vorbei an einem „Hotel Mamba“ (Termitenhügel in dem Mambas wohnen) sehen …. ach weiß ich – schaut Euch die Bilder an, sobald ich sie irgendwann durch das Internet bekomme…. jedenfalls ganz viele Tiere:

Hippos, Giraffen, Gnus, alle Sorten von Antilopen, Affen, alte Löwen, einen Leoparden (als wir den gesichtet haben, läuft dank Funk das ganze Delta zusammen, um den anzuschauen …. da fahren wir aber schon wieder weiter)….ganz viele putzige Vögel, Elefanten, Warzenschweine…..

Wir haben Chochos für den Vormittag die Aufgabe gestellt, einen Sekretärsvogel (das ist der, mit dessen Schnabel Fred Feuerstein immer schreibt) zu finden …. auch das gelingt.
Gegen Mittag sind wir zurück, machen bis gegen Vier Pause ….. in der Pause lege ich mich auf´s Bett begleitet von einem barbarisch heißen Luftstrom des Ventilators
Nachmittags noch mal ähnlich …. wir sehen zum zweiten Mal in unserem Leben einen Leoparden in freier Wildbahn (einen sehr jungen, der sichtlich weiß wie schön er ist) und 4 Giraffen, die in ca. 3…5m Entfernung um eine schlafende Löwin herumstehen und erfürchtig betrachen…. Todessehnsucht?
Wir haben Chochos für den Nachmittag die Aufgabe gestellt, eine Python aufzuspüren – das klappt nicht – er kaubelt uns eine Python gegen zwei Hyänen ab – fairer Tausch.
Morgen früh geht es halb Sieben noch mal zur Bootstour durch das Delta und dann weiter in‘s nächste Camp – we‘ll see.

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxZ5NiI8exTbK_f2g

1106 von Maun in das Okavango Delta

Der Okavango (fast genau so häufig wie der Thamalakane falsch gesprochen …. in diesem Fall gern mal Okovango) kommt aus den Bergen Angolas und ergießt sich über den Norden Botswanas. Weil hier alles plattes Land ist, läuft der auf einem Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern in die Breite und versickert dann in der Kalahari.

Wenig überraschend bringt das einen ungemein fruchtbaren Landstrich hervor. Damit gibt es dort natürlich auch sehr viele Tiere….. von manchen wie z.B. Elefanten sogar zu viele.

Dort wollen wir hin und nacheinander drei verschiedene Lodges ansteuern bis wir dann im Norden nach Kasane kommen (Victoria Falls)

Heute ist die erste Lodge (Okuti) unser Ziel. Die Lodge ist klein (maximal vierzehn Gäste) und liegt mitten im Delta. Deshalb gestaltet sich die Anfahrt mit dem Auto eher beschwerlich – aber das wussten und wollten wir ja. Als wir gegen Mittag ankommen werden wir von den Gästen und vom Personal bestaunt, als hätten wir die Eiger Nordwand bezwungen.

Es kommt wohl selten hier jemand mit dem eigenen Auto vorbei. Der normale Gast kommt hier mit der Cesna aus Maun oder so. Das Camp besteht aus sieben zeltartigen Bungalows und einem Hauptgebäude. Alles altehrwürdig (20 Jahre alt) aber extrem gut in Schuss.

Unser „Zelt“ hat eine herrliche Terrasse, die unauffällig mit einem Elektrozaun vor wilden Tieren geschützt ist. Zelt ist auch nur eine ungefähre Beschreibung: Das Wohnzelt mit Toilettenzelt hat ungefähr 20 qm, Das Schlafzimmer auch. Dazu eine Tgroße Terasse und

Den Nachmittag verbringen wir mit einer Bootsfahrt im Delta. Viele lustige Vögel und grimmige Hippos – vor allem aber eine umwerfende Landschaft. Ich hatte mir vorgestellt, dass das eine stehende stinkende Brühe ist. Aber das Wasser versickert und verdunstet in der Kalahari offensichtlich so schnell, dass hier eine wirklich starke Strömung herrscht.

Beim Sonnenuntergang können wir – wie jeden Abend – der Versuchung nicht widerstehen, die Stimmung im Foto einzufangen und knipsen den Stick voll. Ich kann inzwischen mit kitschigen Sonnenuntergangsbildern schwunghaften Handel treiben (will bloss keiner haben) …. aber wenn es doch so schön ist…..

Zum Abendbrot tritt die gesamte Crew in einen bemerkenswerten Sangeswettstreit ….. nicht so peinliche Folklore sondern richtig gut, polyrhythmisch und kompliziert ….. keine Ahnung wie die das hin bekommen

Morgen geht es zweimal auf Pirschfahrt … da gibt es dann wohl eher Bilder als Text, vermute ich mal…..

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWlioxYzs65-04lwX9bZA

1105 Thamakalane – endlich Wasser….

….. und Mücken

Wir verzichten auf den angebotenen Morningdrive, frühstücken lieber in Ruhe und brechen dann nach Maun auf. Der Fluss dort wird faktisch von jedem falsch ausgesprochen, der den Namen erstmals liest:

Tha – Ma -La – Ka – Ne

Thamakalane?…. NEIN Thamalakane …. das ist so als würde der Fluss in Dresden Eble heißen.

Wir fahren erst mal 25 km Zaunweg nach Osten und dann 70 km Zaunweg nach Norden – inzwischen sind wir das ja gewohnt und genießen fast ein wenig das buddhistische Mantra dieser Eintönigkeit.

Um am Montag weiter nach Norden fahren zu dürfen benötigen wir ein Permit, welches wir in Maun erwerben müssen – Es gibt widersprüchliche Aussagen von: „Sonntags geschlossen“ bis „Sonntags bis 12:45 offen“ – wir beschließen auf jeden Fall erst mal zu dem Büro zu fahren …. unsere Lodge ist 20 km nördlich von Maun und wir haben wenig Ambitionen am Montag noch mal zurückzufahren, nur um den Wisch auszufassen.

Wir programmieren im Navi die Police-Station Maun, die unmittelbar neben dem Permit Office sein soll – Ankunftszeit soll 12:01 sein. Die letzten 50 km vor Maun sind reinster Asphalt und wir geben Gummi (ohne die Reifen wieder aufzupumpen – das hätte zuviel Zeit gekostet) und erreichen das Büro um 12:02 Uhr. Das Tor wird gerade von einer rot-weiss Gestreiften (wieder mit dickem Hintern – und was der liebe Gott da hinten dran gebaut hat, hat er als Ausgleichsmasse auch vorn montiert) ….. sie ist gerade dabei mit ihrer Freundin (?) und 3 Kindern ihren Toyota Corola zu füllen und abzubrausen. Eine eindringliche Ansprache, verbunden mit großen Gesten und dem Wedeln von 20 Pula-Scheinen aber auch die grimmigen Mienen unserer Frauen, die sich so vor dem Corolla aufgebaut haben, dass ein Wegfahren eher schwierig wird …. all das zusammen bewegt meinen rot-weissen Augenschmaus zum Einlenken.

Sie schließt das Büro umständlich auf, schiebt alle Gitter wieder zur Seite – ich hätte gern fotografiert, traue mich aber nicht – dann folgt ein sehr genaues Studium unserer Papiere …. quasi wortweise. Es findet seinen guten Abschluss mit dem Überreichen der ersehnten Papiere.

Uff

Dann ab in die Lodge – diese liegt direkt malerisch am Thamaka …. Thamalakane-River …. ungefähr so breit wie die Spree im Spreewald. Auch das Mückenvorkommen ist nicht unähnlich. Nur dass die hier Malaria können. Mückenspray haben wir schon. …. nun muss ich heute abend bei der Hitze auch noch langes Zeug anziehen, sagt meine Frau.

Halb Sechs gehen wir mal mit einem kleinen Schiff Rhinos und Krokodile gucken ….. unsere Hütte steht so nahe am Wasser, dass ich mich nicht wundern würde, wenn so ein Tier in unserem kleinen Pool läge, der zu jedem Zimmer gehört.

Da lege ich mich mal jetzt lieber selbst rein

Die Lodge ist nujanuja o.k. …etwas touristisch aber gut gelegen, wenn man weiter in den Norden will….. die Bungalows sind entlang des Thamaka… River gelegen….. ein halbrunder Toiletten und Duschraum ist die Attraktion …. sechs Spiegel, damit man ja jede Speckfalte sieht …. ich bin da empfindlich !!

Die Bootsfahrt – als „Sunset Boats Tour“ angekündigt hält was sie verspricht: Sunset, but nothing else. Wir fahren gemeinsam mit weiteren 10 Einwohnern der Lodge mit einem unförmigen Motorkatamaran den schmalen mit Wasserrosen zugewachsenen Fluss entlang. Es soll Krokodile geben und Hippos und anderes gefährliches Getier. Es endet halt damit, dass der Guide uns erzählt, was alles wir hätten sehen können, wenn es denn dagewesen wäre. Keine Elefanten, die „normalerweise immer hier sind“ …. ebenso keine Hippos, keine Krokodile, kein nichts …. allerdings schöne Landschaft und interessante Vögel. Die interessantesten sind kleine „Jesusse“ …oder sagt man Jesui oder Jesen …. was weiss ich …. jedenfalls können die alle über‘s Wasser laufen und das ganz ohne „Glauben“ … sondern nur mit großen Füßen …. da können sich die Ideologen mal eine Scheibe abschneiden! ….

…. ganz am Ende geht sogar wie versprochen die Sonne unter!

Sensationell!

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliowSh5kOSwT-tieZUg

1104 Löwen, Löwen und Löwinnen….

…. und Löwen

Das Ganze beginnt wie bereits erwähnt mit lautem Löwengebrüll gegen 04:00 welches offensichtlich alle ausser mir gehört haben.

Ina hat wohl schnell mal alle Türen und Fenster kontrolliert sagt sie. Wenn ich bedenke, dass Löwen Raub-KATZEN sind und ich an Pias Garfield-Kater denke, der sogar den Kühlschrank alleine auf bekam …. und Türen sowieso, dann kann ich das schon verstehen.

Andererseits…. aber davon später.

Wir werden 05:00 Uhr geweckt und fahren kurz vor Sechs mit dem Safarijeep der Lodge in den Sonnenaufgang. Wir – das sind Müllers, der Lodge-Chef und einer seiner Angestellten vom Stamme der San (das sind die kleine drahtigen Schwarzen mit den entzückenden Klicklauten, die eigentlich irgendwann aus Zentralafrika in Richtung Süden gewandert sind und dann dort in der Savanne heimisch geworden sind).

Der San sitzt auf einem Ausguck auf der Stoßstange und zeigt immer bedeutsam auf Spuren im Sand. Die Mission lautet: wir wollen den Löwen finden, der diese Nacht gebrüllt hat. Es wird über weite Strecken zur skurrilsten Pirschfahrt, die ich je mitmachen durfte.

Immer wieder werden wir von Beiden lange (manchmal fast zehn Minuten) allein gelassen, damit sie gemeinsam die Spuren lesen können.

Das Ganze zieht sich lange hin – irgendwann biegt die Spur vom Feldweg ab und der Chef walzt mit dem Landcruiser mit ohrenbetäubendem Krachen die ganze Savanne platt. Ich habe davon ein Video gedreht, weil man es sonst wirklich nicht glauben möchte. Ausgewachsene 2m hohe Sträucher (meistens vertrocknet und dornig) …. einfach drüber.

Er erzählt, dass er Stahleinlagen in den Reifen hat – denen machen Dornen nichts aus. Man muss schon auch ganz schön aufpassen, dass man von den aufschwuppenden Büschen nicht die Dornen ins Gesicht bekommt.

Nach reichlich drei Studenten aufreibender Spurensuche finden wir eine Löwenfamilie:

Drei alte Weibchen mit einer ganzen Reihe halbwüchsigem und z.T. auch noch richtig kleinem (8 Monate) Nachwuchs. Der mähnige Gebieter der Herde ist nicht dabei. Löwenmännchen brauchen um die 6 Jahre bis Ihnen eine Mähne wächst. Dann spielen sie so ungefähr 4 Jahre den „Macker“ und werden dann meistens von einem jüngeren Löwen gemeuchelt oder zumindest weggejagt. Die Weiber hingegen werden bis zu 20 Jahre alt. Ungerechte Welt! Die ganze Gruppe ist dem Ranger bestens bekannt und sie kennen auch ihn ….. sie kennen ihn so gut, dass ein Weibchen (die mit den drei achtmonatigen) ihre Babies unbeschützt liegen lässt und ein wenig streuseln geht, während wir in ungefähr 5 m Entfernung stehen und zuschauen. Was sind die kleinen SÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜSSSSS. Och och och ….

Wir bleiben ganz lange dort, beobachten….. und erfahren sehr viel Interessantes über die Kalahari-Löwen:

Sie sind bis zu 50 kg schwerer als ihre Artgenossen im Okavango-Delta. Sie leben nur in kleinen Gruppen, …..weil sie so riesig sind und entsprechend viel fressen (ca. 50 kg pro erwachsenem Tier!) ….das führt dazu, dass ein Kudu (z.B.), der um die 250 kg wiegt eben nur eine kleine Löwengruppe ernähren kann. Anders die Löwen im Delta: kleiner, flinker und spezialisiert. Einige haben gelernt Elefanten oder Rhinos zu erlegen – dies Löwenherden sind dann auch mal dreissig Tiere stark.

Ich frage, was passiert, wenn ich aussteige und auf die Gruppe zugehe: …..sie werden ganz sicher fliehen sagt der Cheffe. Sie haben mindestens soviel Angst vor uns wie wir vor denen. Wenn der Löwe auf Dich zuspringt: stehnbleiben, Anschauen, Arme ausbreiten und laut brüllen …… hilft immer sagt er. Ich denke mir: diejenigen, bei denen das nicht geklappt hat, können uns das wahrscheinlich nicht erzählen.

Heute Abend fahren wir dann (ohne Löwenpirsch) einfach Tiere gucken

Die Lodge (Deception Valley) ist übrigens ungewöhnlich schön….verstreute Bungalows mit ganz viel Platz und Terrassenblick auf die Savanne mit den Tieren…alles sehr ordentlich und irgendwie „kolonial“….. goldene Wasserhähne, merkwürdig geschwungene Badewanne, Aussendusche ….gebrauchter Charme….ganz mein Geschmack

Die Abendtour ist auch sehr schön. Der Farmer kann sehr interessant erklären und ich frage ihm Löcher in den Bauch….

Die Melone, die wir vormittags in einem Dornenbusch geerntet haben (wir heisst: der San….ich wäre selbst mit Handschuhen zur Unkenntlichkeit zerkratzt worden…die Melone wurde nur deswegen nicht schon von Tieren gefressen, weil sie eben mitten in dem Busch wuchs)….also jedenfalls wir schlachten nun die Melone mit grossem Trara….leider bitter.

Wir begegnen einer Schildkröte, die wohl noch jung ist (handgross….“fully grown“ werden sie wohl so gross wie ein grosser Kürbis) ….der Cheffe schaut nach, ob es ein Männchen ist . Woran erkennt man das? Weibchen haben unten eine platte Bauchfläche….und die Männchen haben einen längs nach innen gewölbten Bauchpanzer….wozu? Freunde, ich bitte um Vorschläge. 🙂

Die Schildkröten werden übrigens gern von den San als Delikatesse auf den Rücken im Feuer gegrillt….Kröte als eigener Kochtopf…sehr praktisch

Der San zeigt uns auch noch, wie man mit vertrockneten Melonen kleine Vögel fängt….sehr lustig.

Wir sehen im Busch noch eine einsame traurige Löwin. Der Cheffe erzählt, dass sie im Kampf schwer verletzt wurde, als sie ein Jahr alt war und sie dachten, dass sie stirbt.

Nun ist sie vier Jahre alt und ganz langsam genesen….sie glauben, dass der Macker sie dieses Jahr schwängern wird….vielleicht wird sie dann fröhlicher….

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliottqJb4vJjrUCdYWA

1103 Kalahari? Immer geradeaus!

Der heutige Tag ist ein „Fahrtag“. Wir sind meistens zwei Tage am selben Ort, so dass wir nicht jeden Tag „Strecke“ machen müssen. Strecke ist sowieso relativ, weil wir zwischen den Lodges oft nur wenig mehr als 100 km Entfernung haben. Dass die jeweilige Fahrzeit dann doch eher ein ganzer Tag ist liegt daran, dass wir unterwegs natürlich oft halten, um Tiere zu beobachten oder einfach Landschaft zu gucken, aber auch daran, dass das oft SEHR unwegsames Gelände ist, wo mehr als 20 km/h eher selten zu erreichen sind.

Ganz anders heute: auf dem Programm stehen reichlich 400 km. Davon sollen 3/4 Asphaltstrasse sein. Die Gesamtfahrzeit wurde in der Planung mit „5…6 Stunden“ angegeben.

Asphalt stimmt erst mal …. und wenig überraschend geht es erst mal ostwärts IMMER GERADEAUS. Wir erreichen die Botswanische Grenze. Wir hörten bereits viel schauerliches von hier – Genzübertrittszeiten von 5…6h sollen keine Seltenheit sein. Nach dem, was wir dort gesehen haben, halte ich das nicht für übertrieben.

Es ist morgens gegen 09:00 Uhr. Die staubige Piste glitzert bereits jetzt in der Sonne, als würde der Showdown für Highnoon unmittelbar bevorstehen. Wir parken auf der verlassenen Fläche, was uns optimistisch stimmt und betreten das sagenumwobene Gebilde. Überall Schilder: wir bekämpfen die Korruption – Null Toleranz! – offenstehende Türen mit Schildern „unbedingt geschlossen halten“ und unbenutzbare Toiletten (Waschbecken und Urinal in Müllsäcke verpackt) mit einem Schild: Waschen, Duschen und Haarekämmen gesetzlich untersagt. Is‘n das hier?

Ganz viele Tresen mit ausschließlich wichtig aber gelangweilt dreinschauenden Frauen um die 40. Allesamt mit unfassbar grossen Hintern aber sonst nicht unfreundlich. Zuerst geht es um die Ausreise: dort müssen wir ellenlange Zettel ausfüllen, die wir auch schon mal bei der Einreise ausgefüllt hatten. Gefühlte 15 mal wird unsere Autonummer und die Passnummer, und das Land unserer Geburt (ich habe DDR eingetragen – hat aber keiner gemerkt). Das Land, in dem der Pass ausgestellt wurde (Saxony?), das Land, in dem ich normalerweise wohne und das Land in dem ich zukünftig zu leben gedenke – dazu solche Knobelaufgaben wie: wieviel Geld wollen Sie hier ausgeben. Das ist aber ein „Ausreiseformular“ ….. naja jedenfalls viele Aufgaben. Als wir nach 20 Minuten alle zur Zufriedenheit der Beamten gelöst haben (ohne Publikumsjoker) dürfen wir weiterfahren zur Einreise.

Dort im Wesentlichen das gleiche Bild, nur dass noch mehr Frauen hinter dem Tresen lungern und uns selbst auf das etwas überfröhlich vorgetragene „guuuuud moooorningngng!“ mit Nichtachtung strafen. Die hübscheste und netteste von allen erbarmt sich dann meiner und stellt mir ähnlich wie Prinzessin Torandot unlösbare Aufgaben:

Die erste besteht darin, doppelt so viele Fragen wie bei der Ausreise auf einem Zettel zu beantworten, der nur ungefähr ein Drittel so groß ist, wie der Namibische. Selbst wenn man die Fragen lesen und verstehen kann, bleibt das Problem, eine Kaligraphenfeder zu bekommen und GANZ GANZ klein zu schreiben. Nebenher versuchen Ina und ich Müllers zu dolmetschen, die höchstens so gut englisch wie die Beamten können – also gar nicht (scheint eine Grundvoraussetzung in Botswana zu sein, wenn man von Staats wegen mit Touristen arbeiten will).

Die Dame mustert mich und meinen beschmierten Zettel – nein sieht wirklich nicht gut aus – und überlegt wohl, ob Sie mir vor dem Köpfen eine Chance gibt. Sie erklärt mir, dass ich einen bestimmten pastellblauen Schriebs benötige, der >>>>> irgendwo da hinten zu beschaffen und zu bezahlen ist. Es ist wohl das „Permit“ zur Einfuhr des Autos um sicherzugehen, dass ich es auch wieder mitnehme …. oder so.

Ich stolpere also in die nächste Halle: nur ein Schalter – dick verglast und eine ganz klitzekleine Öffnung darin, die nur aufgeht, wenn man (so ähnlich wie an den Nachtschaltern von Tankstellen) den Übergabemechanismus auf die andere Seite schiebt. Da es also keinen Weg für den Schall gibt, hört man nur ganz leise etwas, wenn man das Ohr an den Schlitz des Mechanismus drückt. Das sieht zum einen recht dämlich aus und führt auch nicht gerade zum besseren Verstehen, weil man sich entscheiden muss, ob man hört oder das Gegenüber ansieht und von den Lippen liest.

Das mit dem Lippen lesen ist auch gar nicht so einfach – die Dame hinter der Festung ist sehr sehr dick und bequem. Die Geräusche, die sie produziert, wenn sie sich aus dem Stuhl hochwälzt um zum Schiebemechanismus zu gelangen sind gut und deutlich zu hören. Wenn sie aber ihre fleischige Gesichtsmasse in Bewegung setzt, kann man schlecht unterscheiden, ob sie redet oder nicht.

Wegen der Verständigungsschwierigkeiten werden mehrere Zettel ausgetauscht (also nicht mit Lösungshinweisen, sondern der Zettel den ich von Turandot mitbekam wird mir immer wieder zurückgeschoben, ohne dass ich erkennen kann, was ich denn tun soll).

Das geht auch nicht HIN-HER-HIN-HER ….. sondern Hin- ……………………..Her-Hin-……………………

Irgendwann wird klar: sie möchte, dass ich die Autonummer drauf schreibe (die sie aber schon lange weiss) und dass ich unsere Pässe durchschiebe. Ausserdem will sie wissen, ob ich in Pula oder Dollar bezahlen möchte. Die Entscheidungsfrage beantworte ich mit „Mastercard“ (was ich durch den Schlitz brülle und hoffe, dass ich mir an dem Metall keine Herpesinfektion hole) – sie nickt gnädig. Ich lasse meine N26 Kreditkarte durch den Mechanismus gleiten. Die Karte ist dummerweise (ein Werbegag der Bank) durchsichtig. Das bringt sie aus der Fassung. Nun wird die Karte erst mal im ganzen Büro herumgezeigt.

Als es ans Bezahlen geht, schiebt sie mir den Kartenleser mit Karte durch die Transfermechanik. Weil der Leser viel zu groß ist, legt sie das Ding ächzend unter die Mechanik (dort wo bei der Tankstelle die Bierbüchsen hin kommen). Ich entnehme sie, gebe die Pin ein und lege sie wieder in die Mulde – darauf beginnt auf der anderen Seite ein infernalisches Gebrüll.

Es dauert gut fünf Minuten, bis sich die Aufregung legt. Der Grund ist offensichtlich der, dass der Leser in der Mulde den Kontakt zum WLan verliert und damit die Transaktion abbricht (oder auch nicht). Ich wiederhole also das Ganze – nunmehr zur Zufriedenheit meiner schwarzen Dicken und werde mit so einer Art Lächeln verabschiedet.

Wir sind eine gute Stunde mit dem Grenzübertritt beschäftigt und sind VOLLKOMMEN allein – keine weiteren Ausreisewillige. Was hier los ist, wenn ein Bus kommt, kann man ahnen. Deshalb gibt ers auch auf beiden Seiten der Grenze so eine Art Notauffanglager…. wer es nämlich bis 16:00 Uhr nicht geschafft hat, bleibt hängen.

Übrigens haben diese Mistweiber mir die Gebühr tatsächlich zweimal abgebucht, wie ich heute feststelle …. aber ach – Entwicklungshilfe?

So ….. nun geht es straight ahead nach Osten immer gerade bis zum Kalahari North-South Highway …. und dann eben genau so geradaus nach Norden. Ina fährt ich döse …. ich soll dann die restlichen 120 km Gelände fahren.

Wenn Ihr Euch mal die Mühe macht, Euch das auf Google Earth anzuschauen, dann findet Ihr oberhalb der Zentralkalahari (Botswanas ältestes Naturreservat) einen relativ langen vollkommen gerade Strich. Das ist die nördliche Grenze des Reservates. Im Reservat gibt es nur Campingplätze ohne JEDEN Service (das meinen die auch GENAU SO und wollen damit nicht etwa andeuten, dass es da früh keinen Brötchenbringedienst gibt) also haben wir eine Lodge an der oberen nördlichen Grenze gebucht.

Auch das könnt Ihr in Google nachvollziehen: Deception Valley Lodge suchen.

Wir biegen also von der Asphaltstrasse auf eine Gravelroad, lassen die Luft vom Reifen und biegen nach kurzer Zeit rechts ab.

Ab dort geht es 130 km (!) schnurgerade an einem Zaun entlang – manchmal tief im Sand, manchmal auch festgefahrener Untergrund. Wir schaffen so um die 50 km/h Schnitt und kommen uns dabei bereits vor wie die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten.

Später in der Lodge erzählt mir der Beseitzer, der in Ghanzi geboren ist, dass er dort in aller Regel mit 90…100 Sachen langschrotet.

Angekommen sind wir aber noch lange nicht ….das nimmt einfach kein Ende und ist auch nicht ganz ungefährlich, weil der Zaun ganz häufig von Elefanten umgerannt wird und entsprechend immer ganze Zaunsfelder im Weg herumliegen – sobald ich Bilder hochladen kann (geht heute ganz sicher nicht) kann man das vielleicht besser verstehen – der Zaun steht wirklich nur einen halben Meter neben dem Sandweg. Jedes Mal wenn man mit etwas zu viel Geschwindigkeit von festem Untergrund auf einen Abschnitt mit tiefem Sand gerät, schlingern die Kisten beängstigend. Ich erhalte immer wieder belehrende Sicherheitsvorträge von Ina. Dank der Vorträge (so zumindest Inas Auslegung) kommen wir letztlich sicher ins Ziel.

Ganz tolle Lodge – kleine Villen abseits vom Haupthaus – wenn man abends hin oder zurück will, geht der Ranger mit. Warum lernen wir nachts, als wir von Löwengebrüll vor dem Fenster (direkt vor dem Fenster) erwachen. Also….eigentlich erwachen alle außer mir. Gesunder Schlaf halt.

Morgen geht es Löwen jagen!

….ach so …. ich stellen künftig den Beitragen eine Nummer voran (bei den alten werde ich das noch nachholen) diese Ziffer ist identisch mit der Ordnerbezeichnung für die Fotos unter diesem LINK https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliooLjVFpWP_SOAiS8Q

Aber Ihr braucht vor morgen nicht nachzuschauen – ich gebe Bescheid, wenn ich etwas hochladen konnte

PS.: soeben kam die Rückbuchung der zuviel einbehaltenen Permit-Gebühr – ich leiste Abbitte bei der schwarzen Dicken.

Bilder:  https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliotsCTQdafk3vMXzgw

 

1102 Der erste (richtige) Tag ….

Nun ist alles besser. Ausgeschlafen. Geduscht. Gefrühstückt. Blauer Himmel….

Die Terrasse, auf der wir frühstücken ist sensationell – wenn auch nicht ungewöhnlich für hiesige Verhältnisse. Ich bin aber in Dresden immer schon glücklich, dass ich vom Balkon die Elbe sehe….. hier kann man fast immer soweit sehen, dass einem schwindlig wird vor lauter Erdkrümmung.

Die Frühstücksunterhaltung besteht aus drei aufgedrehten Junghunden, die um uns herumtoben und ein paar Warzenschweinen am Wasserloch.

Das Gelände der Lodge ist – wie fast überall in Namibia RIESIG und natürlich komplett eingezäunt. Innerhalb des Zaunes haben die einen der vielen Wege als „offroad-Übungsstrecke“ ausgeschildert. Das passt – ich muss mich erst mal wieder an das Auto gewöhnen und alles, was ich über das Fahren im Gelände weiss (eigentlich nicht wenig) geht natürlich verschütt, wenn man dauernd nur auf der Autobahn heizt.

Stichworte: LANGSAM! Nicht bremsen! Fuß weg von der Kupplung! Hände weg vom Lenkrad! Nicht bremsen …. jedenfalls nicht mit der Bremse sondern mit dem Motor …… wie geht diese blöde Geländeuntersetzung rein, wie schaltet man das Differential aus. Banalitäten, die bei Nichtwissen ziemlich blöde Folgen haben…. wie auch die Frage, wo der Kompressor ist und ob er funktioniert (funktioniert natürlich nicht …. Achims Kompressor ist aber o.k.). Im Sand muss man ja doch eher auf 1,5 …. sagt man eigentlich noch ATÜ? …. ablassen …. damit wird es aber auf Asphalt gefährlich ….. usw usf.

Wir begeben uns also auf den 20 km langen Übungskurs (angekündigt als „naja so mittelschwer“ … was er letztlich auch ist):

Sand, tiefer Sand, grosse Gesteinsbrocken, steile Hänge, tiefe Mulden …. alles, was man so mal wieder üben muss. Die ersten 20 km absolviere ich am Lenkrad (2h) ……Ina fährt dann die zweite Runde und fährt 1:45 🙂 Frauen sind eben die ruhigeren und vorsichtigeren Fahrer. Sag ich doch!

Wir sehen auch schon ganz schön viele Tiere, wenn auch nichts „Wildes“ aber da werden wir in Botswana ganz sicher noch genug Getier finden, was uns fressen oder aufspießen will.

Morgen geht es dann in die Zentralkalahari – ich berichte

Bilder: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliotrkjuH4d-IOEVuzw

1101 Windhoek ….. und (gleich?) weiter in Richtung Botsuana

Ja, kann ich verstehen, dass jemand die Augenbrauen hochzieht, wenn ich über die Strapazen eines langen Fluges sinniere. Stimmt ja auch: Hätte zu Hause bleiben können. Deshalb nur soviel: ich habe irgendwie kaum geschlafen und steige deshalb gestern wie gerädert gegen 07:00 früh aus dem Flieger.

Das Folgende ist eigentlich gut geplant und kann nicht lange dauern. Schnell mit dem Shuttle in die Autovermietung, dann Autos ausfassen, schnell in den Supermarkt, ein paar Lebensmittel und vor allem genügend Wasser einkaufen und dann auf die Strasse – knapp 300 km gen Osten…..soweit der Plan. Das Wort schnell kommt aber im afrikanischen Wortschatz nicht vor und jeder, der schon mal dort war, weiss eigentlich, dass jeder Versuch der Beschleunigung in einer deutlichen Verlangsamung des Vorgangs endet. So auch hier.

…und ich hatte es einfach innerhalb von vier Jahren vergessen. Man darf da eigentlich auch nicht hochmütig mit deutscher Gründlichkeit messen….in Wahrheit geht es nämlich letztendlich nicht viel langsamer als in jeder schlecht sortierten deutschen Autowerkstatt….nur mit viel (ganz viel!) weniger Aufregung.

Die Widrigkeiten bedürfen eigentlich keiner Aufzählung: bei Achim brennt irgendeine Signalleuchte und bei uns fehlen Ersatzkanister, die noch montiert werden müssen und ausserdem funktioniert der eingebaute Wassertank nicht… jedenfalls keiner Erläuterung. Die Arbeiter …wie darf man die nun eigentlich noch nennen (wenn das jetzt Schokoküsse heisst, nehme ich an, dass die Kollegen hier unten jetzt Schoko heissen?)….also jedenfalls die Arbeiter sind redlich bemüht, wenn auch für unser Gefühl nicht ausreichend verzweifelt.

Ich halte mich vorerst mit der Vorstellung über Wasser, mein Freund Jürgen wäre mit hier – diese Vorstellung sorgt bei uns allen für heitere Gelassenheit.

Als die Probleme gegen Mittag zumindest bei Achim immer noch nicht behoben sind, werden wir erst mal von einem Schokofahrer in den Supermarkt gebracht. Als wir zurückkehren ist das Problem immer noch nicht an der Wurzel gelöst – man gibt Achim aber en Interimsfahrzeug, welches dann heute Abend in unserer 300 km entfernten Lodge nahe der Botswanischen Grenze zurückgetauscht werden soll (was übrigens dann auch klappt)

Im Supermarkt bereitet man sich schon auf Weihnachten vor. Einige Arbeite schleppen fertig geschmückte Plastiktannen in den Markt….was man so „geschmückt“ nennt 🙂

Gegen 13:30 brechen wir auf in Richtung Osten. Windhoek ist mit reichlich dreihunderttausen Einwohnern gross genug für eine richtige Rushour. Wenn man gerade 36 Stunden nicht geschlafen hat, in einer hupenden und blinkenden Meute im Linksverkehr mit einem für meine bescheidenen Fahrkenntnisse schon riesigen Gefährt durch die Hauptstrassen taumelt, begleitet von belehrenden Kommentaren der Frau …. da muss man schon eine gehörige Portion Glück entwickeln, um keinen Crash abzuliefern.

Wir landen letztlich ohne ernsthafte Zwischenfälle in unserer Kalahari Bush Break Lodge…. nur ein paar 100m seitlich des Trans-Kalahari-Highways – übrigens, wer meint, die Strassen in Brandenburg seien ungewöhnlich kurvenarm ….. dieser Highway erinnert sehr an das rote Zentrum Australiens ….. G E R A D E A U S ….. IMMER. Ohne Ausnahme. Sehr einschläfernd. Zum Glück kann ich mich mit Ina abwechseln.

Die Lodge ist schön klein – 6 Zimmer …. vermute ich mal …. und so idyllisch irgendwo im Nichts, wie man das hier allenthalben findet. Mit beleuchtetem Wasserloch, doofen Gnus, Warzenschweinen …… alles ewig nicht gesehen …. grosse Freude trotz Müdigkeit.

Naheliegenderweise gehen wir nach der Springbockorgie (Dinner) zugleich & zeitig ins Bett.

……Bilder lade ich dann später hoch…zu finden unter https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliotqrjzQ_HQTqlV5GA

…. kann aber dauern oder auch gar nicht klappen …. Bushinternet halt.

1031 unterwegs

Die Bilder gleichen sich. Als wir vor vier Jahren nach Namibia aufbrachen haben wir versucht, vom Schaffner ein Bild von uns schießen zu lassen …. damals haben wir sehr viel Überredungskunst gebraucht. Diesmal der „Schaffner von Wagen 21 bis 24“, wie er uns voller Stolz verkündet ist entgegenkommender: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliooMGJ4eeKXY9g0ozA

….das ist auch gleich mal mein Test, ob die Verlinkung der Bilder im Text klappt.

Das Verlassen der Wohnung war wie immer aufregend… für mich weniger: ich gehe einfach raus und bin dann weg. Frauen ticken da anders: Fenster zu? Licht aus? Alles ausgeschaltet …. die letzten beiden Punkte sind irrelevant, weil ich den FI ausgeschaltet habe. Das hindert Ina natürlich nicht daran, vorsichtshalber noch mal alle Verbraucher zu kontrollieren.

Sogar die Duschkabine wird auf ordentlichen Verschluss kontrolliert.

Aber das ist schon gut so – beim letzten mal hatten wir nur alle Verbraucher ausgeschaltet und den Kühlschrank laufen lassen. Auf der Taxifahrt zum Bahnhof hat uns damals die Fahrerin erzählt, dass ihr Haus wegen eines Kühlschrankbrandes abgebrannt ist. So eine Aufregung wie damals brauche ich nicht noch mal.

Wir sitzen also nun im ICE nach Frankfurt und es kehrt Reisenormalität ein.

Wir fliegen heute Abend los nach Windhoek – dort mieten wir uns zwei Jeeps und fahren dann gen Osten ….. wer sich das mal in Google Maps anschaut kann das im Groben recht einfach nachvollziehen:

https://1drv.ms/i/s!AtXp65LkejWliotZ20pUQNZgsywKRA

Windhoek ….dann nach Osten in Botsuana bis zur Zentralkalahari…dann über mehrere kleine Stationen nordwärts durch das Okavango-Delta. Ganz oben an der Grenze zu Simbabwe geht es von Kasane zu den Victoria Falls …. dann westwärts durch den Caprivistreifen bis zu den Popa-Falls und dann mit einem nördlichen Bogen über Rundu am Waterberg vorbei wieder zurück nach Windhoek (Windhuk …. ganz wie man will)

Genaueres dann von unterwegs…..

Jetzt gucke ich erst mal noch ein wenig aus dem Fenster und ergötze mich an dem goldigen Novemberwetter, welches mir nun erst mal eine Weile fehlen wird

Tag NULL: so.

Das ist der Tag NULL unserer Reise nach Botswana…. in einer halben Stunde fahren wir los. Ich werde hier in loser Folge bis zum 24.11. darüber berichten, wie es uns in der Ferne ergeht. Bilder werdet Ihr HIER finden: https://1drv.ms/f/s!AtXp65LkejWliooLjVFpWP_SOAiS8Q.

Im Moment gähnt dort aber noch nicht mal meine Frau (z.Z. noch in der Küche) ….sondern nur Leere.

Ich musste einfach noch im heimischen W-Lan probieren, ob das alles funktioniert….. bevor ich dann in der feindlichen Kommunikationsinfrastruktur strande :-)….deshalb dieser etwas inhaltsleere erste Blog.

…… Taxi kommt. Ich muss los!

JB

Reisetagebuch Botswana

Reisetagebuch

…..im Oktober/November 2017.

Ina und ich sind gemeinsam mit Bärbel und Achim Müller auf einem vierwöchigen Rundkurs durch Namibia und Botswana

Die Beiträge sind chronologisch absteigend geordnet….. Wer also chronologisch aufsteigend lesen möchte, muss bitte ganz unten beginnen. Dabei bitte aufpassen, dass Ihr nicht aus Versehen den Blog von 2013 (Namibia) lest ….ich komme einfach mit dieser blöden Menüstruktur nicht klar….zu alt halt 🙂

Inzwischen habe ich aber die Texte in einer PDF chronologisch geordnet

BotsBilder_kl.jpg

….. und die erste grobe Fotoauswahl online gestellt

Fotos und Texte unterliegen dem Urheberrecht. Bei Interesse bitte anfragen: bernie@bernieswelt.de